Gut gewappnet für den Ernstfall

Schneller als erwartet haben in Lieser Feuerwehrleute, erstmals unterstützt von Bürgern, sämtliche Hochwasserschutzelemente probeweise aufgebaut. Anlass war die vom Land für Dezember vorgesehene Übergabe der mobilen Teile an die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues.

Lieser. Alle Schrauben mit eingerechnet, gingen am Samstag hunderte Teile von Hand zu Hand. Und das während des zweistündigen Aufbaus und beim anschließenden Abbau. Denn der Hochwasserschutz des Lieserer Dammes (siehe Extra) wurde nur probeweise aufgebaut. Dennoch waren wie im Ernstfall 82 Transportgestelle mit Stützen und zwei bis vier Meter langen Dammbalken zu bewegen. Umso erstaunlicher, dass die Arbeiten, bei denen erstmals nicht nur Feuerwehrleute, sondern auch Bürger anpackten, so zügig abliefen. "Das ging richtig flott", sagt Ortsbürgermeister Reinhard Barthen. Von Wehrführer Stefan Kiesgen professionell eingewiesen, hätten alle auf Anhieb gewusst, mit welcher der vier Gruppe sie welchen Abschnitt betreuen sollten.
Laut Kiesgen meldeten sich für Samstag 70 von 80 Bürger an, die grundsätzlich ihre Hilfe zusagt haben. Dank spontaner Helfer seien es letztlich 75 gewesen, je etwa zur Hälfte Feuerwehrleute und Bürger. Eine Gruppe sei für das zentrale Dammtor zuständig gewesen, zwei für die 1,6 bis 2,4 Meter hohen Schutzelemente auf den Straßen Richtung Kues sowie nach Mülheim und Maring und eine für die Dammkrone. Deren Elemente mussten bisher noch nie im Ernstfall aufgebaut werden. Etwa 30 Stunden investierte Kiesgen in die Vorbereitung.
"Der Aufbau funktionierte hervorragend", lobte Karl-Heinz Ginsbach (SGD) auch das Können der Helfer und die offensichtlich große Akzeptanz: "Wenn hier der Ernstfall eintritt, sind wir gewappnet." Da es nach 1993 kein vergleichbares Extrem-Hochwasser gab, wurde bisher immer nur ein Teil der Schutzelemente aufgebaut. So blieb die Sicht auf die Mosel oft frei - auch durch das knapp fünf Meter hohe Dammtor, das ebenfalls nach Bedarf in Stufen geschlossen wird. Laut Barthen packten Leute aus dem ganzen Ort mit an, also auch Lieserer, die sich bei Hochwasser nie um nasse Füße sorgen mussten: "Ganz toll, wie die hier als Einheit auftreten." Allen sei einfach klar, dass nicht nur das Unterdorf vom Hochwasserschutz profitiere. Was nütze es schon, oberhalb zu leben, wenn der Ortskern aus Angst vor dem Hochwasserveröde, was ohne Damm sicher der Fall wäre. Stattdessen seien dort nach wie vor Bäcker, Metzger, Lebensmittelgeschäft, Apotheke, Arzt, Friseur, Florist, Gaststätten und Hotels ansässig. Hätten sie wie in früheren Jahren immer wieder für vier- bis fünfstellige Euro-Beträge renovieren müssen, wäre das wohl längst Geschichte. Für Bürgermeister Ulf Hangert bestätigten die Investitionen von Geschäfts- und Privatleuten die hohen Ausgaben für den Hochwasserschutz. Viele Häuser seien seit dem Dammbau "wunderschön hergerichtet worden". Eben das sei ja Sinn und Zweck solcher Investitionen, die darauf abzielten, Dörfer zu retten. Laut Hangert werden Probeaufbauten wie nun in Lieser, wo Bürger und Wehrleute beeindruckend gut zusammen gearbeitet hätten, auch künftig erforderlich sein. Zum einen wegen Personalwechseln wie bei der Freiwilligen Feuerwehr, zum anderen, um frühzeitig etwaige Materialmängel erkennen und beheben zu können.
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volksfreund.de/fotosExtra

 Fleissige Helfer bauen den Hochwasserschutz in Lieser auf. TV-Foto: Klaus Kimmling
Fleissige Helfer bauen den Hochwasserschutz in Lieser auf. TV-Foto: Klaus Kimmling

Seit dem Jahr 2000 schützt der Damm in Lieser vor Hochwasser, was sich das Land 21 Millionen Euro kosten ließ. Konzipiert ist er für extreme Hochwasser wie sie sich etwa alle 15 Jahre ereignen - zuletzt Weihnachten 1993, als der Pegel Trier 11,28 Meter anzeigte. Im Ernstfall war es bisher in Lieser noch nicht nötig, sämtliche mobilen Elemente des bis etwa 11,5 Meter Wasserhöhe schützenden Damms aufzubauen, was nun probeweise geschah. Denn im Dezember will der Eigentümer, das Land, die mobilen Teile und Lager- und Pumphäuser der VG Bernkastel-Kues übergehen. Sie wird dann zuständig sein für die Wartung von Pfosten und Balken, die bei Bedarf aufgebaut werden. Daher wurde nun geprüft, ob Montageteile oder Werkzeuge fehlen oder defekt sind. Die bisher verantwortliche Landesbehörde, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD), wird diese auf eigene Rechnung ersetzen. Außerdem wurde auf etwaige Sicherheitsdefizite beim erstmals mit ehrenamtlich helfenden Bürgern erfolgten Auf- und Abbau geachtet. urs