Großer Einfluss

MANDERSCHEID. (ger) Ritterturniere und Burgruinen im Liesertal – dies sind insbesondere im Sommer Anziehungspunkte für Touristen. Über einen Zeitraum von annähernd 800 Jahren war es gelebte Wirklichkeit am Grafenort Manderscheid.

"Selten ist dem Betrachter ein solcher Blick vergönnt. Die beiden Manderscheider Burgen, nur einen Bogenschuß voneinander entfernt, bieten zusammen mit der Waldkulisse der Vulkaneifel ein Panorama voller Romantik und bezaubernder Schönheit. Nicht umsonst gehört diese herrliche Ansicht zu den meist fotografierten und von vielen Künstlern zelebrierten Motiven der gesamten Eifel." Diese Worte aus einem Fremdenverkehrsprospekt sind keinesfalls übertrieben und beschreiben treffend den tatsächlichen Eindruck. Und das erstaunliche daran ist, dass es sich nicht einmal um ein gut erhaltenes Ensemble handelt, sondern um Ruinen im wahrsten Sinne des Wortes; Ruinen eingebettet in die Lieserlandschaft mit einer unerhört kraftvollen und berauschenden Anziehungskraft. Die beiden Burgen liegen auf Felskegeln der Stadt gegenüber, von dieser durch ein tief eingeschnittenes Tal getrennt. Die Burgen selbst wiederum sind durch die Lieser voneinander getrennt. In geschichtlicher Hinsicht ist die Bedeutung der Lieser als Grenzfluss interessant. Die östliche Staatsgrenze des Herzogtums Luxemburg lag bis 1794 an Salm und Lieser. Luxemburg stieß dort an das Territorium des Kurfürstentums Trier. In Manderscheid bildete die Lieser die Staatsgrenze. Die Oberburg und damit der Ort Manderscheid war Eigentum des Trierer Kurfürsten, die Niederburg mit Niedermanderscheid hingegen Teil des Herzogtums Luxemburg. Die Niederburg ist der Stammsitz des Manderscheider Geschlechtes, das im späten Mittelalter eine der mächtigsten Feudalherrschaften der Region zwischen Rhein und Maas mit umfangreichen Besitzungen bildete. In der Blüte seiner Macht hatte es Einfluss auf die große Politik Luxemburgs. Zurückhaltende und gütige Herren

Dietrich II. von Manderscheid-Kail war um 1600 Ritterrichter der Provinz, gleichzeitig Vertreter für die Generalstaaten in Brüssel. Er empfing als Repräsentant der Stände im Jahre 1598 das Fürstenpaar Isabella und Albrecht von Spanien, seinerzeit der Welt mächtigstes Herrscherhaus, in Luxemburg und begrüßte diese in deutscher Sprache. Die erste nachweisbare Erwähnung der Herren von Manderscheid stammt aus dem 12. Jahrhundert. Richard I. wird 1133 genannt. Seine Nachfahren residierten zunächst an der Lieser, später in Schleiden, (Ober-)Kail und Blankenheim, je nach Zeitverhältnissen und persönlichen Einstellungen als machtbewusste Ritter, als zurückhaltende und gütige Herren oder als allgewaltige Grafen. Das Geschlecht wurde 1457 in den Reichsgrafenstand erhoben. Ironie der Geschichte oder Zufall - bereits 1780, vor dem Ende der Feudalzeit war das Manderscheider Grafenhaus ausgestorben. Nachweisbar 600 Jahre hatte seine Zeit als bedeutendes Herrschergeschlecht gedauert. Eine regionale Periode war vorüber, die große Weltpolitik wandelte sich 14 Jahre später ebenfalls, allerdings weitaus spektakulärer. Mit dem Einmarsch französischer Revolutionstruppen in das Rheinland und der später erfolgten Eingliederung in den französischen Staat, ab 1816 dann ins Königreich Preußen, entstanden vollkommen neue politische, wirtschaftliche und kulturelle Strukturen. Nach dem Erlöschen der Feudalzeit hat Manderscheid seine Bedeutung aufrechterhalten und durch die im 19. Jahrhundert einsetzende "Romantikwelle" sowie dem beginnenden Fremdenverkehr, initiiert durch die wunderbare Lage seiner alten Burgen, ausbauen können. Manderscheid war nicht nur die Keimzelle des mächtigsten Herrschergeschlechtes der Eifel. Manderscheid ist bis heute Synonym für das gleichnamige Grafenhaus geblieben. Und das, obwohl die Grafen nur kurze Zeit in Manderscheid selbst residierten.

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