Glücklicher Sauhirt

WITTLICH. (peg) Was selbst der Darsteller Adi Kaspari nicht wusste: Der "Stächa-Mattes" aus dem Säubrenner-Spiel ist eine historisch belegte Person.

Im Kirmesjahrbuch von 1969 befasste sich Matthias-Joseph Mehs ausführlich mit diesem Mann. Albert Klein, Erster Beigeordneter der Stadt und Initiator des Kirmesschauspiels, hatte es gewusst und baute den Mattes ins offizielle Bühnengeschehen mit ein. Am 21. Juli 1906 zeigte die Schwester Oberin des Wittlicher Krankenhauses den Tod des Matthias Stecher, Witwer der Helena Titelbach, an. Als Beruf gab die Oberschwester "Korbmacher" an, was zweifellos auch stimmte, wie Mehs schreibt. Dennoch habe er von Hause aus wohl eher der Zunft der Schweinehirten angehört, jener Zunft, die Homer als göttlich bezeichnete, "ein Beruf, der hierzulands nahezu ausgestorben ist". Matthias' Vater Peter Stecher war Schäfer gewesen. Mit seinem sauber geputzten Glashorn war der Sohn durch Wittlichs Straßen mehr gehinkt als gegangen und hatte seine Schutzbefohlenen zur Schweinetrift dirigiert. Niemand durfte ihm in sein Geschäft hineinreden. Mehs mutmaßte 1969 in seinem unnachahmlichen Stil: "Wenn er dann draußen auf einem Stein oder einem alten Baumstamm bei seinen Tieren saß, in Gottes freier Natur, mag er wohl mit keinem König getauscht haben." Bezeichnend für den schon zu Lebzeiten "Stächa-Mattes" genannten Schweinehirten war das sichere Gefühl für eine rhythmisch wohlklingende, ausgewogene Ansage, die Adi Kaspari heute in stolzer Manier der Nachwelt am Leben erhält. Geboren wurde Matthias Stecher nach Mehs´ Recherche übrigens nicht in Wittlich, wie fälschlicherweise in der Sterbeurkunde verzeichnet, sondern in Gräfendhron im Hunsrück. Der belesene Bürgermeister hatte in den amtlichen Bekanntmachungen die Anstellungsurkunde des Mannes ausgegraben, dessen Vornamen darin mit nur einem "t" geschrieben wurde.