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Größter Solarpark im Land wächst weiter

Größter Solarpark im Land wächst weiter

Rheinland-Pfalz zählt zu den Spitzenreitern im Bereich der umweltfreundlichen Energien. Während deren Anteil im Bundesdurchschnitt bei 21,9 Prozent liegt, sind es in Rheinland-Pfalz 29,4 Prozent. In Hasborn soll nun eine weitere Fläche für Solarkraft erschlossen werden, die die Gemeinde selbst nutzen will.

Bernkastel-Wittlich. Hasborn hat landesweit die Nase vorn: Dort steht flächenmäßig der größte Solarpark des Landes. Das kommt nicht von ungefähr. Schon vor drei Jahren sagte der damalige Ministerpräsident, Kurt Beck, Rheinland-Pfalz habe das Potenzial, 20 Prozent seines Energiebedarfs mit Sonnenstrom zu erzeugen. Inzwischen sind es schon 29,4 Prozent - ein Wachstumsmarkt.
Der Flächennutzungsplan: Zur Ausweisung solcher Photovoltaik anlagen muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Die Planungsgemeinschaft in Trier macht dazu eine sogenannte Vorschlagsplanung, die Flächen definiert, in denen eine Photovoltaik-anlage entstehen könnte. In Hasborn geht es aktuell um eine Erweiterung des Solarparks.
Neue Flächen:
Diese Planungsgemeinschaft hat nämlich das Gebiet "Auf dem Rosenberg" auf der Gemarkung Hasborn als mögliche Fläche ausgewiesen. Damit könnten die 32 Hektar, davon zehn Hektar Kollektorfläche, um 26 Hektar erweitert werden. Zum Vergleich: Das historische Stadtzentrum von Wittlich ist neun Hektar groß. Auf der jüngsten Ratssitzung der Verbandsgemeinde Manderscheid wurde dem grundsätzlich zugestimmt. Weiteren Flächenausweisungen in den Gemarkungen Hasborn, Greimerath und Niederöfflingen soll tendenziell jedoch nicht mehr zugestimmt werden.
Kommunale Selbstversorgung: Hasborns Ortsbürgermeister Hajo Neumes erklärt gegenüber dem TV, dass bei dieser neu geplanten Anlage die Gemeinde selbst investieren wolle. Ziel sei eine kommunale Selbstversorgung mit Energie. Der bereits existierende Solarpark sei hingegen an eine Firma in München verpachtet.
Der Bau solcher Anlagen ist ein komplexer Prozess. Wenn das Land, das zukünftig für eine Solaranlage genutzt werden soll, zum Beispiel verpachtet ist, muss der Eigner - zum Beispiel die Gemeinde - diesem Nutzer kündigen. Das können zum Beispiel Landwirte sein, die vorher dort Felder oder Viehweiden hatten und sich nach neuen Pachten umsehen müssen. In Hasborn hingegen sei die vorgesehene Fläche, die der Gemeinde gehöre, seit über 20 Jahren nicht mehr bewirtschaftet worden, erläutert Neumes.
Schwierige Datenlage: Wie viel Strom Solaranlagen im Einzelnen erzeugen, ist schwer zu ermitteln. Alfons Kuhnen von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich sagt, dass die Erträge von allen Photovoltaik-Anlagen aufgrund gesetzlicher Vorgaben kumuliert veröffentlicht werden, aber nicht aktuell, sondern nur für das vorletzte Jahr. Weiterhin seien die Daten anonymisiert. Eine Auskunft sei nur direkt über den Betreiber oder den Netzbetreiber zu beziehen. Dennoch hat der Kreis auf der Datengrundlage von Genehmigungsanträgen eine Übersicht entwickelt. (siehe Extra). Die Suche nach dem Netzbetreiber führt zur Firma Amprion. Sie betreibt die großen Überlandleitungen in der Region. Pressesprecher Andreas Preuß teilt auf Anfrage mit, dass sich der tatsächliche Anteil an Strom, der aus Solar- oder Windkraft stammt, nur sehr schwer ermitteln ließe.
