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Gregor M. Jahn ist nun offiziell neuer Schulleiter der BBS Wittlich

Bildung : Zur Schule statt ins Pfarramt – Gregor M. Jahn ist ab Freitag offiziell neuer Leiter der BBS Wittlich

Gregor M. Jahn ist neuer Schulleiter der Berufsbildenden Schulen in Wittlich. Sein erstes Studium ließ anderes vermuten: Jahn studierte evangelische Theologie.

Ein Lehrer – und ab diesem Freitag offiziell Schulleiter –, der von sich behauptet, nach dem Abitur schulmüde gewesen zu sein: Gregor M. Jahn sagt das im Gespräch mit dem TV über sich selbst. Deshalb hat Jahn, der nach zwei Jahren als kommissarischer Schulleiter an diesem Freitag offiziell in sein Amt als Leiter der BBS eingeführt wird, nach Abitur und Wehrdienst erst einmal eine Ausbildung zum Industriekaufmann gemacht, bevor es ihn an die Hochschule zog. Erstes Studienfach: evangelische Theologie auf Pfarramt.

Den Beruf des Pfarrers habe er aber nie ausüben wollen, sagt Jahn, Jahrgang 1966 und gebürtig aus Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Ich habe das studiert, weil es mich interessiert hat“, sagt er. Er habe seinen Horizont erweitern wollen, sei neugierig gewesen, habe wissen wollen, an was er glaube.

Nach ein paar Semestern in Bonn und Heidelberg ging es dann für Jahn, der 2019 den Job des Schulleiters an der BBS kommissarisch übernommen hat, nach Bochum, wo er Ökonomie und evangelische Theologie auf Lehramt studierte und die Uni mit dem Staatsexamen in der Tasche verließ. Seine erste Stelle als Lehrer nach dem Referendariat an der BBS in Mayen bekam er als Vertretungslehrer an der Berufsbildenden Schule in Gerolstein, wo er ein Jahr blieb. Von dort ging es mit einer festen Stelle wieder nach Mayen. Seit 2012 war Jahn, Vater von zwei Söhnen und verheiratet – seine Frau ist Schulleiterin am Gymnasium in Cochem – an der BBS in Wittlich als stellvertretender Schulleiter.

Seit seinen Anfängen als Lehrer Mitte der 1990er-Jahre hat sich einiges verändert an den Schulen, sagt er. „Ich habe den Eindruck, dass die Schüler braver geworden sind, angepasster. dass sie in eine Parallelwelt abgleiten“, sagt er. Es komme kaum noch vor, dass Schüler ihre Lehrer mit kleinen Scherzen ärgern wollten, so wie es früher alltäglich war. Während der Corona-Pandemie habe er bemerkt, wie die Schüler enger zusammengerückt seien, auch beim Gang in die Pause oder auf dem Schulhof, dass sie die soziale Nähe suchten und ihnen der gemeinsame Unterricht gefehlt habe.

Wichtig ist für den Hobby-Musiker („Als Kind spielte ich mal Klarinette, mit 40 habe ich kurz Klavierspielen gelernt, dann Saxofon und Gitarre.“), den Schülern eine Perspektive mit auf den Weg zu geben. „Jeder, der geht, soll eine Perspektive haben, einen Anschluss, unabhängig von seinem Schulabschluss“, sagt Jahn. „Es ist kein Scheitern, wenn man keinen erfolgreichen Abschluss hat, wichtig ist die Perspektive“, betont er. „Jeder muss seinen Weg selbst finden. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Stärken hat. Deshalb darf man nicht an den Schwächen ansetzen, sondern muss das an den Stärken tun. Damit kann man auch Schwächen kompensieren“, sagt er.

Wichtig ist für Jahn auch, die Menschen für die Region zu begeistern und hier zu halten, Netzwerke zu schaffen, mit Betrieben und Multiplikatoren zusammenzuarbeiten, Menschen für Technik und auch für das Handwerk zu begeistern. Wer den Wahl-Moselaner – Jahn lebt mit seiner Familie in Bullay – einmal erlebt hat („Ich gelte als quirlig“), weiß, dass er es ernst meint mit dem, was er sagt. Und dass er aus dem einst schulmüden Abiturienten ein Lehrer aus Überzeugung geworden ist.