Große Emotionen bei kleinen Gästen

Große Emotionen bei kleinen Gästen

MORBACH. Der traditionelle Auftakt der der St. Anna Kirmes bei der Bühne des Musikvereins Morbach ist stets gut besucht. In diesem Jahr war’s nicht nur das Freibier, das viele Menschen schon am Freitagabend in die Ortsmitte zog, sondern eine ganz besondere Ehrung. Mehr als auf drei Firmenjubiläen fuhren die Besucher je nach Alter und Interessenlage auf Karussells, Musikgruppen und Kulinarisches ab.

Die drei Schausteller-Familien Weeber, Barth und Bruch können von der Morbacher Kirmes offenbar nicht genug kriegen. Sie wurden am Freitagabend von Bürgermeister Gregor Eibes und Ortsvorsteher Hans Jung für den 70. beziehungsweise 100. Kirmesaufenthalt geehrt. Förmlich ging's zu diesem Anlass nicht zu. Bürgermeister Gregor Eibes umarmte beispielsweise Werner Weeber bei seiner kurzen Ansprache und sagte: "Ihr seid hier längst keine Schausteller mehr, sondern Freunde." Welche Stellenwert der Rummel für Morbach habe, sehe man auch daran, dass bei der Ortskernsanierung darauf geachtet worden sei, dass Kinderkarussells, Auto-Scooter und andere Fahrgeschäfte auch nach der Umgestaltung noch genügend Platz hätten. Nicht nur die Kirmesbeschicker waren gerührt, auch im Publikum floss manche Träne. Große Emotionen weckte ansonsten die Kirmes vor allem bei den kleinen Besuchern. Während die vierjährige Romy Wagner offenbar noch ziemlichen Respekt vor dem Flieger-Karussell hatte, fuhren Winston (6) und Wesley (4) aus den Niederlanden voll auf Motorräder ab, auf denen sie ihre Runden drehten. Auch den Eltern Marielle und Arun Thakoer, die derzeit im Hambachtal Urlaub machen, gefiel es im Mittelpunktort der Einheitsgemeinde. Ihnen hatten es vor allem Champignons und Reibekuchen angetan. Weniger glücklich war eine Morbacher Mutter, die namentlich nicht genannt werden wollte, mit dem kulinarischen Angebot. Das lasse ziemlich zu wünschen übrig. Mandeln mit Chili-Geschmack

Das sah Renate Tresch aus Hundheim anders, die mit ihrem Freundeskreis unterwegs war: "Pommes Frites und Currywurst, das gehört nun mal zu einer richtigen Dorfkirmes." Doch damit war die kulinarische Auswahl längst nicht am Ende. Auch wer auf der Suche nach dem Besonderen war, wurde fündig. Zum Beispiel beim Nuss-Michel alias Johann Michel aus Erlensee bei Hanau. Er legte sich mit ungewöhnlichen Kreationen schwer ins Zeug. Seine gebrannten Mandeln schmeckten nach Amaretto, Nutella oder Chili. Doch wie viele andere bevorzugten Jasmin Schneider (13) und Ramona Schmitt (12) die klassische Variante ausschließlich mit Wasser und Zucker zubereitet. Nicht bei allen Besuchern stand das Essen im Vordergrund. An diesem Wochenende begegne man vielen Bekannten, die man das ganze Jahr über nicht gesehen habe, antwortete Emil Heinrich, dem TV auf der Frage, was für ihn das Besondere auf der Kirmes ist. Zudem seien die Livebands nicht zu verachten. Doch vor dem Musikgenuss musste Heinrich zunächst seinen Dienst bei den Alten Herren ableisten. Die vier Musikbühnen hatten es auch anderen angetan. Zum Beispiel Jürgen Adam, den es gleich an zwei Abenden zur Kirmes mit Festival-Charakter zog: "Das Programm ist für einen Ort dieser Größenordnung schon ungewöhnlich", lobte der Deuselbacher.

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