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Gut besuchtes Gipfeltreffen lässt vieles offen

Gut besuchtes Gipfeltreffen lässt vieles offen

Trotz eines hochkarätig besetzten Podiums blieben in der Malborner Einwohnerversammlung zur Kommunalrefom viele Fragen offen. Deutlich zeigte sich, dass Bürgermeister Michael Hülpes mit seiner Werbung für die Verbandsgemeinde Hermeskeil gut ankam.

Malborn. Morbachs Bürgermeister Andreas Hackethal hielt es in der Malborner Einwohnerversammlung irgendwann nicht mehr auf dem Sitz. Er sprang auf, eilte ans Mikro und widersprach. Der Anlass: Ein Malborner hatte den vier Kommunalpolitikern auf dem Podium vorgeworfen, sie könnten Vor- und Nachteile einer Fusion der Gemeinden Thalfang und Morbach nicht benennen, weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht hätten.
Kommunal- Reform


Hackethal stellte klar, dass der Beschluss des Morbacher Rats für Fusionsverhandlungen gerade mal zwei Monate alt sei. Die Verhandlungen, deren Ergebnisse maßgeblich für die Benennung der Vorteile seien, würden erst am Folgetag beginnen.
Der gebürtige Morbacher warb inbrünstig für eine große, starke Hunsrück-Kommune - und für die Struktur der Einheitsgemeinde (EG). Sie biete viele Vorteile, auch für die Bürger. Man brauche für die Schulen beispielsweise keine Zweckverbände, deren Mitglieder sich gegenseitig blockieren könnten. In der Einheitsgemeinde werde gemeinsam entschieden.
Eine emotionale Replik in einer eher antwortarmen, mit 250 Menschen gut besuchten Veranstaltung. Eingeladen hatte der Malborner Gemeinderat. Er wollte es den Einwohnern ermöglichen, sich aus erster Hand zu informieren, bevor sie in einem Bürgerentscheid befragt werden, ob das 1360 Einwohner zählende Dorf im Rahmen der Kommunalreform von der VG Thalfang in die VG Hermeskeil wechseln soll.
Alltagsdinge als Argument


Hackethals Gegenpart, der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes, konnte sich anschaulicherer Argumente bedienen, um für seine Kommune im Kreis Trier-Saarburg zu werben. Die Lebenswege der Malborner seien nach Hermeskeil orientiert. Die Malborner gingen dorthin zur Schule, zum Einkaufen, zum Arzt und ins Schwimmbad, sagte Hülpes und erhielt Applaus.
In der VG Hermeskeil könne Malborn Ortsgemeinde mit eigenem Haushalt bleiben und müsse nicht Ortsbezirk mit vom übergeordneten Rat genehmigten Budget werden. Auch dieses abstrakte Argument kam an, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Frage, wie denn VG Thalfang und EG Morbach zusammenkommen könnten, unbeantwortet blieb.
Georg Resch, Beigeordneter der VG Thalfang, der den erkrankten Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo vertrat, lobte das große Interesse der Bürger. Ansonsten konnte er nur auf den Thalfanger Ratsbeschluss verweisen, nach dem die Kommune als Ganzes und innerhalb des Kreises fusionieren solle.
Ein handfestes Argument für einen Verbleib der Malborner in einer fusionierten Gemeinde Morbach/Thalfang kam ausgerechnet von einem Bürger, nicht vom Podium. Die Gebühren für Wasser seien in Morbach günstiger als in der VG Hermeskeil.
Landrat Gregor Eibes äußerte Verständnis dafür, dass es die Malborner nach Hermeskeil ziehe. Er warb ausdrücklich nicht für den Kreis Bernkastel-Wittlich, stellte aber dessen Dilemma dar. Würden außer Malborn weitere Orte dem Beispiel Trittenheims folgen und den Kreis verlassen, stünde dessen Struktur auf dem Spiel. Er sprach vom Sündenfall Trittenheim. Die Kreisflüchter nähmen ihr Vermögen mit. Die Schulden, die sie mitverursacht hätten, würden sie hingegen zurücklassen.
Wie Hackethal und Hülpes kritisierte Eibes die Landesregierung. Stümperhaft sei sie die Reform angegangen. Es mache wenig Sinn, erst die Verbandsgemeinden und dann die Kreise umzugestalten. Bei einer Kreisreform sei der Wechselwunsch Malborns unter Umständen kein Problem. Für einige Malborner ernüchternd war Eibes Auskunft zur Gewichtung des Bürgerentscheids. Ein Votum pro Hermeskeil wird demnach nur umgesetzt, wenn der VG-Rat und die Mehrheit der Ortsgemeinden mit der Bürgermehrheit zustimmen.Meinung

Unzufriedenheit auf allen Seiten
Die Malborner Info-Veranstaltung zur Kommunalreform war vom Ansatz her eine gute Sache, denn nur informierte Bürger können verantwortungsbewusst entscheiden. Doch bei genauerem Hinsehen hätte vorher schon klar sein können, was sich letztendlich zeigte: Befriedigen konnte diese Versammlung niemanden. Der Landrat, Morbachs Bürgermeister und Thalfangs Beigeordneter mussten in Malborn für die Fusion von ganz Thalfang mit Morbach werben - ein Ziel, das ihnen eine bruchstückhafte Reform aufgedrückt hat und über dessen Ausgestaltung sie aufgrund der gerade erst beginnenden Verhandlungen noch nichts Konkretes sagen konnten. Der Hermeskeiler Bürgermeister hatte zwar den Vorteil, die Sympathien der Bürger auf seiner Seite zu haben. Er steht jedoch vor dem Problem eines VG-Ratsbeschlusses, der jeder Ortsgemeinde das Ausscheren aus der Thalfanger Kommune untersagt oder zumindest erschwert. Die Bürger waren die Gelackmeierten, weil sie nicht die erhofften Informationen bekamen und ihnen zudem das Gefühl gegeben wurde, ein Bürgerentscheid pro Hermeskeil sei ohnehin für den A…. - wie es ein Malborner formulierte. Fazit: Die Unzufriedenheit mit der Reform war in Malborn mal wieder deutlich zu greifen. Das hätte das Land einfacher haben können: Hätte es gleich bestimmt, wo es langgeht, wären den Bürgern und Kommunalpolitikern wenigstens viele Diskussionen und Streitereien erspart geblieben. m.maier@volksfreund.de