Großes Denkmal oder Vier-Sterne-Haus: Restaurant in Bernkastel-Kues soll zum Hotel erweitert werden

Großes Denkmal oder Vier-Sterne-Haus: Restaurant in Bernkastel-Kues soll zum Hotel erweitert werden

Bislang ist das "Alte Brauhaus" an der malerischen Moselpromenade in Bernkastel-Kues nur als Restaurant bekannt. Doch die Eigentümer, Dirk und Dieter Kettermann, möchten das klassizistische Gebäude zu einem Hotel erweitern. Ob sie das dürfen, entscheidet das Verwaltungsgericht.

Bernkastel-Kues. Abreißen, ein neues Fundament mit Hochwasserschutz gießen, ein vierstöckiges Gebäude errichten und die historische Fassade zur Mosel hin wieder Stein für Stein aufeinandersetzen: Auf diese Weise möchte Dieter Kettermann, Hotelier und Gastronom, seine Immobilie an der Moselpromenade in Bernkastel-Kues sanieren und umbauen.
In dem klassizistischen Gebäude, das vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und von seinen Vorbesitzern durch die Jahrhunderte umgestaltet wurde, betreibt Kettermann gemeinsam mit seinem Sohn Dirk derzeit das Restaurant "Altes Brauhaus". Doch die drei oberen Stockwerke des Gebäudes stehen leer, was die Besitzer mit dem Umbau zum Vier-Sterne-Hotel mit 32 Zimmern ändern möchten.
4,5 Millionen Euro wollen die Gastronomen investieren. 2018 könnte das Hotel eröffnen, sagt Dieter Kettermann. Doch die Denkmalschutzbehörde der Kreisverwaltung stellt sich ihnen in den Weg. Die Verwaltung sieht in dem Gebäude ein Denkmal klassizistischer Baukunst, wie es nur wenige an der Mosel gibt. Zur Klärung des Streits, der am Verwaltungsgericht Trier verhandelt wird, hat das Gericht einen Gutachter bestellt.
Das sagt der Gutachter: Als "Lehrbeispiel klassizistischer Baukunst", bezeichnet Professor Reinhard Dauber das dreigeschossige "Alte Brauhaus" in Bernkastel-Kues. Aufgrund der Fassadenverzierung, der Dachform, der historischen Holztreppe im Inneren des Gebäudes und weiteren architektonischen Elementen erklärt der Gutachter das Gebäude zum Denkmal.
Zudem, so Dauber, sei dem Gebäude auch noch seine historische Nutzung als ehemalige Braustätte anzusehen, die im Falle eines Umbaus zerstört werde.
Das sagen die Eigentümer: "Wir sind der Meinung, dass das Gebäude kein Denkmal ist. Es gibt keinen Nachweis mehr für die historische Nutzung als Braustätte außer einer Familienchronik. Und die klassizistische Bauweise ist während der letzten beiden Jahrhunderte durch mehrere Umbauten verloren gegangen", sagt Dieter Kettermann.
Er müsse als Eigentümer doch die Möglichkeit haben zu investieren, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Deshalb sei es für ihn notwendig, das "Alte Brauhaus" bei der Sanierung um ein weiteres Geschoss aufzustocken. Kettermann: "Sonst reicht der Platz nicht für 32 Hotelzimmer, und die Investition refinanziert sich nicht." Die Denkmalschutzbehörde werfe ihnen nur Knüppel zwischen die Beine, klagt der Gastronom.
Das sagt die Behörde: "Hier ist die Zerstörung eines Denkmals geplant", sagt Carmen Werkhausen als rechtliche Vertreterin der Kreisverwaltung. Die untere Denkmalschutzbehörde lehne den Umbau ab, da mit den geplanten Dachaufbauten, der Aufstockung und der Entkernung das historische Erscheinungsbild verloren gehe.
Kettermann habe das historische Gebäude 2012 sehenden Auges gekauft, um an dem Standort den größtmöglichen Profit zu machen, sagt Werkhausen. "Aber das geht in diesem Gebäude nicht. Die Nutzung muss sich dem Denkmal unterordnen - nicht umgekehrt."
Das sagt der Richter: Reinhard Dierkes, Vizepräsident des Verwaltungsgerichts Trier, wird in dem Interessenkonflikt zwischen Eigentum, Wirtschaftlichkeit und Denkmalschutz in den kommenden Tagen sein Urteil sprechen und den Beteiligten schriftlich zustellen. "Es ist eine Last, ein Denkmal zu besitzen", sagt der Jurist.
Doch in vergleichbaren Fällen habe die Planung der Architekten gezeigt, dass solche Umbauten auch im Einklang mit dem Denkmalschutz durchführbar seien. Dierkes: "Meiner persönlichen Meinung nach wird die Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz so interpretiert, als solle man um jedes historische Gebäude einen großen Zaun errichten."Meinung

Bernkastel-Kues ist kein Museum
Schaut man sich historische Fotografien der Moselpromenade an, sieht man, wie sich die Fassaden der Stadt durch die Jahrhunderte gewandelt haben. Bereits im 19. Jahrhundert erweiterten Vorbesitzer das "Alte Brauhaus", das seit 1892 keine Braustätte mehr ist, nach einem Brand von zwei auf drei Geschosse. In den 1970er Jahren kam eine Außenterrasse mit Überdachung hinzu. Viele andere historische Gebäude im Stadtbild wurden im Laufe der Zeit ebenfalls umgebaut und aufgestockt. Warum sollte das 2015 nicht mehr möglich sein? Auch bei der Denkmalpflege sollten sich Kompromisse erzielen lassen, mit denen sowohl die Eigentümer als auch die Behördenvertreter leben können. mosel@volksfeund.de