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Großlittger Karneval steht auf der Kippe

Großlittger Karneval steht auf der Kippe

Großlittgen Helau! Das war einmal? So, wie es derzeit aussieht, ja. Den Vereinen fehlen Helfer auf und hinter der Bühne.

Großlittgen. "Auch meine Leute sind müde." Josef Hubo ist die Enttäuschung anzumerken, doch der Vorsitzende des SV Grün-Weiß Großlittgen sieht keine andere Möglichkeit, als Nein zum Karneval zu sagen. Seit 2005 organisierte der Sportverein den Rosenmontagsumzug und die Kappensitzung und sprang damit für den Karnevalsverein in die Bresche, der nicht mehr aktiv war. Die Planung habe sich aber im Laufe der Jahre als sehr schwierig erwiesen. "Es will ja niemand mehr auf die Bühne", klagt Hubo. Daher war die Kappensitzung bereits in diesem Jahr ausgefallen.
Jetzt hat sich der Sportverein dazu entschlossen, die Organisation der Karnevalsveranstaltungen aufzugeben. "Wir würden zwar helfen, aber wir können den Ablauf nicht mehr selbst in die Hände nehmen", sagt Hubo. Es fehle die Unterstützung im Ort.
Ist der Großlittger Karneval damit gestorben? Die erste Alternative sind wohl die Littcher Möhnen - die Nachfolger des Karnevalsvereins. Nachdem sich sechs Jahre lang kein Vorsitzender für die Littcher Maulaafen gefunden hatte, wurde der Karnevalsverein in Littcher Möhnen umbenannt. Sie gestalteten bisher den Weiberdonnerstag.
Doch auch den Umzug und die Sitzung alleine zu stemmen, "das ist nicht möglich", sagt die erste Vorsitzende Edith Bergmann. "Man kann nichts bewegen, wenn man keine Hilfe hat." Es müsse sich zeigen, was machbar sei.
Bürgermeister Karl-Heinz Hubo folgert: "Es könnte sein, dass es in diesem Jahr keinen Karneval hier gibt. Feiern wollen zwar alle, aber im Hintergrund fehlen die Leute." Und der SV dürfe schließlich die sportliche Arbeit nicht vernachlässigen. Daher will Hubo die großen Vereine des Ortes - Sportverein, Tennisclub, Angelsportverein, Musikverein und Freiwillige Feuerwehr - nach den Sommerferien an einen Tisch bringen, um zu überlegen, ob sich die Veranstaltungen vielleicht gemeinsam stemmen lassen. "Ich kann nur hoffen, dass wir den Großlittger Karneval aufrechterhalten."Meinung

Erst die Arbeit …
Der Karneval ist ein kulturelles Gut unserer Region. Doch mit dem Rückgang des ehrenamtlichen Engagements droht er zu verkümmern. Immer mehr Orte können die Veranstaltungen nur noch mit Mühe und Not stemmen - oder gar nicht mehr. Die Tendenz geht dahin, dass eines Tages nur noch in großen oder besonders engagierten Orten Kappensitzungen und Umzüge angeboten werden. Den Narren - auch den Nicht-Vereinsmitgliedern - bleibt nur zweierlei: Wenn sie feiern wollen, müssen sie auch mit anpacken. Oder ins Auto steigen und in die nächstgelegene Karnevalshochburg fahren. u.quickert@volksfreund.de