1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Großer Bahnhof für kleine Löscher

Großer Bahnhof für kleine Löscher

Früh übt sich, was einmal Feuerwehrmann oder -frau werden will. Bis zum ersten Einsatz wird es für die Sechs- bis Zehnjährigen in Wintrich und anderen Orten noch ein paar Jahre dauern. Doch ihre großen Kameraden denken langfristig und wollen mit der frühen Förderung das Nachwuchsproblem mindern.

Wintrich. Der siebenjährige Leon will den roten Plüschkameraden gar nicht mehr loslassen. "Den nehme ich mit ins Bett", sagt er. Ob das Demean, Felix, Emily, Sophie, Julian und Annalena zulassen, bleibt offen. Wahrscheinlicher ist, dass das Maskottchen der neugegründeten Wintricher Bambinifeuerwehr im Gerätehaus seinen Platz findet. Dort hängen in Zukunft auch die Jacken und T-Shirts der Nachwuchswehrleute.
Einmal im Monat werden sie sich dort treffen - und unter Anleitung von Heike Auler und Roland Schäfer in erster Linie spielen. Frank Leuwen vom Landesfeuerwehrverband hat ihnen extra eine Spielesammlung mitgebracht. "Derzeit gibt es circa 300 Bambini-Feuerwehren im Land", berichtet er. Ein entsprechendes Gesetz schafft dafür seit fast zehn Jahren die Voraussetzung. Und im Landesverband gibt es seither auch das Referat Bambinifeuerwehr, in dem Leuwen tätig ist.
Leichte Entscheidung


Aktiv werden können Mädchen und Jungen dort ab dem sechsten Lebensjahr. Die Mitgliedschaft endet mit dem zehnten Geburtstag. Dann ist ein Wechsel in die Jugendfeuerwehr möglich.
Der Hintergrund ist klar: "Es ist schwer Nachwuchs für die Feuerwehr zu bekommen", sagt der Wintricher Wehrführer Werner Schrenk stellvertretend für seine Kollegen. Wichtig sei, dass die Kinder einen vernünftigen Umgang miteinander lernen. Das sei ja nicht mehr selbstverständlich.
Der Feuerwehrverband gibt folgendes Ziel aus: Kinder sollen spielerisch an die Aufgaben und Anforderungen des Brandschutzes herangeführt werden und ihnen soll soziales Engagement nahe gebracht werden. "Natürlich ist auch Eigennutz dabei. Das muss auch erlaubt sein", sagt Thomas Edringer, Wehrführer der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Gerade im Alter zwischen sechs und zehn Jahren entschieden Kinder und ihre Eltern über die Freizeitaktivitäten nach der Schule. Wer zehn Jahre alt und im Sportclub und im Musikverein aktiv sei, könne nur noch schwer für die Jugendfeuerwehr gewonnen werden. Mit dem frühen Einstiegsalter ändere sich das.
Für die Kinder war die Entscheidung nicht schwer. "Fast alle aus meiner Familie und auch meine Freunde sind in der Feuerwehr", sagt Julian (9). "Mein Bruder ist in der Jugendwehr, und ich will Leuten helfen", berichtet Sophie (8). "Weil der Papa in der Feuerwehr ist", sagt Leon (7). Gleiches gilt für Annalena (7).
Ordner mit Regeln


Auch Ulf Hangert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, Erich Morbach, stellvertretender Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Bernkastel-Wittlich, der Wintricher Ortsbürgermeister Dirk Kessler und Mitglieder der örtlichen Jugendwehr begrüßen die zukünftigen Brandschützer. Fünf von ihnen kommen aus Wintrich, zwei aus dem Brauneberger Ortsteil Filzen, wo es noch eine Wehr gibt.
"Schön, dass ihr da seid", sagt Hangert. Dirk Kessler hat neben Kinderwein(Traubensaft) auch 350 Euro dabei, die der Gemeinderat zur Verfügung stellt. Das hört sich alles gut an. Doch der von Frank Leuwen überreichte dicke Ordner mit Regeln für die Betreuung zeigt, dass die Arbeit so leicht nicht ist. Die Betreuung der Kinder muss beispielsweise eine pädagogische Fachkraft übernehmen. Glücklicher Umstand in Wintrich: Heike Auler gehört nicht nur der Feuerwehr an sondern ist auch examinierte Kinderpflegerin. Von sich aus habe sie sich für eine Bambinigruppe starkgemacht, erzählt sie. Fehlt nur noch der Namen für das Maskottchen.
Auf "Löschteufel" könnte es hinauslaufen. Mit dem Brandschutz haben die Kinder an diesem Tag aber noch nicht viel im Sinn. Sie vergnügen sich, und das ist ja auch der Sinn, erst einmal mit dem Spiel "Vier gewinnt".Extra

Die Wintricher Bambinifeuerwehr ist die sechste Gruppe dieser Art im Kreis Bernkastel-Wittlich. Die fünf anderen wurden in Rivenich, Osann-Monzel, Binsfeld, Burg (Salm) und Zeltingen-Rachtig gegründet. Im Kreis gab es zum Jahresanfang insgesamt 126 Feuerwehren mit 2990 Aktiven. Zum Jahresanfang lag die Zahl bei 157. Der Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass Löschzüge zusammengelegt wurden. Die Zahl der Jugendwehren (10 bis 16 Jahre) liegt bei 84. Darin sind 850 junge Leute aktiv. cb