1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Gute Qualität: Äpfel aus der Region sind ein Renner

Gute Qualität: Äpfel aus der Region sind ein Renner

Äpfel aus der Region bleiben auch in der Region. Der Ab-Hof-Verkauf nimmt an Bedeutung ab, das Geschäft mit dem Lebensmittelhandel nimmt zu. Und alte Sorten, wie der Gravensteiner, kehren zurück.

"Superqualität", sagt Franz-Josef Scheuer mehrfach, als er durch die Apfelplantage von Alfred Hilmes läuft. Der Pflanzenschutzberater (Abteilung Gartenbau) des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) hat zum Vorernterundgang auf den Schäferhof oberhalb von Piesport eingeladen.

"An 2016 werden die Obstbauern noch länger denken", sagt der Experte, "es gab viele Extreme". Kühle Tage während der Blüte, zu viele Niederschläge im Mai und Juni, brütend heiße Tage Ende Juni und Ende August.
Doch entscheidend ist, was an den Bäumen hängt. Von der Menge her sei das ein Normaljahr. Für ganz Rheinland-Pfalz spricht das Statistische Landesamt von einer unterdurchschnittlichen Ernte im Vergleich der Jahre 2010 bis 2015.

Die Bäume von Alfred Hilmes hängen jedenfalls voll. Sie waren teilweise sogar zu voll. Deshalb wurden sie vor Wochen von einigen Früchten befreit. Neun Sorten Äpfel hat Alfred Hilmes im Anbau. Alle paar Jahre ändert sich etwas im Sortiment. Neue Sorten kommen hinzu oder werden stärker, andere verlieren an Bedeutung. Letzteres gelte für Jonagold und Delicious, ersteres für Rubinette und Topas. Hilmes hat vor etwa 20 Jahren mit zwei Hektar angefangen, mittlerweile bewirtschaftet er 15 Hektar und mehr als 60?000 Bäume.

Hans-Josef Greif aus Trier-Zewen ist für seine Erdbeeren (zehn Hektar Fläche) bekannt. Auf einer ähnlichen großen Fläche stehen auch Apfelbäume. Bei ihm sind es sogar 20 Sorten. Er stellt fest, dass die Menschen wieder alte Sorten wollen. "Vielleicht, weil sie sich an ihre Kindheit erinnern", sagt er. So erlebe bei ihm der Gravensteiner eine Renaissance. Auch der Boskop gewinne mehr Freunde.

Bis vor ein paar Jahren war der Ab-Hof-Verkauf das wichtigste Standbein. Das hat sich geändert. Der Fünf-Kilo-Beutel sei ein Auslaufmodell berichtet Hilmes. Die älteren Kunden sterben weg, die Jüngeren lebten oft alleine. Seit fünf Jahren sind Leute wie Hilmes und Greif dagegen stärker im regionalen Lebensmittelhandel vertreten - bei Rewe, Edeka und Cactus in Luxemburg. Roman Knichel (Rewe Morbach) bekommt, solange es Ware gibt, jede Woche eine Palette Äpfel vom Schäferhof. Er spricht von "reißendem Absatz".

Das Problem bei loser Ware: Die Apfel liegen neben Obst aus anderen Gebieten und Ländern. Es werde angefasst und geprüft, sagt Hans-Josef Greif. Beim Zurücklegen werden die Sorten oft vermischt. Greif wünscht sich für jedes Geschäft einen Marktstand, wo die Kunden beraten und bedient werden.
Für regionales Obst gebe es einen Markt, betonen Scheuer, Hilmes und Greif. Die Ernte reiche nicht, um den heimischen Bedarf zu decken. Derzeit wird der Elstar geerntet, es folgt Gala. Der spät reifende Braeburn setzt im Oktober den Schlusspunkt.
EXTRA

In der Region Trier gibt es circa 60 Obstbaubetriebe, die vom DLR beraten werden. Gewirtschaftet wird fast ausschließlich nach integriert-kontrollierten Richtlinien. Tafelobst wird auf etwa 100 Hektar angebaut. Dazu kommen 60 Hektar für den Anbau von Viez- und Mostäpfeln. cb