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Gulaschkonserven sind der Hit: Simon-Fleisch im Corona-Modus

Corona-Krise : Zu Nudeln braucht es Gulaschkonserven

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf die Lebensmittelproduzenten aus? Ist die Versorgung gesichert? Der TV hat nachgefragt, wie Wittlichs alteingesessener Schlacht- und Zerlegebetrieb Simon Fleisch durch die Krise kommt.

In Zeiten der Corona-Krise sorgen sich manche Menschen, dass sie unter anderem ihren Kühlschrank nicht mehr füllen könnten und kaufen die Regale leer. In der Tat fehlen der Landwirtschaft derzeit Saisonarbeiter, weil Menschen aus Osteuropa vorübergehend nicht mehr einreisen dürfen. Auch die Lebensmittelproduzenten wie Simon-Fleisch aus Wittlich sind auf Arbeitskräfte aus anderen EU-Ländern angewiesen wie auch auf intakte Handelsketten innerhalb der EU sowie über den gesamten Globus. Die „systemrelevante Infrastruktur“, zu der auch ein Hersteller wie Simon-Fleisch zählt, muss auch in Krisenzeiten mehr oder weniger reibungslos funktionieren, damit die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln sichergestellt ist. Der TV spricht mit Bernhard Simon, Geschäftsführer von Simon-Fleisch, wie sich der alteingesessene Lebensmittelproduzent in Zeiten der Corona-Krise schlägt.

Hygiene „Wir haben die betrieblichen Hygienestandards, die ohnehin im Normalbetrieb schon sehr hoch sind, weiter verschärft“, erklärt Simon. Insbesondere sei der Zugang von betriebsfremden Personen stark eingeschränkt worden. Spediteure, die aus Risikogebieten wie Norditalien kommen, müssten nun vor dem Betriebsgelände ihren Auflieger absatteln. Mitarbeiter von Simon übernähmen das Rangieren des Aufliegers zum Auf- und Abladen. Sämtliche Besuche seien abgesagt, um die Bewegung auf dem Betriebsgelände so gering wie möglich zu halten. Zudem seien nun sämtliche Produktionsmitarbeiter auf dem Betriebsgelände dazu angehalten, Schutzmasken zu tragen. „Und über Stunden durch die Masken zu atmen, ist wirklich kein Vergnügen.“ Dazu stünden noch weitaus mehr Desinfektionsmittelspender  auf dem Betriebsgelände bereit als gewöhnlich. „Die Bestände an Desinfektionsmitteln und Schutzhauben müssen  wir genau im Auge behalten, damit es nie zu einem Engpass kommt.“

Geschäftsführer Alexander Simon überreicht am Freitag, 3. April, eine Spende an das Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich: 150 Liter Desinfektionsmittel. „Wir sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft und Solidarität unserer Region und der ansässigen Unternehmen“, erklärt das Krankenhaus. Foto: Verbundkrankenhaus

Produktion Die Produktion laufe jedoch vollständig weiter, erklärt Simon. Und das, obwohl etwa die Hälfte der mehr als 500 Mitarbeiter aus dem EU-Ausland stamme. Der Großteil lebe jedoch mittlerweile mit Kernfamilie in Deutschland. „Problem sind die Mitarbeiter, die im Urlaub in Ländern wie Rumänien und Ungarn waren und jetzt infolge der strikten Grenzschließungen nicht mehr zurückkommen können. Aber diese Lücke können wir weitestgehend schließen.“ Das bedeute aber, dass sich das Leben des anwesenden Personals derzeit aufs Arbeiten und Schlafen beschränke. „Ich blicke mit Stolz auf unsere Arbeitnehmer. Es werden ja jetzt hauptsächlich immer andere Berufsgruppen erwähnt, aber auch die Mitarbeiter in der Lebensmittelproduktion vollbringen gerade eine gigantische Leistung.“ Natürlich müsse man irgendwann wieder aus diesem Krisenmodus herauskommen, sagt Simon, „damit die Leute zum Ausgleich auch nochmal ein Bier trinken oder zum Sport gehen können. Da müssen wir auch schauen, wie wir das Personal in so schwierigen Zeiten motivieren können.“ Wenn Personal bei Lebensmittelproduzenten an Covid-19 erkranke, so Simon, würden die Betroffenen, so wie es auch in Krankenhäusern gehandhabt werde, selektiv herausgezogen. „Sollten aber gleich 100 Mitarbeiter erkranken und nicht mehr arbeiten können, bekämen wir natürlich auch Probleme.“

