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Großer Herrgott in kleiner Kapelle

Großer Herrgott in kleiner Kapelle

Ein Christus am Kreuz - aus einem Stück geschnitzt: Das gibt es sehr selten und hat einen bestimmten Grund. Solch ein Kreuz ist in Rapperath zu sehen.

 Dieser aus einem Stück geschnitzte Christus am Kreuz ist in einer Kapelle in Rapperath (rechts) zu sehen. TV-Fotos (2): Klaus Kimmling
Dieser aus einem Stück geschnitzte Christus am Kreuz ist in einer Kapelle in Rapperath (rechts) zu sehen. TV-Fotos (2): Klaus Kimmling Foto: klaus kimmling (kik), Klaus Kimmling ("TV-Upload kimmling"

Rapperath. Als manche Orte protestantisch wurden, mussten alle Bilder aus den Kirchen entfernt werden. Das war der sogenannte reformatorische Bildersturm, den die Theologen des neuen, evangelischen Glaubens forderten. In der Mitte des 16. und 17. Jahrhunderts mussten aus vielen Kirchen in Europa Heiligen- und Christusbilder entfernt werden. In Rapperath ist in der Kapelle der "Große Herrgott" zu sehen, ein Christuskreuz, das mit der Figur aus einem Stück Holz gefertigt wurde. Es gibt eine Sage zu diesem Kreuz, wie Berthold Staudt, Heimatforscher aus Morbach, erzählt:
"1741" steht auf dem Balken über dem Eingang zur ersten Kapelle. Einst hing das Kreuz in Wirschweiler, so die Sage. Der fast hässlich wirkende Korpus ist fleischfarben gestrichen und mit Blutflecken beschmiert. Christus und der Längsbalken sind aus einem Stück geschnitzt. Der unbekannte Künstler könnte bäuerlicher Herkunft gewesen sein. Die bekannte Inschrift I.N.R.I. steht nicht auf dem Kreuz, sondern war in einen Querbalken des Dachstuhles geschnitzt. Als Wirschweiler protestantisch wurde, entfernte man aus der ehemaligen katholischen Kirche alle Bilder und auch das Kreuz, da der Korpus nicht entfernt werden konnte.
Lange Zeit wurde es als Bachsteg benutzt. Seitdem kam viel Elend über die Bewohner des Dorfes. Ein Bauer, welcher die Ursache für das Unglück ahnte, wollte das Kreuz loswerden, lud es auf einen Wagen mit zwei Ochsen und jagte das Gespann davon. Es machte vor der Stelle in Rapperath halt, wo heute Kreuz und Kapelle stehen. Die Rapperather und der Große Herrgott sind seit Jahrhunderten eins.
Als zur Zeit der französischen Besatzung im Jahre 1800 eine Rinderpest im Dorfe ausbrach, machte die Bevölkerung folgendes Gelöbnis: "Zeit den 14. Dezember, hat sich Bürgermeister und Vorsteher des Ortes Rapperath, einen Bittgang versprochen, bei der das sogenannte heigen heysgen oder großer Herrgott, alle Jahre auf Maria Viktoria auf den Sonntag ohne Unterlass gehalten."
Da zudem auch haben sie eine pinnige Kerz dahin versprochen, welche Kerz von dem Bürgermeister oder einem Gemeindeglied dahin soll getragen werden mit Verwilligung des Herrn Pastor. Dieses alles haben wir bei diesen zequenten Zeiten versprochen. Noch heute erfolgt jährlich an Ostersonntag der Bittgang zum Großen Herrgott, der anlässlich einer Rinderpest im Jahre 1800 gelobt wurde. Der Bürgermeister (Ortsvorsteher) trägt die Kerze. hpl