Glücklich wie noch nie in Klausen

Glücklich wie noch nie in Klausen

Lu und Ingrid Sanders haben vor zwei Jahren das Kloster Klausen gekauft. Seitdem leben sie in dem denkmalgeschützten Gebäude, das sie zu großen Teilen mit viel Aufwand renoviert haben. Sie betreiben dort unter anderem einen Laden und ein Café — und sind laut Lu Sanders "so glücklich wie noch nie zuvor in unserem Leben".

Klausen/Osann-Monzel. 1400 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche hat das ehemalige Kloster in Klausen, verteilt auf 69 Zimmer. In einem davon leben die Besitzer Lu und Ingrid Sanders. "Mehr brauchen wir nicht", sagt Lu Sanders und lacht. "Um im Wohnzimmer zu sitzen, haben wir ohnehin keine Zeit."
Seit zwei Jahren leben die Gründer des Osann-Monzeler Weinguts Sanders & Sanders in Klausen, haben den Hauptsitz des Weinguts mittlerweile in den Wallfahrtsort verlagert und das Gebäude zu großen Teilen renoviert. "Wir haben die Heizungsanlage ausgetauscht, die Wasserversorgung zu 80 Prozent erneuert, die Fassade neu gestrichen. Teilweise ist der Putz in einigen Räumen von der Decke gekommen", erzählt der Geophysiker, dessen Familienweingut durch seinen Riesling-Sherry bekannt geworden ist (der TV berichtete mehrfach). Der Stil des Hauses blieb dabei erhalten, innen seien zum Beispiel die Wände nicht glatt verputzt, sondern uneben wie früher üblich.
Obwohl sich einige Dinge bei der Renovierung der Räume schwieriger gestaltet haben als gedacht - bereut haben die Sanders, die aus Nordrhein-Westfalen stammen und 2010 nach Osann-Monzel gezogen waren, den Schritt nach Klausen nicht: "Wir waren noch nie in unserem Leben so glücklich wie hier." In den vergangenen beiden Jahren hat sich nicht nur optisch einiges getan in dem Gebäude im Schatten der Wallfahrtskirche. Die Sanders haben im Herbst 2015 ein Café eröffnet und betreiben seit Ostern einen Klosterladen, in dem sie eigene Produkte verkaufen. "Und seit 2015 brauen wir ein eigenes, kräftiges Bier, den Klausener Klosterbruder", erzählt Lu Sanders. Zudem werden im Kloster ein spirituelles Programm und Seminare angeboten. Für die Teilnehmer wurden in den ehemaligen zehn Quadratmeter großen Zellen der Dominikaner-Schwestern Gästezimmer eingerichtet.
Doch das soll noch nicht alles gewesen sein: Auch für die Zukunft gibt es viele Pläne. Das nächste Projekt der Familie: Essen auf Rädern, nur umgekehrt. "Wir wollen nicht die Mahlzeiten zu den Menschen bringen, sondern die Menschen hier zu uns zum Essen", sagt Lu Sanders. Für drei Euro pro Mahlzeit können die Klausener dann im Kloster essen. Teilnehmen kann jeder, "der in einer Notlage ist, egal ob Kind oder älterer Mensch". Den Abholdienst realisieren die Sanders mit Hilfe der Dominikaner-Patres, die einen Mini-Bus haben. Gebucht werden muss jeweils für eine Woche im Voraus, "denn wir müssen planen können", sagt Ingrid Sanders. "Aber wenn es eine Notlage ist, kann man auch einfach dazukommen. Einen mehr bekommt man immer satt." Und: "Uns geht es vor allem darum, dass die Menschen zusammenkommen und ein Gespräch finden und nicht alleine zu Hause sitzen." Lu Sanders: "Finanziell unterstützt wird das Angebot von der Stiftung Klostergut Klausen." Sonst sei der Preis für den Mittagstisch nicht zu halten.
Weitaus größer ist das Projekt, das die Sanders in der Nähe des Kräuter- und Sinnesgartens neben dem Kloster realisieren wollen: eine Wohnanlage mit sieben bis acht kleinen Häuschen. "Die Häuschen sollen etwa 75 Quadratmeter groß sein und werden behinderten- und seniorengerecht geplant", erzählt Lu Sanders. Maximal zwei Menschen sollen darin wohnen können. Derzeit werden die Pläne dafür von einem Architekten im Detail ausgearbeitet, der Starttermin ist noch offen. Dann werden vielleicht wieder mehr Menschen im und um das Klausener Kloster ein Zuhause finden, so wie in den 1950er Jahren, als bis zu 40 Schwestern dort lebten (siehe Hintergrund).
Wer sich für das Mittagsangebot in Kloster interessiert, kann sich vor Ort im Klausener Kloster melden oder telefonisch unter 06578/8389076.
Extra

Die Ursprünge von Klostergut Klausen gehen bis ins Jahr 1450 zurück. 1918 zogen sieben Nonnen der Dominikanerinnen ein. Ihr neues Zuhause war zuvor Jahrzehnte lang als Gastwirtschaft genutzt worden. In den 1950er Jahren lebten um die 40 Schwestern im Kloster. 2000 zog der Orden dann weg: Die 14 Nonnen siedelten in die Nähe von Osnabrück um - unter anderem, weil das Gebäude in einem schlechten Zustand war. Danach kauften niederländische Investoren das Anwesen samt Klostergarten. Auf dem Gartengelände sollte ein Ferienpark entstehen. Es gab aber auch andere Pläne, eine Schule für angehende Clowns, ein Sanatorium für drogenabhängige Jugendliche oder ein Seminargebäude für Manager. red/willExtra

Die Stiftung Klostergut Klausen verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke. Zweck der Stiftung ist die Förderung der katholischen Kirche, des Schutztes von Ehe und Familie sowie die Bewahrung der Schöpfung und die Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen. Ferner ist es stiftungszweck, die Öffentlichkeit für die Aufgaben und die Entwicklung der diesbezüglichen Angebote zu interessieren. Das Vermögen der Stiftung stammt aus den Einnahmen aus Bistro & Café, Klosterladen, Veranstaltungen, Spenden, Zustiftungen und gewinnen aus dem Weingut Sanders & Sanders. red/will

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