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Hände weg von der Weinkönigin - Weinfeststimmung oder sexuelle Belästigung?

Hände weg von der Weinkönigin - Weinfeststimmung oder sexuelle Belästigung?

Dezenter Kuss oder Hand am Po: So manche Weinmajestät kann einiges über sexuelle Belästigung auf den feucht-fröhlichen Festen berichten. Aber wo hört der Spaß auf?

Weinfeststimmung. Es wird geschunkelt, gesungen, gegessen und getrunken. Die Weinhöfe und Keller sind gut gefüllt. Und: Je später der Abend, desto enthemmter verhält sich der ein oder andere.
Weinkönigin Katja (Name geändert) macht mit ihren Weinprinzessinnen die Runde, geht von Stand zu Stand, prostet den Gästen mit ihrem Weinpokal zu und lässt sich fotografieren. Eine Gruppe junger Männer, die meisten halb betrunken, steuert grölend auf die Weinmajestäten zu. Die Männer zücken ihre Handys für einen Schnappschuss. Einer stellt sich zwischen die jungen Frauen und lacht laut auf. Was die meisten nicht sehen: Während einer knipst, fasst der andere der Weinkönigin an den Po.

Es ist eine Situation, die offenbar häufig vorkommt. Wir haben mit drei Weinköniginnen von der Mittelmosel gesprochen. Sie wollen anonym bleiben, und sie äußern sich eher zurückhaltend. Deutlich wird: Sexuelle Belästigung von Weinköniginnen und Weinprinzessinnen ist offenbar ein Tabuthema, über das niemand gerne spricht. Aber es ist ein Thema.

Eine 21-Jährige erzählt: "Feste Umarmungen und die Hand auf dem Po - das habe ich schon oft erlebt. Es ist sehr unangenehm. Aus Höflichkeit habe ich aber noch kein großes Aufsehen gemacht."
Eine andere Weinkönigin erinnert sich: "Ein etwa 30-jähriger betrunkener Mann stellte sich neben mich, glotzte in mein Dekolleté und sagte wiederholt: Ich mag Möpse, ich mag Möpse." "Ich habe mich einfach weggedreht und bin weitergegangen."

Was müssen sich Weinköniginnen gefallen lassen? Ist ein Küsschen schon zu viel? Katja antwortet: "Gegen ein dezentes Küsschen auf die Wange habe ich nichts. Das gehört einfach dazu. Ich habe aber schon mal erlebt, dass ein Betrunkener mit seiner Zunge meine Wange benetzte. Ich war sprachlos, bin weg und habe mich gewaschen."
Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Bernkastel-Wittlich Gabriele Kretz kennt das Thema sexuelle Belästigung. Dass Weinmajestäten teilweise darunter leiden, hat sie allerdings noch nicht gehört.

"Ich kann es mir aber gut vorstellen", sagt sie. Wenn, wie bei Weinfesten, Alkohol im Spiel sei, fielen bei manchen die Hemmungen. Sie macht klar: "Es ist alles das nicht erlaubt, was der andere nicht möchte."

Bei Übergriffen, beispielsweise die Hand auf den Po legen, sollten sich die Betroffenen das ganz deutlich verbieten - mit Worten etwa wie: "Stopp, Finger weg. Ich bin keine Puppe." Die Grenzen, was gehe und was nicht gehe, müsse jede Frau allein bestimmen. Jede empfinde das anders. Gabriele Kretz sagt: "Es gibt da sehr viele Nuancen."