Gut war früher hervorragend

80, 70, 90. Das sind nicht etwa die Maße eines neuen Schönheitsideals, sondern die Durchschnittswerte der Mostgewichte dreier wichtiger Rebsorten der Mosel. Genauer gesagt: Beim Riesling wurden am 20. Oktober im Durchschnitt 80 Grad Oechsle (Grad Oechsle gibt den Zuckergehalt der Traube an) gemessen.

Der Müller-Thurgau wurde Ende September mit durchschnittlich 70 Grad Oechsle eingebracht und der Weiße Burgunder wurde Mitte Oktober im Schnitt mit 90 Grad Oechsle gemessen. Wohlgemerkt im Schnitt.

Die Vertreter des Weinbauverbandes und der Weinwerbung sprechen von einem "guten Jahr". Vor 25 Jahren hätte man sicher einen Jahrgang mit solchen Werten als hervorragend eingestuft. So ändern sich die Zeiten. Die Klima-Erwärmung spielt für diese Entwicklung ebenso eine Rolle wie das Qualitätsstreben der Winzer.

Junge Winzer können sich kaum vorstellen, dass ihre Väter in manchen Jahren Trauben geerntet haben, die nicht einmal zur Herstellung von Qualitätswein taugten.

Der 2008er ist also "gut". Und das ist den meisten Winzern gerade recht. Denn ein Übermaß an edlen Spät- und Auslesen kann der Markt nicht aufnehmen. In den Top-Jahren haben nicht wenige Winzer einen Teil ihrer Qualitäten abgestuft. Das heißt, sie haben manche Auslesen als Spätlesen vermarktet und Spätlesen als Kabinettweine oder als Qualitätswein-Hochgewächs.

Der typisch schlanke, spritzige und feinaromatische Charakter der Moselrieslinge ging wegen der hohen Alkoholgehalte dabei teilweise verloren.

Die ersten Proben des Neuen lassen erahnen, dass voraussichtlich viele 2008er, ähnlich wie bereits die 2007er, dem Idealbild eines Mosel-Rieslings nahe kommen. Das heißt: Ein wunderbarer Mix aus Frucht und Aromatik, Mineralität, guter Dichte, einer feinen filigranen Struktur und schönem Säurespiel.