Hoher Anteil in Rheinland-Pfalz: Eine Untersuchung des Statistischen Landesamtes weist aus, dass in Rheinland-Pfalz 29,4 Prozent der Energie aus regenerativen Erzeugungsanlagen (Windkraft, Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft) stamme. Die Windkraft habe dabei einen Anteil von 13,7 Prozent, Photovoltaik 5,6 Prozent. Im Bundesschnitt kommen 21,9 Prozent aus regenerativen Energien (darunter 7,3 Prozent Windkraft, 4,6 Prozent Fotovoltaik). Rheinland-Pfalz liegt also statistisch gesehen vorn.
Erlös aus Verpachtungen: Der öffentlich zugängliche Haushaltsplan zeigt für das Jahr 2013 für Hasborn zu erwartende Pachteinnahmen in Höhe von 48 000 Euro. Für die Gemeinde Niederöfflingen ist nach Medienberichten mit bis zu 30 000 Euro Pachteinnahmen zu rechnen.
Wie viel Strom erzeugt wird: Pächter der Anlage in Hasborn ist die Firma KGAL Investment in Grünwald bei München. Agathe Huber von KGAL teilt auf TV-Nachfrage mit, dass im Jahr 2012 6400 Megawattstunden in Hasborn und 5900 Megawattstunden in Niederöfflingen erzeugt wurden. So liegt die Anlage leicht über der bei der Einweihung vor drei Jahren prognostizierten Nennleistung von zwölf Megawatt. Damit könnten 2500 Haushalte mit jeweils drei Bewohnern versorgt werden. Für die Firma ist das lukrativ - sie bekommt durch das Energieeffizienzgesetz eine für 20 Jahre festgeschriebene Einspeisevergütung.
Zum Vergleich: Solarpark Utscheid: In Utscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) gibt es bereits eine von der Gemeinde betriebene Solaranlage. Sie bringt 2,5 MW Nennleistung, wie Ortsbürgermeister Alexander Stellmes erläutert. "Diese Leistung hat sie auch im letzten Jahr gebracht, womit wir zufrieden sind," sagt Stellmes. Die Gemeinde hat eine GmbH gegründet, deren alleiniger Gesellschafter sie ist. Damit fließen die Erlöse direkt der Gemeinde zu.
Interessen der Landwirtschaft: Wolfgang Schmitz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Manderscheid, zu der Hasborn gehört, nimmt Bezug auf den Beschluss des VG-Rates: "Das Thema wird politisch zurückgefahren." Schmitz verweist zudem darauf, auch die Bedürfnisse der Landwirtschaft zu berücksichtigen: "Ich bin der Meinung, dass wir unseren Beitrag in Bezug auf Freiflächenphotovoltaik nun abschließend geleistet haben. Wir müssen in Zukunft auch die Interessen der Landwirtschaft wahrnehmen."Extra

Übersicht: großflächige Photovoltaikanlagen im Landkreis Bernkastel-Wittlich Energiepark Mohrenlay/Auf Heckert Hasborn/Niederöfflingen, Fläche: 32 ha, Nennleistung: 12 MW Solarpark Auf der Soll, Niederöfflingen, 13 ha, 3,25 MW Photovoltaik Niederöfflingen III, 5,7 ha, 2 MW (geplant) Photovoltaikanlage Großlittgen, 6,9 ha, 1,7 MW Photovoltaikanlage ZMD Sehlem, 18,8 ha, 0,8 MW Hontheim, Benzenberg TB2, 6 ha, 2,6 MW Solarkraftwerk Kinderbeuern, 5,1 ha, 1,1 MW Photovoltaik Sengwald Kinheim, 11 ha, 3,8 MW Photovoltaik Sengbüsch Kinheim, 7,4 ha, 2 MW Solarpark Hinzerath, 4 ha, 1,5 MW Morbacher Energielandschaft, 10 ha 2,1 MW Die Nennleistung bezeichnet die maximal mögliche Leistung bei Sonnenschein. Die tatsächlich eingespeiste Energie ist der Ertrag. (Quelle: Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich) hpl