Gesundheit Wer ist schon geboostert? So sieht es in Alten- und Pflegeheimen in Bernkastel-Wittlich aus

Bernkastel-Wittlich · Insbesondere in Senioreneinrichtungen forderte das Coronavirus in der Vergangenheit viele Todesopfer. Wie ist es nun in der vierten Welle um die Booster-Impfung der Bewohner bestellt?

Haben alle ihren Corona-Booster in Pflegeheimen in Bernkastel-Wittlich?
Foto: TV/Christian Moeris

Booster-Impfungen sind derzeit das Thema. Dabei sollten insbesondere Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie weitere vulnerable Personengruppen im Zentrum der Impfkampagne stehen. Doch wie kommt die Impfkampagne zur  Auffrischung des Impfschutzes der Bewohner von Pflegeeinrichtungen voran? Wie viele Heimbewohner sind schon geboostert? Bekommen die Einrichtungen wie in der Vergangenheit erneut Unterstützung durch mobile Impfteams? Wir haben bei der Kreisverwaltung sowie dem Landesministerium für Gesundheit nachgefragt und uns mit Einrichtungsleitern unterhalten.

Altenzentrum „Für die Booster-Impfungen  hatten wir die Hausärzte aller Bewohner kontaktiert“, erklärt Manfred Kappes, Einrichtungsleiter im Altenzentrum St. Wendelinus. 98 Prozent der Heimbewohner seien geimpft, bis zu 80 Prozent bereits geboostert, sagt der Leiter. „Das war organisatorisch ein enormer Aufwand und hat sich über Wochen hingezogen.“ Mobile Impfteams des Landes kämen für St. Wendelinus zu spät, sagt Kappes. „Das wurde anfangs noch nicht angeboten, hätte die Sache aber einfacher gemacht.“ Die Bewohner, die noch nicht geboostert seien, da sie später ins Heim eingezogen oder erst kürzlich ihre Corona-Schutzimpfung erhalten hätten, werde man nun nach und nach auch noch boostern. „Da bleiben wir dran und haben die Termine im Blick.“ Die stark steigenden Infektionszahlen seien beunruhigend, sagt der Einrichtungsleiter. „Das beobachten wir mit Sorge, da wir nicht wissen, was da kommt.“ Nur die Quote der Booster-Impfung in seinem Haus entspanne ihn da etwas, sagt Kappes.

Maria Grünewald In Bezug auf das Virus besonders vulnerable Gruppen werden auch in der Einrichtung Maria Grünewald in Wittlich betreut. Wie geht es in der Einrichtung, in der 145 Menschen mit geistiger Behinderung betreut und begleitet werden, mit der Impfkampagne voran? „Wir haben keine Angebote und Informationen zu mobilen Impfteams“, sagt die Einrichtungsleiterin Barbara Pies. „Darauf wolten wir auch nicht warten. Für die Booster-Impfung der Bewohner sind wir mit den jeweiligen Hausärzten im Gespräch.“ Sie würde sich jedoch wie in der Vergangenheit wieder mobile Impfteams wünschen, sagt Pies. Die Booster-Impfung für 145 Bewohner über die Hausärzte zu regeln,  sei ein enormer Verwaltungsaufwand. Ein Hausarzt habe sich jedoch bereiterklärt, gleich alle Bewohner, die mit Einverständnis der gesetzlichen  Vertreter geboostert werden sollen, zu impfen. „Da sind wir im Gespräch mit einem Arzt. Es steht jedoch noch kein Termin fest.“ Derzeit sei in Maria Grünewald noch kein Bewohner geboostert. Die Einrichtungsleiterin würde sich nicht nur Unterstützung durch mobile Impfteams, sondern auch durch Bundeswehrsoldaten wünschen: „Den Betrieb unserer hauseigenen Teststation werden wir aufgrund eines Mitarbeitermangels leider einstellen müssen.“ Pies würde sich freuen, wenn ihre Einrichtung für die Kontrolle der Selbsttests Unterstützung bekommen könnte. „Das ist ein wahnsinniger Verwaltungsaufwand. Mitarbeiter müssen zwei Mal und Bewohner ein Mal in der Woche getestet werden. Nicht Geimpfte müssen jeden Tag getestet werden.“ Wenn aber Bundeswehrsoldaten ab morgens sieben Uhr den Zugang zur Einrichtung und die Vorlage der Testergebnisse kontrollieren könnten, sagt Pies, könnte das die Einrichtung stark entlasten. „Alles was wir an Ressourcen für die Verwaltung und zum Testen benötigen, geht auf Kosten der Betreuung.“ Aber bekommen Senioren- und weitere Betreuungseinrichtungen nun in der vierten Welle überhaupt wieder Unterstützung durch die Bundeswehr? Warum wurden in der vierten Welle noch keine mobilen Impfteams geschickt? Wir haben bei der Kreisverwaltung und dem Ministerium für Gesundheit nachgefragt.

