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Grafschaft will sich Gästen besser verkaufen

Grafschaft will sich Gästen besser verkaufen

Macht es auf Dauer Sinn, dass jeder Ort eine Touristinformation betreibt? In der ehemaligen Grafschaft Veldenz wird darüber derzeit diskutiert. Klar ist eines: Nach außen wollen die Gemeinden schon als Einheit auftreten.

Brauneberg/Burgen/Mülheim/Veldenz. Wer von Brauneberg in den Ortsteil Hirzlei will, muss durch Burgen fahren oder wandern. Das ist aber nicht der Grund, warum die beiden Orte über eine Kooperation im Tourismusbereich nachdenken. Denn mittlerweile gehen die Gedanken auch schon über beide Orte hinaus.
Doch noch mal zurück zum Anfang. Die Grundidee erläuterte der Brauneberger Ortsbürgermeister Udo Schiffmann vor einiger Zeit in seinem Gemeinderat. Das damalige Ziel: Die in einem Wohnhaus in Burgen untergebrachte Touristinformation wird geschlossen. Die dort tätige Angestellte verstärkt das Personal in Brauneberg, um die Mehrarbeit aufzufangen. Burgen werde im Gegenzug professionell betreut.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen beiden Orten. In Brauneberg wurden laut dem statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz im Jahr 2015 in den 57 gemeldeten Betrieben (678 Betten) mehr als 58 000 Übernachtungen gezählt. In Burgen werden vier Betriebe mit insgesamt 44 Betten gelistet, es fehlen aber die Übernachtungszahlen. Ortsbürgermeister Reinhard Gransnick beziffert sie auf etwa 8000. Tenor im Brauneberger Rat war trotzdem: Beide Seiten können durch eine Kooperation nur gewinnen.
Visionen aus Burgen


Dieses Konzept ist auch Gegenstand im Burgener Gemeinderat. Reinhard Grasnick berichtet dort aber schon von einem Fortschritt. Die Ortsbürgermeister der ehemaligen Grafschaft (Extra) hätten die Köpfe zusammengesteckt und darüber geredet, wie die touristische Zusammenarbeit verbessert werden kann.
Grasnick stellt sich das im Idealfall so vor: Es gibt nur noch ein zentrales Tourismusbüro, in dem die Orte vernetzt sind und vermarktet werden - auch an Wochenenden. "Brauneberg bietet dafür beste Voraussetzungen." Wenn die Mitarbeiter aus den einzelnen Orten ihren Sitz in einer Anlaufstelle hätten, könnten die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. "Die Leute stehen zu oft vor geschlossenen Türen", sagt Grasnick. Allerdings stünden die Beratungen erst ganz am Anfang. Er wisse, dass die Mülheimer ein Problem damit haben: "Sie sind nicht so froh".
"Wir haben die meisten Übernachtungen", sagt auch der Mülheimer Ortsbürgermeister Friedhelm Leimbrock. In der Gemeinde mit mehreren großen Hotels wurden 2015 mehr als 78 000 Übernachtungen gezählt. Eine Schließung von Büros sei derzeit nicht Gegenstand der Diskussion. "Die Angebote sollten vor Ort bleiben", sagt er.
Reden könne man darüber, wie die Grafschaft besser dargestellt werden kann. Eine Zusammenarbeit beim Marketing sei sinnvoll.
Auch der Veldenzer Ortsbürgermeister Norbert Sproß spricht nicht von einer Schließung von Büros, sondern nur über "Kooperationen unter Beibehaltung der Selbstständigkeit." Die geplante Zusammenarbeit von Burgen und Brauneberg mache aber Sinn.
Natürlich könne ein effizient arbeitendes Reisebüro sinnvoll sein. "Die Diskussion steckt aber noch in den Kinderschuhen", erläutert er. In Veldenz wurden 2015 laut Statistik knapp 51 000 Übernachtungen gezählt. Erfreulich sei, so Sproß, dass sich Vertreter aus den Orten der Grafschaft mittlerweile öfter zum Informationsaustausch treffen.
Und was sagt der Mann, der alles ins Rollen gebracht hat? Kurzfristig sei nicht damit zu rechnen, dass sich in den größeren Orten etwas an der Struktur ändere, erläutert der Brauneberger Ortsbürgermeister Udo Schiffmann. "Wichtig ist erst einmal, dass wir als Grafschaft gemeinsam auftreten."
Er fügt aber auch an. "Wenn wir uns langfristig positionieren wollen, müssen wir mehr zusammenarbeiten und unsere Kräfte bündeln." Allerdings müsse man die Betriebe dabei mit ins Boot nehmen.
Sichtbar werden soll die Zusammenarbeit schon in diesem Jahr beim Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues. Beim Umzug werden, so Schiffmann, die Gemeinden als Grafschaft auftreten und hintereinander auf die Strecke gehen. "Das gibt dann auch den Leuten aus den Orten ein Zusammengehörigkeitsgefühl", glaubt Schiffmann.Extra

Grafschaft will sich Gästen besser verkaufen
Foto: (m_mo )
Grafschaft will sich Gästen besser verkaufen
Foto: (m_mo )

Die Grafschaft Veldenz war im Mittelalter ein Fürstentum. Sie lag zum Teil zwischen Kaiserslautern, Sponheim und Zweibrücken, zum Teil an der Mosel im Erzstift Trier. An der Mosel gehörten Veldenz, Mülheim, Brauneberg (ohne Filzen), Burgen, Andel und Gornhausen zur Grafschaft. Ihre im zwölften Jahrhundert beginnende Geschichte ist wechselvoll. So kam Veldenz 1798 zu Frankreich. Auf dem Wiener Kongress (1815) wurde der an der Mosel gelegene kleinere Teil dem Königreich Preußen zugesprochen, der größte Teil ging an das Königreich Bayern. Es gab auch einmal eine enge Verbindung zur schwedischen Königsfamilie Wasa. Wahrzeichen der Grafschaft ist Schloss Veldenz, das ebenfalls eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat und viele Besitzer kommen und gehen sah. Eine Besonderheit der Grafschaft: Seit dem 16. Jahrhundert wohnen hier mehr Protestanten als Katholiken. Übrig geblieben ist unter anderem der Mülheimer Markt - das Grafschafter Volksfest. cb