Häkeln, schreiben, schwimmen

LAUFELD. (noj) Wer rastet, der rostet, sagt ein altes Sprichwort. Erika Bayer aus Laufeld wird heute 80 Jahre alt, von Rasten und Rosten kann bei der aktiven alten Dame allerdings keine Rede sein.

In der Vorweihnachtszeit ist Erika Bayer besonders aktiv. Schließlich gilt es, vielen Menschen mit einem selbst gemachten Geschenk eine Freude zu machen. Damit dies gelingt, häkelt die 80-Jährige unermüdlich. Ob Gardinen für die Fenster, Deckchen für den Wohnzimmertisch, Engelchen für die Weihnachtsdekoration, in ihren Händen entstehen die schönsten Kunstwerke. Besonders dekorativ sind auch die Blumen, deren Blüten sie naturgetreu häkelt. Ob Sonnenblumen oder im Winter Christsterne, man muss schon zweimal schauen, ob sie echt sind oder nicht. "Das habe ich mir alles selbst beigebracht", erzählt Erika Bayer. Gerne gibt sie auch ihre Kenntnisse an andere weiter. Gehäkelt wird bei Erika Bayer immer abends, "tagsüber hab' ich keine Zeit", sagt sie. Schließlich will sie sich neben der täglichen Hausarbeit auch noch sportlich fit halten. "Zweimal die Woche ins Schwimmbad", steht fest auf dem Terminkalender der vierfachen Mutter und siebenfachen Großmutter. 60 Menschen wurden im vergangenen Jahr mit ihren selbst gemachten Kunstwerken beschenkt, vielen wurde auch eine andere Kunst zuteil, die heute im Zeitalter der modernen Telekommunikation schon fast in Vergessenheit geraten ist: das Schreiben von Briefen. Um die 30 Personen erhielten von der munteren Rentnerin einen ganz persönlichen Weihnachtsgruß. Auf selbst gestalteten Karten oder Briefbögen vermag Erika Bayer es, sehr persönliche und warmherzige Grüße zu verfassen. "Ich kann ja nicht an 30 Leute dasselbe schreiben", begründet sie ihre Mühe. Die Adressaten dieser Post sind zum großen Teil Feriengäste, die sie in früheren Jahren in Laufeld beherbergt hat. "Das war eine schöne Zeit", erinnert sich die rüstige Rentnerin gerne. "Ich habe die immer verwöhnt", schmunzelt sie mit dem ihr eigenen Humor. Kein Wunder, dass bei der Versorgung mit leckerem selbst gebackenen Kuchen, die Feriengäste immer wieder gerne kamen. Fast alle haben sich auch in diesem Jahr für die Weihnachtsgrüße bedankt, die meisten allerdings telefonisch, erzählt Erika Bayer. Da müssen sich diese auch schon mal einen Scherz der resoluten Dame anhören, wenn sie mit dem Satz "was ist denn da jetzt für ein Fauler am Telefon" begrüßt werden. Immer schon hat sie gerne Briefe geschrieben, früher allerdings nur am Wochenende - aus Zeitmangel. Denn sie musste im Baustoffhandel ihres Vaters mitarbeiten, den später ihr Mann Peter übernahm. Auch Feldarbeit gehörte zu den Aufgaben der fleißigen Frau. "Wir konnten nie irgendwo hinfahren", erzählt sie. Heute genießt sie es, neben ihrem kreativen Hobby im Fernsehen Quizsendungen zu sehen. Auch da muss man geistig fit sein, um auf die Antwort zu kommen. "Günter Jauch ist der Größte", teilt sie die Meinung vieler Fernsehzuschauer. Aber auch der TV gehört zu ihrer täglichen Lektüre, so dass sie stets über alles aus der Region informiert ist. "Schreiben Sie nicht so viel", mahnt sie zum Abschied. Über sich selbst möchte sie nur wenig in der Zeitung lesen.