Gymnasiasten zahlen weiter

Gute Nachricht für Fahrschüler der Realschule Plus. Sie müssen für Fahrkarten nicht mehr zahlen. 20 Euro monatlich müssen weiter Gymnasiasten und Schüler Integrierter Gesamtschulen aufbringen.

Wittlich. Worin unterscheiden sich Abgangsschüler mit Mittlerer Reife von Regionaler Schule, Dualer Oberschule auf der einen und Realschule auf der anderen Seite? Die Eltern des Realschülers mussten im Lauf der Jahre insgesamt rund 1200 Euro für die Busfahrkarten ihrer Kinder zahlen. Die Eltern des Absolventen der Regionalen Schulen dagegen nichts. Mit der anstehenden Schulreform wird sich das ändern. Alle Schüler der Realschule Plus werden vom Eigenanteil an den Fahrtkosten befreit sein.

Land: Komplette Kostenfreiheit zu teuer



Laut Beschlussvorlage für die Kreistagssitzung am heutigen Montag, 14.30 Uhr, zahlten die Eltern der rund 2000 Realschüler um Landkreis Bernkastel-Wittlich im Schuljahr 2007/2008 rund 400 000 Euro für Fahrkarten. Insgesamt nahm der Landkreis 820 440 Euro durch den Fahrkartenverkauf ein. Mehr als 400 000 Euro davon stammen von Eltern, deren Kinder die Gymnasien besuchen.

Auf das Geld von Fahrkarten für Schüler der Gymnasien muss der Landkreis auch nach der Schulreform nicht verzichten. Denn die 20 Euro Eigenanteil müssen Eltern der Gymnasiasten weiter zahlen. Und nicht nur die. Auch Schüler der Integrierten Gesamtschulen (IGS) werden zukünftig monatlich zur Kasse gebeten. Denn auch in dieser bisher noch nicht im Kreisgebiet vorkommenden Schulart kann Abitur gemacht werden. Dort kann jedoch auch die Berufsreife oder die Mittlere Reife erlangt werden. Also Abschlüsse der Realschule Plus, für deren Besuch keine Fahrkarten gekauft werden müssen. Geplant ist die Einrichtung von Gesamtschulen in Salmtal und Morbach (der TV berichtete).

Diese ungleiche Behandlung von Schülern hat bereits mehrfach die Gremien des Landkreises beschäftigt. "Eine Initiative des Landkreises, den Wegfall des Eigenanteils bei der Schülerbeförderung auf die Klassen fünf bis zehn auszuweiten, wird seitens des Landes als gegenwärtig nicht zu leistender finanzieller Kraftakt nicht weiter verfolgt", heißt es in den Unterlagen zur Kreistagssitzung. In anderen Bundesländern ist die Beförderung von Schülern bis einschließlich Klasse zehn übrigens seit Jahren kostenlos.

Meinung

Finanzielle Hürde

Wer sich Bildungsgleichheit und Bildungschancen auf die Fahnen schreibt, darf keine finanziellen Hürden wie den Eigenanteil an Fahrkosten vor den Besuch eines Gymnasiums aufbauen. Besonders in einem Bundesland, in dem es nach wie vor keine Lehrmittelfreiheit gibt. 20 Euro für die Monatskarte des Kindes mögen für den Angestellten, den mittleren Beamten oder den Facharbeiter aufzubringen sein. Bei Kindern von Eltern, die auf Arbeitslosengeld oder Hartz 4 angewiesen sind, sieht die Sache vermutlich anders aus. Bei diesen Eltern dürfte der bei der Entscheidung für die Schullaufbahn auch von solchen Faktoren wie den Kosten für die Monatskarte abhängen. In Rheinland-Pfalz wird dieser Umstand billigend in Kauf genommen - in einem Bundesland, das derzeit die komplette Schullandschaft umgekrempelt und sich mehr Bildungsgleichheit und Bildungschancen auf die Fahnen geschrieben hat. h.jansen@volksfreund.de