"Gute Zeiten, schlechte Zeiten"

TRABEN-TRARBACH. Kinder psychisch kranker Eltern leiden oft selbst. Sie verstehen die Welt nicht mehr, wissen nicht, was mit Mama oder Papa los ist, und sie geraten auf eine Achterbahn der Gefühle. Dazu die Scham, weil kein Außenstehender erfahren darf, was in der Familie los ist. Damit die Kinder in dieser schwierigen Situation Hilfe erhalten, plant die evangelische Beratungsstelle in Wolf eine Gruppe für die Betroffenen.

"Wir möchten den Kindern Raum geben, Fragen zu stellen und dabei versuchen, diese Fragen wirklichkeitsgetreu und dennoch kindgerecht zu beantworten", so die Diplom-Psychologin Christiane Ehlert-Olejnik. So könne es den Kindern leichter gemacht werden, mit der seelischen Belastung von Vater oder Mutter zurecht zu kommen, wenn sie selbst auch Unterstützung und Rat erhalten, ist sich Ehlert-Olejnik sicher. Kinder psychisch kranker Eltern, die beispielsweise unter Depressionen, Psychosen, Phobien oder Suchterkrankungen leiden, tragen ein hohes Risiko, selbst krank oder anderweitig auffällig zu werden. "In Zeiten, in denen es ihren Eltern schlecht geht, fühlen sich Kinder oft schuldig und verantwortlich, sie haben Angst um ihre Eltern und können nicht verstehen, warum Vater oder Mutter jetzt so anders sind", weiß die Psychologin. In einer Gruppe würden die Kinder erleben, dass sie mit solchen Erlebnissen nicht allein sind. "In der Gruppe können Kinder darüber erzählen, wie es ihnen geht, was ihnen Angst macht, worüber sie sich Sorgen machen, worüber sie sich freuen", sagt Sigrid Brodwolf, eine Fachkrankenschwester Psychiatrie, die gemeinsam mit Christiane Ehlert-Olejnik die Gruppe betreuen und leiten wird. Natürlich würden die Kinder nur das erzählen, was sie auch preisgeben möchten, und die Berater würden die Fragen so gut es geht beantworten. "Aber oft sind sich die Kinder untereinander die allerbesten Ratgeber", ist sich Sigrid Brodwolf sicher. Die Gruppe soll sich aber nicht nur mit solchen ernsten und schweren Themen befassen. Genauso wichtig ist gegenseitiges Kennenlernen, miteinander spielen und reden, malen, basteln, sich entspannen, Geschichten hören und Geschichten erzählen, wie die beiden Beraterinnen betonen. "All dies soll dazu beitragen, dass sich die Kinder sicherer und wohl fühlen und mit ihrer Lebenssituation in einer besonderen Familie leichter zurecht kommen", so Christiane Ehlert-Olejnik. Auf insgesamt zehn Treffen ist die Gruppe "Gute Zeiten - schlechte Zeiten" zunächst angelegt, für maximal acht Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren. Das erste Treffen wird in der evangelischen Beratungsstelle in Wolf am Freitag, 15. September, um 15 Uhr sein. Für Material und Getränke ist ein Unkostenbeitrag von 25 Euro vorgesehen, die Teilnahme selbst ist kostenfrei. Anmeldungen nimmt die Beratungsstelle entgegen, dort gibt es auch weitere Informationen zur Gruppe. Das Angebot richtet sich an betroffene Kinder aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich, aber auch aus den angrenzenden Regionen an der Mosel und im Hunsrück. Beim ersten Treffen wird festgelegt, wo sich die Gruppe dann regelmäßig trifft. Infos: Evangelische Beratungsstelle, Maiweg 140, 56841 Traben-Trarbach/Wolf, Telefon 06541/6030, Mail: info@ev-beratungsstelle-wolf.de