Große Koalition beim Kampf um Gäste

Große Koalition beim Kampf um Gäste

Muss sich ein Kreis um das Geschäft mit den Urlaubern kümmern und dafür auch zahlen? In Bernkastel-Wittlich und Trier-Saarburg gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Bei den Nachbarn sind aber schon Fakten geschaffen worden.

Bernkastel-Wittlich. Vor fast zwei Jahren, Ende Juni 2011, ist der Kreis Trier-Saarburg aus mehreren touristischen Gesellschaften ausgetreten, aus der Hunsrück-Touristik, der Mosellandtouristik und der Eifel Tourismus (der TV berichtete). Das hat damals in anderen Kommunen für Ärger gesorgt. Und der ist im Kreis Bernkastel-Wittlich immer noch nicht verraucht. Bei der Diskussion über das neue Finanzierungskonzept und den geänderten Gesellschaftervertrag der Hunsrück-Touristik wird dies deutlich.

Anteile werden aufgeteilt

Bettina Brück, Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, bezeichnet die Vorgehensweise des Nachbarkreises als "unsolidarisch". Eine einheitliche Vermarktung der Region sei wichtig. "Der Kreis Trier-Saarburg hat aber auf Kosten anderer gehandelt", sagt sie.
Im Kreis Bernkastel-Wittlich besteht eine große Koalition. "Ich kann diesen Worten auf Punkt und Komma zustimmen", sagt Landrat Gregor Eibes (CDU). "Ich habe die Geburtsstunde der Hunsrück-Touristik mitgemacht. Der Kreis Trier-Saarburg verlässt sie so, als ob er aus einem Gesangverein rausgehe", bemerkt Karl-Heinz Erz (Freie Wähler).
Die Kritik ist eindeutig, ändert aber nichts mehr. Finanzielle Nachteile erwartet der Kreis Bernkastel-Wittlich allerdings nicht, da die Anteile aus Trier-Saarburg (Stammkapital 6240 Euro) vom Verein Hochwald-Ferienwald und bereits beteiligten Verbandsgemeinden übernommen werden. Dazu gehören unter anderem die Verbandsgemeinde Thalfang und die Einheitsgemeinde Morbach. Beide hatten je einen Geschäftsanteil in Höhe von 520 Euro und übernehmen nun einen weiteren.

Im Kreis Trier-Saarburg sei der Tourismus bei mehreren Stellen angesiedelt gewesen, sagt Pressesprecher Thomas Müller. Das habe teilweise zu doppelter Arbeit geführt und Ressourcen gebunden. Natürlich geht es auch ums Geld. Nicht um das eher geringe Stammkapital, sondern um den Ausgleich des jährlichen Defizits. Der Kreis habe da alleine für die Hunsück-Touristik GmbH im Jahr 2011 eine Summe von 70 000 Euro übernehmen müssen.
Im Kreis Bernkastel-Wittlich gebe es diese Mehrfachbelastung nicht, sagt Pressesprecher Alfons Kuhnen. Die jetzige Regelung werde von allen politischen Kräften getragen. Die Hunsrück-Touristik sei für die Außendarstellung und Vermarktung der Region zuständig, die Touristinformationen vor Ort für die hier weilenden Gäste.
"Diese Struktur hat sich bewährt", sagt Kuhnen. Schließlich weise der Kreis die höchsten Gäste- und Übernachtungszahlen in ganz Rheinland-Pfalz auf. Nach Auskunft des Pressesprechers hat der Kreis Bernkastel-Wittlich im Jahr 2011 43 848 und 2012 43 865 Euro für die Verluste der Hunsrück-Touristik GmbH aufgewendet.
Ein weiterer Hintergrund: Der Kreis Trier-Saarburg hat bereits vor den Bernkastel-Wittlichern die Trägerschaft über die weiterführenden Schulen übernommen und erspart den Verbandsgemeinden damit Kosten. Im Gegenzug sollen diese Kommunen die Ausgaben für den Tourismus tragen.Extra

Die Hunsrück-Touristik GmbH wurde 1997 gegründet. Ihre zentrale Aufgabe ist es, das Außen- und Innenmarketing für den Tourismus der Region aufzubauen und weiterzuentwickeln. Unter anderem werden ein Urlaubskatalog und diverse Themenbroschüren erstellt. Gesellschafter sind nach der Neustrukturierung unter anderem die Landkreise Bernkastel-Wittlich, Cochem-Zell und Rhein-Hunsrück sowie verschiedene Verbandsgemeinden und der Verein Hochwald Ferienland. Seit Oktober 2008 hat die Hunsrück Touristik ihren Sitz auf dem Gelände des Flughafens Hahn. Im Hunsrück werden pro Jahr etwa eine Million Übernachtungen verzeichnet. Zum Vergleich: Am deutschen Teil der Mosel werden in Spitzenjahren mehr als sechs Millionen Übernachtungen registriert, davon alleine etwa 2,4 Millionen im Kreis Bernkastel-Wittlich. Der Hunsrück ist besonders bei Wanderern beliebt. Mit dem 180 Kilometer langen Saar-Hunsrück-Steig, der auf dem Gebiet von Rheinland-Pfalz und dem Saarland verläuft, verfügt er seit einigen Jahren über ein Aushängeschild. Die anspruchsvolle Strecke wurde sogar schon zum besten Premium-Wanderweg Deutschlands gekürt. cb