„Grüner Moselpokal“. Älteste deutsche Ruder-Regatta am Samstag

Tradition : Rudern und Musik: Heute wie vor 116 Jahren

Mit der Moselpokalregatta findet eine der ältesten deutschen Ruder-Regatten am Samstag auf der Mosel statt. Angefangen hat alles 1883.

Der zweifache Ruder-Olympiasieger Richard Schmidt kommt aus Trier, die mehrfachen Weltmeister Jost und Matthias Schömann-Finck aus Zeltingen-Rachtig. Aber auf der Mosel haben nicht nur Spitzenruderer ihren Sport erlernt. Eine der ältesten deutschen Sportveranstaltungen findet alljährlich auf dem Fluss statt.

Am Samstag, 28. September, feiern der Bernkasteler Ruderverein (BRV) und die Rudergesellschaft Zeltingen (RGZ) mit der 70. Auflage der Regatta „Grüner Moselpokal“ ein besonderes Jubiläum: Seit 1953 treffen sich Ruderer aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland an der Mosel.

Moment, da fehlen doch drei Veranstaltungen, wird mancher schnell nachrechnen. Richtig! Die Anfänge der Regatta liegen noch einmal 70 Jahre weiter zurück. Am 15. Juli 1883 organisierte der neun Jahre zuvor gegründete Berncasteler Ruderverein (damals wurde Bernkastel noch mit C geschrieben) ein Dauerrudern auf der Mosel. Ob die Veranstaltung kein Erfolg war oder weshalb es 30 Jahre bis zum nächsten Wettkampf dauerte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Erst am 7. September 1913 schickten acht Vereine ihre Boote wieder auf die etwa 20 Kilometer lange Strecke.

„Während die Ruderer auf der Strecke von Neumagen nach Bernkastel um eine gute Platzierung kämpften, konnten die Zuschauer bis zur Ankunft der Boote in Bernkastel einem Konzert lauschen, das auf der Terrasse des Hotels ‚Zu den 3 Königen‘ stattfand“, wird in der Chronik der Moselpokalregatta berichtet.

In den Wirren zwischen den beiden Weltkriegen gab es nur noch eine Regatta (1920). Musik gibt es auch heute noch. Allerdings erst nach der Siegerehrung. Am Samstagabend spielt die Band Handpicked im Festzelt an Thanisch Spitz bei Start und Ziel.

Anders als vor mehr als 100 Jahren muss den Zuschauern während der Regatta nicht musikalisch die Zeit vertrieben werden. Es dauert nicht mehr stundenlang, bis die Boote das Ziel erreichen. Zwischen 11 Uhr und 17 Uhr tummeln sich permanent die schnittigen Rennboote zwischen Bernkastel-Kues und dem Wendepunkt bei Graach auf dem Wasser. Die Strecke ist mit vier Kilometern doppelt so lang wie die bei Olympischen Spielen geruderte Distanz. Aber nur ein Fünftel so viel wie die gut 20 Kilometer, die zwischen 1953 und 1959 zurückgelegt werden mussten. Die Mittelmosel-Rudervereine BRV, RGZ und Ruderclub Traben-Trarbach organisierten damals das Rennen zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach. Fortschrittlich: Auf der Mosel konnten sich schon Frauen-Teams zwei Jahrzehnte vor Einführung des Frauen-Ruderns bei Olympia messen. Traditionalisten beharrten sogar noch (bis 1969!) darauf, dass Frauen nicht schnell, sondern nur schön (sogenanntes Stilrudern) rudern sollten.

Mit der Kanalisierung der Mosel und dem Schleusenbau in Zeltingen gab es für die Moselregatta einen jähen Einschnitt. „Während der Bauarbeiten von 1960 bis 1963 verkürzte man die Strecke. Der Start lag in Zeltingen beziehungsweise Ürzig, das Ziel beließ man in Traben-Trarbach“, erzählt Marlene Schömann-Finck von der RGZ, die zusammen mit Thomas Ruf (BRV) seit rund zwei Jahrzehnten die Regatta leitet.

1964 legte man die Regattastrecke auf den Oberstau der Schleuse Zeltingen zwischen Kesten und Bernkastel-Kues. Traben-Trarbach war somit nicht mehr beteiligt und schied aus der Organisation aus. Seit 1967 wird auf einem Rundkurs mit Start und Ziel in Bernkastel-Kues und Wende bei Graach (vier Kilometer) gerudert.

 Zuschauer können besonders an Start und Ziel und von der Bernkastel-Kueser Moselbrücke die Rennen gut beobachten. In der malerischen Umgebung feiern in letzter Zeit viele Ruderclubs ihren Saisonabschluss.

Im bisherigen Rekordjahr 2017 kamen 1275 Ruderer aus 20 Nationen und 136 Vereinen mit 284 Booten. Das dürfte am Samstag übertroffen werden: 294 Boote sind in der Meldeliste mit insgesamt rund 1400 Sportlern besetzt.

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