"Guten Abend, ich bin der Nikolaus"

"Guten Abend, ich bin der Nikolaus"

Heute am späten Nachmittag legt Irene Krämer ihrem Mann Nikolaus sein Kostüm, den weißen Bart und die Bischofsmütze zurecht. Ab 16.30 Uhr macht sich dann der Nikolaus auf den Weg, um in Rachtiger Häusern die Geschichte des wohltätigen Bischofs von Myra zu erzählen. Wenn er die Kinder beschenkt hat, treffen sich Freunde bei ihm, denn Nikolaus Krämer feiert am Nikolaustag nicht nur Namens-, sondern auch Geburtstag.

Zeltingen-Rachtig. (sim) Einen geeigneteren Nikolaus hätten die Rachtiger wohl kaum finden können. Der Mann, der seit 30 Jahren am Vorabend des Nikolaustages die Häuser aufsucht, um die Kinder zu beschenken, heißt im wahren Leben nicht nur Nikolaus, er ist auch noch am 6. Dezember geboren. In diesem Jahr wird er 59. Als 29-Jähriger hat der Finanzbeamte zum ersten Mal das Bischofsgewand angezogen, um gemeinsam mit dem düster dreinblickenden schwarz gekleideten "Belzebock" Familien mit kleinen Kindern mit Geschenken zu erfreuen.Nur zweimal musste er wegen einer Erkrankung in all den Jahren aussetzen. Das hat ihn schon etwas gewurmt, denn Nikolaus spielt den Nikolaus mit großer Leidenschaft. "Es ist immer wieder eine große Freude, die strahlenden Kinderaugen zu sehen", erzählt er. Mit einem Glöckchen kündigt er sich an, dann betritt er die Wohnzimmer, erzählt den Kindern nichts vom Weihnachtsmann, sondern die Geschichte vom historischen Nikolaus, der als Bischof von Myra im 4. Jahrhundert wirkte und als Sohn reicher Eltern sein ererbtes Vermögen unter den Armen verteilte. Am größten ist die Freude der Kinder natürlich dann, wenn er seine Geschenke verteilt. Zuvor müssen sich die Kleinen aber das ein oder andere vom Nikolaus anhören - gute und weniger gute Taten, die ihm die Eltern auf einem Zettel aufgeschrieben haben. "Die Kinder sind immer wieder verblüfft, was der Nikolaus alles weiß", sagt Nikolaus Krämer. Auch wenn er gelegentlich mal ein Kind tadeln muss - "zum Abschluss", so Nikolaus Krämer, "sage ich immer etwas Positives". Dass der Rachtiger Nikolaus auch die Eltern zum Schmunzeln bringen kann, bewies er mal vor vielen Jahren. Vater und Mutter hatten dem Nikolaus aufgetragen, dem Kind ins Gewissen zu reden, doch nachts nicht immer zu den Eltern in Bett zu kommen.Wünschst du dir denn noch ein Brüderchen oder Schwesterchen", fragte der Nikolaus den kleinen Jungen. "Ja, gerne", antwortete erfreut der Kleine. "Dann darfst du aber nicht mehr jede Nacht zu Papa und Mama ins Bett kriechen", mahnte der Nikolaus. Nikolaus Krämer will noch so lange wie möglich die Rolle seines Namenspatrons spielen. "Ich habe sehr gerne mit Kinder zu tun. Außerdem muss diese schöne Tradition weiterhin gepflegt werden", sagt er. "Feste Preise" für ein Engagement des Nikolaus gibt es nicht, jede Familie gibt einen ihr angemessenen Obolus. Das Geld spendet Nikolaus Krämer stets dem Kindergarten Zeltingen-Rachtig. In den 30 Jahren sind so bereits mehr als 6000 Euro zusammengekommen.

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