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Großlittgen - Corona-Reihentests nach Kitaschließung?

Großlittgen : Bürger fordert nach Kitaschließung Corona-Reihentests

In Großlittgen wurde wegen einer Covid-19-Infektion die Kita geschlossen. Ein Bürger fordert strikteres Vorgehen der Behörden.

Hat das Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich nicht hart genug durchgegriffen? Nach einem Coronafall in der Grundschule und deren sofortiger Schließung Ende vergangenen Woche  meldete Anfang dieser Woche auch die Kita Großlittgen einen Coronafall (der TV berichtete). Ein Kind aus der Notbetreuung der Kita hatte sich mit dem neuen Coronavirus infiziert. Die Gemeinde Großlittgen als Trägerin der Einrichtung hatte sich nach vorheriger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises dazu entschlossen, die gesamte Kita zu schließen. Seitdem befinden sich neun Erzieherinnen und elf Kitakinder in häuslicher Isolation.

„Nach Bekanntwerden des Verdachtsfalles wurden die ermittelten Kontaktpersonen umgehend häuslich isoliert und eine Reihentestung derselben veranlasst“, erklärte die Kreisverwaltung auf TV-Anfrage (der TV berichtete). Doch dem Vater eines Kitakindes gehen die Maßnahmen der Kreisverwaltung nicht weit genug: „Es ist ein Riesenschwachsinn, wenn bloß die Kinder auf das neue Coronavirus getestet werden – die Eltern aber nicht“, sagt der Großlittgener Bürger und Vater eines Kitakindes. „Wenn bei den Kindern der Verdacht auf eine Infektion mit Covid-19 -besteht und die Eltern arbeiten gehen, wie soll man so das Coronavirus eindämmen“, fragt er sich. Er fände es sinnvoller, wenn man doch auch die Eltern der Kindergartenkinder unter Quarantäne stellen und auf Sars-CoV-2 testen würde. „Damit man Gewissheit darüber hat, dass die Eltern nicht auch infiziert sind und niemanden anstecken können, sonst bringt das doch nichts.“ Zudem sei es für die Eltern der Kindergartenkinder, die sich nun allesamt in Quarantäne befänden, schwierig, ihre Kinder zu betreuen. „Die Eltern sind ja nicht in Quarantäne oder krankgeschrieben, sondern müssten eigentlich arbeiten gehen. Aber wie soll das gehen, wenn sie ihre Kinder, die unter Quarantäne stehen, betreuen sollen?“ Für den Großlittgener wäre es, wie er sagt, folgerichtig und logisch gewesen, auch die Eltern unter Quarantäne zu stellen und zudem auf SARS-CoV-2 zu testen. „Ich halte die vom Gesundheitsamt ergriffenen Maßnahmen nicht dazu geeignet, die Ausbreitung des Virus in Großlittgen einzudämmen.“ Das sind harte Worte. Der TV hat die Kreisverwaltung mit der Kritik an den von ihr ergriffenen Maßnahmen konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten.

Tests Die Kreisverwaltung erklärt, man halte sich bei den Testungen an die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI empfehle einen SARS-CoV-2-Test allein bei Personen, die direkten Kontakt zu einem Infizierten gehabt hätten sowie Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung. „Eine Testung von Kontaktpersonen der Kontaktpersonen ist – sofern keine Krankheitssymptomatik vorliegt – nicht vorgesehen und aus medizinischer Sicht auch nicht sinnvoll“, erklärt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Deshalb sind in Großlittgen die Eltern des infizierten Kindes, das Kitapersonal, die Kitakinder, aber nicht deren Eltern getestet worden.

Quarantäne Aber warum, so fragt der besorgte Familienvater, wurden nicht vorsorglich alle Eltern mit unter Quarantäne gestellt? Follmann: „Eine häusliche Absonderung stellt einen erheblichen Eingriff in die Grundrechte des Betroffenen dar. Insofern sieht das Infektionsschutzgesetz eine häusliche Quarantäne regelmäßig nur für Kontaktpersonen der Kategorie I mit engem Kontakt und somit einem höheren Infektionsrisiko vor.“ Für freiheitsentziehende Maßnahmen für Kontaktpersonen von Kontaktpersonen gäbe es keine rechtliche Grundlage. Aber wie sollen Eltern, die arbeiten gehen müssen, weil sie nicht unter Quarantäne gestellt wurden, ihr Kind, das unter Quarantäne steht, betreuen? „Hier sind individuelle Absprachen der Eltern mit dem jeweiligen Arbeitgeber erforderlich, um im Lichte der jeweils geltenden arbeits- und tarifrechtlichen Bestimmungen eine bestmögliche Lösung zu finden“, erklärt die Verwaltung.

Der besorgte Bürger aus Großlittgen wünscht ebenfalls, dass im gesamten Dorf Antikörpertests durchgeführt werden sollen. Wäre so etwas machbar und sinnvoll? Follmann: „Antikörpertests sagen nichts darüber aus, ob jemand aktuell erkrankt ist. Insofern bietet sich der Einsatz solcher Tests in einem akuten Ausbruchsgeschehen nicht an. Zur Unterbindung des Infektionsgeschehens taugen sie nicht.“ Solche Antikörpertests wären dagegen für wissenschaftliche Studien, welche die Durchseuchung der Bevölkerung erforschen, sinnvoll, sagt Follmann. „Über solche Studien müsste man sich auf Bundes- oder Landesebene Gedanken machen – nicht auf Ebene der Kreisverwaltung“, sagt Follmann.

Wie bewertet die Verwaltung nun schlussendlich die von ihr ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus in Großlittgen, die ein Familienvater als „wirkungslos“ erachtet? „Das Gesundheitsamt hat unter Beachtung des geltenden Rechts und in enger Abstimmung mit der Kita-Leitung sowie der Ortsgemeinde als Trägerin der Kita“, so Follmann, „das zur Verfügung stehende Instrumentarium ausgeschöpft“

Wie fielen die Testergebnisse der anderen Kitakinder denn aus? Gibt es in Großlittgen weitere Infizierte? Zu solch überschaubaren Gruppen wie den getesteten Kitakindern in Großlittgen, erklärt Follmann, dürfe das Gesundheitsamt aus Gründen des Schutzes der Gesundheitsdaten keine Auskünfte erteilen. „Sonst wären Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einzelner Personen möglich, was es zu vermeiden gilt.“