Glück und Spiel

Ende 2005 schloss die Senioren-Begegnungsstätte im alten Bürgermeisterhaus in der Trierer Landstraße. Damals verabschiedete sich auch Waltraud Junk, die das Angebot 15 Jahre betreute. Die Institution blieb auf der "Schääl Saidt": Sie zog ins Haus der Vereine. Seit Oktober hat die Caritas die Trägerschaft, und Waltraud Junk ist wieder im Einsatz. Sehr zur Freude der zahlreichen Senioren, die die Einrichtung gerne nutzen - das Spielen, Backen und Erzählen.

Wittlich. "Mensch ärgere dich nicht!" - Stimmt. "Eine Drei! Ja!", ruft die Dame nach dem Würfeln und schubst ein Mitspieler-Männchen vom Brett. Ihre Tischnachbarinnen lachen. "Sechs bis 88 Jahre" lautet die Altersempfehlung auf dem Spiel-Karton. Stimmt nicht: Zwei über 90-jährige Spielerinnen beweisen das in der Begegnungsstätte. Dort gibt es auch ein "Bridgezimmer". Das Klavier schweigt heute zum gepflegten Plauderton des Kartenclubs. Sonst wird in diesem Raum gesungen. Gesungen "wie einstudiert", meint ein Stammgast: "Und der erste Sopran, der ist hell wie eine Glocke!" Heute jedoch schlägt die Stunde der Waffeleisen. Die große Kaffeetafel ist wie immer für alle Gäste eingedeckt. "Denn die Gemeinschaft ist das Wichtigste", sagt Waltraud Junk. "Dadurch bleibt man jung und rege." Ein Traben-Trarbacher ist zum zweiten Mal da. Er hat sich mit vier weiteren Freiwilligen als Fahrer für die, die nicht mehr gut zu Fuß sind, gemeldet und sagt: "Ich war erstaunt über die Möglichkeiten, die die Stadt hat und auch nutzt. Die Atmosphäre gefällt mir. Ich stoße auf große Freundlichkeit, werde an den Tisch gebeten, das ist heute nicht mehr selbstverständlich." Der Pensionär sagt über eine der Damen, die er chauffiert: "Die Frau ist dermaßen fit! Und solche Angebote fördern das. Da bleibt man beweglich im Kopf."Waltraud Junk und elf Ehrenamtliche helfen

Seit der Trägerschaft durch die Caritas ist auch Waltraud Junk wieder für die Begegnungsstätte aktiv. Ihr helfen elf Ehrenamtliche, den Betrieb zu organisieren: Damen, die Kaffee anbieten, Waffeln backen, zum Gesang, zur Gymnastik oder zum Basteln bitten. Jeder kann kommen, und ist der erste Schritt gemacht, findet man womöglich so etwas wie eine "zweite Familie". Am 13. Dezember ist Weihnachtsfeier. Man hofft, frühere Gäste und Helfer wiederzusehen. "Da backe ich natürlich meinen Schmandkuchen", steht für eine Helferin fest. Und zuvor gibt es einen weiteren Termin für jedermann, der nette Gesellschaft sucht: Am Mittwoch, 5. Dezember, ab 9.30 Uhr, wird ein Adventsfrühstück zum Kennenlernen angeboten. Was soll man mitbringen? "Ganz einfach", sagt Waltraud Junk: "Nur gute Laune." Und Rudolf Bollonia, Caritas, ergänzt: "Und wir freuen uns über alle, die sich selbst mit einem Programm-Angebot, ob Vortrag oder Kurs, einbringen wollen." Und was sagten die zwei Damen auf die Frage, warum nicht mehr das Angebot nutzen? "Viele sagen, sie seien noch nicht alt genug dafür." "Ja, aber alt werden, das geht schnell." "Und dann ist es vorbei. Dann kann man nicht mehr kommen." Info Die Begegnungsstätte ist im Haus der Vereine, Kasernenstraße 37 in Wittlich, Telefon 06571/951943. Jeder kann zu den offenen Treffen montags bis donnerstags (14 bis 18 Uhr) kommen. Auch weitere ehrenamtliche Helfer sind willkommen. Die Stadt unterstützt die Einrichtung mit ihren 142 Quadratmetern plus der großen Terrasse. Ulrich Jacoby, Pressesprecher der Stadtverwaltung, informiert: "Gemäß der mit dem Caritasverband geschlossenen Vereinbarung trägt die Stadt die monatliche Kaltmiete sowie die Hälfte der Nebenkosten. Das bedeutet, die Stadt Wittlich übernimmt 218 Euro Kaltmiete und 165,71 Euro der Nebenkostenvorauszahlung monatlich. Wir unterstützen den Betrieb der Begegnungsstätte im Haus der Vereine somit jährlich mit rund 4600 Euro." Im Haus der Vereine stehen insgesamt mit Nebenräumen wie Flure, Toiletten 1980 Quadratmeter zur Verfügung. Vermietet sind 1291 Quadratmeter. Nicht fest vermietet sind drei Mehrzweckräume mit einer Fläche von 335 Quadrat metern.