Versorgung Ist die Versorgung mit Lebensmitteln in der Corona-Krise also gesichert? Oder gibt es doch Grund dazu, jetzt den Einkaufswagen voller Nackensteaks zu laden und zu hamstern, bis die Kühltruhe bricht? Die Lebensmittelproduktion sei, gerade was die Grundnahrungsmittel betreffe, absolut sichergestellt, sagt Simon. Das gelinge auch durch die in den Schulen und Kitas angebotene Notbetreuung für Kinder von Mitarbeitern aus der Lebensmittelproduktion.

Das Verhalten mancher Verbraucher, nun große Mengen Lebensmittel zu Hause zu lagern, sieht der Lebensmittelproduzent kritisch, obwohl dieses Verhalten natürlich teilweise zu unerwarteten Umsatzzuwächsen bei Simon-Fleisch führe. Die Eifeler Fleischwaren  in Lissendorf (Vulkaneifelkreis), die mit zur Unternehmensgruppe gehört, habe beispielsweise im März etwa das Dreifache an Wurst- und Fleischkonserven im Vergleich zum März des Vorjahres produziert, sagt Simon. „Ungekühlt haltbare Lebensmittel wie Konserven mit Wurst und Gulasch erleben gerade einen Nachfrageboom“, so Simon. Trotzdem sagt er: „Es ist weder erforderlich noch fair, wenn Einzelne sich den Einkaufswagen kartonweise mit Gulaschkonserven, Nudeln oder Mehl vollladen und damit die Regale leerräumen. Wir müssen auch an Alte, Kranke und Menschen ohne Auto denken, die bei jedem Supermarktbesuch nun wenig transportierten können und darauf angewiesen sind, dass alle Artikel durchgehend verfügbar sind.“ Man sollte einfach nach Bedarf kaufen, sagt Simon. Denn die Lieferketten seien intakt.

Export Die Wittlicher exportieren bekanntlich ja auch nach China (der TV berichtete), dem vermuteten Ursprung des Coronavirus. Wie sieht es dort mittlerweile aus? Die Chinesen kämen nun langsam wieder ans Netz, also der Export nach Asien laufe wieder an, sagt Simon: „Problematisch sei allerdings noch der Mangel an Kühlcontainern, die zu großen Teilen noch in Asien feststecken würden. „In den großen Häfen in China wurde fast zwei Monate kaum gearbeitet. Die Schiffen stauten sich vor den Häfen und die Ladungen in den Zollhäfen. Das hat einen riesigen Rückstau verursacht. Jetzt werden die Schiffsladungen nach und nach gelöscht. Normalerweise ist das  ein funktionierender  Kreislauf. Also es sind üblicherweise immer ausreichend Container vorhanden.“

Krisenmodus Aber wie lange hält die deutsche Wirtschaft, die nahezu bis auf das Wesentliche runtergefahren ist, diesen Krisenmodus noch aus? Welchen Tipp gibt der Wittlicher Unternehmer da ab? „Je länger es dauert, desto mehr Geld kostet es. Irgendwann werden die Auswirkungen schwerwiegender. Aber ich denke schon, dass der Shutdown möglicherweise schon noch etwas länger dauert.“ Wird das Schweineschnitzel für den Verbraucher denn teurer, umso länger die Corona-Krise andauert? „Das Preisniveau im Handelsbereich ist relativ konstant. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Lebensmittelpreise im Falle einer Wirtschaftskrise steigen würden, weil dann ja Menschen weniger Geld im Portemonnaie hätten.“ Die Wirtschaft wie derzeit herunterzufahren, sagt Simon, halte er für alternativlos. „Was soll man anders machen?“ Denn Krisenpläne ohne einschneidende Maßnahmen, wie sie möglicherweise in dünn besiedelten Ländern wie Schweden funktionieren könnten, wo allerdings die Ansteckungsgefahr weitaus geringer wie im bevölkerungsreichen Deutschland sei, sagt Simon, hätten seiner Ansicht nach hier kaum eine Chance auf Erfolg.