Kreisverwaltung Die vulnerablen Gruppen zu schützen, erklärt die Kreisverwaltung, habe absolute Priorität. „Die Unterstützung durch mobile Impfteams des Landes wurde unseres Wissens nach durchgängig angeboten. Die Einrichtungen müssen hier jedoch selbst tätig werden und die Impfbereitschaft bei der Koordinierungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) melden.“ Für Bernkastel-Wittlich ist dies der DRK Kreisverband. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums kann das Land mittlerweile wieder auf bis zu 30 mobile Teams zugreifen. „Das Land hat sehr früh Kontakt mit den Einrichtungen aufgenommen und Unterstützung beim Boostern angeboten. Darüber hinaus gibt es - ergänzend zum Impfangebot bei den niedergelassenen Ärzten - ein flächendeckend Möglichkeiten, sich im Land impfen zu lassen, sei es bei den zwölf Impfbussen, neun reaktivierten Impfzentren, den 21 Krankenhausstandorten und den zahlreichen kommunalen Impfstellen.“

Zum Thema Bundeswehr erklärt die Kreisverwaltung: „Auf Nachfrage unsererseits bei der Bundeswehr wurde uns zwar Unterstützung zugesichert, jedoch mit Personalwechsel im 14-tägigen Rhythmus.“ Dieses Angebot sei aber quasi nutzlos und könne nicht in Anspruch genommen werden, da die Mitarbeiter des Gesundheitsamt nicht die Kapazitäten dafür hätten, alle 14 Tage neue Soldaten einzuarbeiten.

Sind die Bewohner der Senioren- und  Behinderteneinrichtungen nach Ansicht des Gesundheitsamtes aktuell hinreichend geboostert und geschützt? „Laut Mitteilung der Landesregierung sind inzwischen 85 Prozent der Pflegeheimbewohner geboostert.“ Für den Landkreis gibt es aber keine konkreten Zahlen. „Wir haben hier keinen Überblick sondern sind auf die Angaben des Landes angewiesen. Die Zahlen erhebt das Gesundheitsministerium. Zum Impfschutz in Behinderteneinrichtungen liegen uns keine Zahlen vor.“ Anzustreben sei natürlich eine 100-Prozent-Impfquote: Das Gesundheitsamt des Landkreises habe dazu bereits alle Einrichtungen per E-Mail angeschrieben „und auf die dringende Notwendigkeit der Kontaktaufnahme zu den mobilen Impfteams hingewiesen“.

In Rheinland-Pfalz wurde für die Einrichtungen der Pflege und der Eingliederungshilfe ein Monitoring aufgebaut, erklärt das Ministerium auf Anfrage unserer Zeitung. Damit würden Einrichtungen verpflichtet, einmal wöchentlich die Gesamtzahl der Belegschaft, die Zahl der davon geimpften Mitarbeiter sowie der geimpften  Bewohner und die Anzahl der jeweiligen Auffrischungsimpfungen zu melden, erklärt das Ministerium. Erste Zahlen dazu sollen voraussichtlich in der kommenden Woche vorliegen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort