Große Firmen stehen auf Wittlich

Bei Dr. Oetker in Wittlich arbeiten 1250 Menschen, bei Goodyear-Dunlop knapp 1000. Der Wirtschaftsstandort Wittlich hat wegen seiner optimalen Verkehrsanbindung nicht nur mittelständische Firmen, sondern auch Großkonzerne angelockt. Seit Jahren sind sie Jobgaranten.

Wer mit dem Auto aus Richtung Westen nach Wittlich kommt, sieht zunächst große Industrie- und Gewerbegebiete. Die 32 Meter hohen Produktions- und Lagerhallen des Lebensmittelkonzerns Dr. Oetker fallen ins Auge, ebenso die Türme der Asphaltmischanlage der Firma Benninghoven sowie der hohe Schornstein und die großflächigen Betriebsstätten von Goodyear-Dunlop.
Dr. Oetker, Benninghoven und Dunlop: Das sind nur drei von mehreren namhaften, international agierenden großen Firmen, die sich in den vergangenen 50 Jahren in Wittlich angesiedelt haben.
Wittlich wächst


Dr. Oetker ist seit 1980 in Wittlich. "Damals war das Unternehmen auf der Suche nach einem attraktiven Standort mit erweiterungsfähigen Flächen. Zudem bot der Standort eine gute Anbindung, die in Wittlich produzierten Tiefkühl-Pizzen und -Snacks sowohl im deutschen als auch im europäischen Markt zu etablieren", sagt die Pressesprecherin des Bielefelder Lebensmittelkonzerns. Die Entscheidung habe sich als richtig erwiesen. Im Laufe der Jahre wurde das Werk aufgrund der steigenden Nachfrage ausgebaut und nach und nach mehr Leute eingestellt.

Die Traben-Trarbacher Firma Ideal Fensterbau, die seit 1990 im Gewerbegebiet Mont Royal produziert, hat 2004 im Industriegebiet Wittlich-Wengerohr ein weiteres Werk errichtet. Inzwischen gehören Firmeninhaber Ludwig Weinstock 40 000 Quadratmeter, auf denen drei große Hallen stehen. Ludwig Weinstock: "Der Quadratmeter voll erschlossene Gewerbefläche hat 19,50 Euro gekostet. Das war schon günstig." Außerdem verfüge Wittlich über eine ideale Verkehrsanbindung. Das sei schon ein entscheidender Standortvorteil gegenüber dem Werk im Traben-Trarbacher Gewerbegebiet Mont Royal.

Die optimale Verkehrsanbindung war auch der wesentliche Grund für den großen Simmerner Landmaschinenhändlers Junker, im Industriegebiet Wittlich-Wengerohr ein Vertriebs- und Servicezentrum zu bauen. Es soll im April 2013 fertig sein (der TV berichtete).

Zunächst sei auch das Industriegebiet Föhren in Betracht gekommen, sagt Geschäftsführer Wilfried Emmel. Wittlich habe aber mehr Vorteile zu bieten. Emmel: "Wenn die B 50 neu mit der Hochmoselbrücke fertig ist, ist man ruck, zuck von Simmern in Wittlich."

Rückblick: Wittlich in den 50er Jahren: Von großen Industrieanlagen ist noch nichts zu sehen. Diese werden zunächst in anderen Regionen wie dem Ruhrgebiet oder am Rande von Großstädten gebaut. Wittlich hat um die 9000 Einwohner und ist ein von zahlreichen Handwerksbetrieben und Kleinhändlern dominiertes Städtchen mit einer sehr schlechten Verkehrsanbindung. Der rasante Aufschwung beginnt in den 60er Jahren, hauptsächlich ausgelöst durch zwei politische Entscheidungen: Wittlich wird vom Land zu einem Förderschwerpunkt erklärt, das heißt, Investitionen für Gewerbeansiedlungen werden bezuschusst. Noch wichtiger: Die Autobahn A 48 wird gebaut, und Wittlich erhält 1970 als erste Stadt im damaligen Regierungsbezirk Trier Anschluss an diese Autobahn. Erst 1975 ist die A 48 bis Trier durchgängig befahrbar.
Außerdem wird die Stadt 1969 im Rahmen der Gebietsreform zur Kreisstadt des neuen Kreises Bernkastel-Wittlich.

Nach und nach werden große Industriegebiete ausgewiesen und schnell bebaut. Im Einzelnen: Das Industriegebiet I und Ia unter anderem mit den Firmen Ideal Standard, Schlachthof Simon und Stahlbau Ziemann, das Industriegebiet II unter anderem mit Goodyear-Dunlop und später das Industriegebiet III, wo Aldi ein Zentralager baute. Es folgten das Industriegebiet Wengerohr mit Dr. Oetker und das Industriegebiet Wengerohr-Süd unter anderem mit der Firma Follmann-Baustoffe.
Noch ist Platz für weitere Gewerbe- und Industrieansiedlungen. Im Industriegebiet Wengerohr Süd können noch weitere 40 Hektar erschlossen werden.Extra

Die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Wittlich spiegeln die Entwicklung des Gewerbe- und Industriestandorts wider. Die Gewerbesteuer ist allerdings stark konjunkturabhängig, so dass es immer wieder starke Ausschläge nach oben und unten gibt. Bis 1975 betrugen die Einnahmen der Stadt aus dieser Steuer mit einer Ausnahme (1968) stets weniger als eine Million Euro. In den 80er Jahren kassierte die Stadt im Durchschnitt um die fünf Millionen Euro, in den 90er Jahren waren es um die sieben Millionen Euro und in den Jahren 2000 bis 2009 knapp zehn Millionen Euro. Rekordjahr war 2002 mit 12,05 Millionen Euro. Im Haushaltsplan 2012 der Stadt Wittlich sind 9,5 Millionen Euro an Gewerbesteuererträgen veranschlagt. sim