"Grau raus — Farbe rein"

Mitte des Jahres verwandelten fünf junge Graffiti-Künstler die Unterführung der B 50 am Sterenbachsee (zwischen Wittlich und dem Stadtteil Wengerohr). Die als Test gedachte Aktion kam so gut an, das im zweiten Halbjahr eine farbenfrohe, helle Kulisse unter der B 50 entstanden ist.

Wittlich. Dunkelgrau, dreckig, verschmiert sah die Unterführung der B 50 zum Sterenbachsee aus. Deshalb kam die Idee, unter dem Motto "Grau raus — Farbe rein" das Beton-Gebilde neu zu gestalten. Die als Test gedachte Aktion war von der Straßenmeisterei Wittlich genehmigt. Ralf Schmitz, Leiter der Straßenmeisterei Wittlich: "Die jungen Leute hatten sich angeboten, die Unterführung mit Graffiti zu gestalten. Wir haben sie dabei gerne unterstützt." Der Landes-Betrieb Mobilität (LBM Trier) war neugierig darauf wie die Öffentlichkeit reagieren würde. Spontane Gespräche der Künstler mit Spaziergängern und Radfahrern über Graffiti führten schnell zum Verständnis dieser Kunstform. Plötzlich erinnerte sich mancher an urzeitliche Höhlenmalereien, an mystische Bilder die mit einem Blasrohr gesprüht wurden. Selbst ältere Menschen finden Zugang und Verständnis, freuen sich über diese farbenfrohen Bilder. So entstand im zweiten Halbjahr eine farbenfrohe, helle Kulisse unter der B 50.Kein sinnloses Geschmiere aus Langeweile

Unter Graffiti versteht man heute visuell wahrnehmbare Elemente von Einzelpersonen oder Gruppen. Zu einer solchen Gruppe gehören Sarah Mechtel aus Wengerohr, Martin Mangold aus Bengel, Jonas Eberle, Nuhan Alp und Marc Heinrich aus Wittlich. Sie stellen sich ganz klar "gegen sinnloses Geschmiere aus Langeweile." Nach dem Erfolg ihrer ersten Graffiti durften sie in der zweiten Jahreshälfte ihrer Kunst so richtig frönen. Der LBM Trier genehmigte die beidseitige Ausschmückung der gesamten Unterführung, stellte Farben für die Grundierung zur Verfügung. Weitere Farben wurden gespendet. Jetzt zeigen sich die Wände in leuchtenden Farben und erfreuen mit ihren bunten Bildern Jung und Alt. Davon überzeugte sich der Fachbereichsleiter vom Landes-Betrieb Mobilität, Klaus Wagner, bei einer Radtour selbst. Er fand die Arbeit der Künstler toll. Ein weiteres Graffiti-Projekt wird von der Straßenmeisterei in Wittlich gerne wieder unterstützt. Zur Verfügung gestellte, genehmigte Flächen können als "Schmierer" verschmähte Künstler aus der Illegalität und Anonymität herausnehmen. Hintergrund Der Begriff "Graffiti" wird vom griechischen Wort "graphein" (schreiben) und dem italienischen "sgraffiare" (kratzen) abgeleitet. "Writer" bezeichnen sich die aktiven Sprayer im Graffitibereich. Ihre Motivation besteht in dem Bestreben nach Kreativität und der Entstehung positiver Emotionen durch das Sprühen. Sie wollen auf keinen Fall mit den Schmierern verwechselt werden, die private oder öffentliche Mauern verschandeln.