Gute Qualität, aber schlechte Preise - Verluste für die Moselwinzer

Gute Qualität, aber schlechte Preise - Verluste für die Moselwinzer

In den Kellern der Moselwinzer reift ein exzellenter Jahrgang 2015 heran. Darüber freuen sich vor allem die selbstvermarktenden Winzer, die ihren Wein selbst abfüllen und zu guten Preisen an Direktkunden vermarkten. Anders sieht es bei den Fassweinwinzern aus. Die Preise sind deutlich unter Druck geraten.

Bernkastel-Wittlich/Trier. Monatlich veröffentlicht die Landwirtschaftskammer Rhein land-Pfalz die aktuellen Fassweinpreise. Solche Weine werden in große Tanklastzüge gepumpt und zu den großen Kellereien transportiert, wo sie in riesigen Stahltanks zum Füllen fertiggemacht werden. Hauptabnehmer der Großkellereien sind große Lebensmittelhandelskonzerne wie Edeka, Rewe, Metro, Aldi und Lidl.Geringe Erntemengen


Zurzeit stehen in der Spalte der Fassweinpreise für die Mosel die Buchstaben k. N. Das heißt: keine Notierung. Es wird also so gut wie nichts gehandelt. Und wenn doch einmal das ein oder andere Fuder - das sind 1000 Liter - aus dem Winzerkeller Richtung Großkellerei fließt, soll der Preis für Riesling-Qualitätswein bei 80 bis 90 Cent pro Liter und für andere Sorten bei 70 Cent liegen. Diese Zahlen nennt der Präsident des Weinbauverbandes Mosel, Rolf Haxel. "Die Preise sind unter Druck geraten", sagt Haxel.
Rückblick: Im Sommer 2014 kosteten Riesling-Qualitätsweine 1,80 Euro pro Liter, andere Sorten, wie zum Beispiel der Müller-Thurgau (auch Rivaner genannt), 1,20 bis 1,30 Euro pro Liter. Haxel hat zwei wesentliche Ursachen für den Preisverfall ausgemacht: "Die Erntemengen an der Mosel waren in den vergangenen Jahren zu gering. Die Großkellereien konnten nicht genug Moselwein kaufen. Das hatte zur Folge, dass Moselwein in den Supermärkten und Discountern Regalplätze verloren hat."
Und Haxel nennt einen weiteren Grund: Der Riesling sei austauschbar geworden. Das heißt, im Supermarkt mache es für den Verbraucher keinen Unterschied, ob der Riesling aus der Pfalz oder von der Mosel stamme.
Die Winzer in der Pfalz und Rheinhessen hätten aber, weil es dort kaum Steillagen gibt, niedrigere Produktionskosten. Haxel: "Fassweine aus der Pfalz oder Rheinhessen waren immer etwas günstiger als an der Mosel."
Ähnlich sieht das Albrecht Ehses, Geschäftsführer des Kellereiverbandes Mosel. Er hat aber noch eine weitere Erklärung. Die Kellereien haben zuletzt deutlich weniger deutschen Wein im Ausland verkauft. Allerdings fallen die Verluste für deutsche Weine insgesamt prozentual höher aus als für Moselwein, so Ehses.
Überdurchschnittliche Einbußen gab es auf den Exportmärkten Niederlande, Großbritannien und einzelner osteuropäischer Länder. Allein Russland ist in nur fünf Jahren von Platz vier der Mengenstatistik auf Platz 17 abgerutscht. Zur Entwicklung im Inlandsmarkt sagt Ehses: "Nach ertragsschwachen Jahrgängen ist es immer eine Herausforderung, heimische Weine wieder in den Regalen des Handels zu platzieren." Ehses sieht aber auch einen Hoffnungsschimmer. Aufgrund der sehr guten Weinernte 2015 könne man wieder erste Listungserfolge für deutsche Weine im Inlandshandel vermelden. Auch der Absatz an die Gastronomie sei stabil, und die Weingüter berichteten von einer gestiegenen Nachfrage ihrer Kunden.Meinung

Das Spiel des freien Marktes
Derzeit sind Sprit und Heizöl so billig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Der Grund ist einfach: Angebot und Nachfrage regeln den Preis. So ist das in der freien Marktwirtschaft. Im Prinzip gilt das auch für den Fasswein der Mosel. Auf dem Ölmarkt herrscht derzeit ein Überangebot, beim Fasswein ist die Nachfrage zu schwach. Vor zwei, drei Jahren kostete der Mosel-Fasswein doppelt so viel - weil das Angebot wegen der geringen Erntemengen zu gering war. Die geringe Menge und die höheren Preise führten aber dazu, dass der Moselwein in den Supermärkten Regalplätze an Konkurrenten wie Pfalz und Rheinhessen oder Frankreich und Italien verlor. Folglich ging wieder die Nachfrage zurück. Die verlorenen Regalplätze können nur zurückgewonnen werden, wenn wieder genug Moselwein da ist, und der Preis nicht zu hoch ist. Das ist traurig, aber die Realität. Wer Fasswein vermarktet, sollte dieses Spiel kennen. w.simon@volksfreund.de

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