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Neues Alkoholsteuergesetz
Härtetest überstanden: Brennereien verzeichnen ein gutes Jahr

 Das Interesse am Fortbestand der Brennereien ist groß. Das zeigt die hohe Teilnehmerzahl bei der Mitgliederversammlung des Verbandes Rheinischer und Saarländischer Klein- und Obstbrenner in Wittlich. Wie geht es nach dem Wegfall des Branntweinmonopols weiter?
Das Interesse am Fortbestand der Brennereien ist groß. Das zeigt die hohe Teilnehmerzahl bei der Mitgliederversammlung des Verbandes Rheinischer und Saarländischer Klein- und Obstbrenner in Wittlich. Wie geht es nach dem Wegfall des Branntweinmonopols weiter? FOTO: TV / Christian Thome
Wittlich . Das befürchtete Brennereiensterben nach der Abschaffung des Branntweinmonopols ist wegen des guten Jahres 2018 bislang ausgeblieben. Ob das auch 2019 so sein wird, ist unklar. Von Christian Thome

Die Angst war groß. Viele Brennereien sahen ihren Beruf vor dem Aus, als Ende 2017 das neue Alkoholsteuergesetz eingeführt und damit das Branntweinmonopol aufgelöst wurde. Zunächst einmal sollte kurz noch einmal erklärt werden, wovor die Brenner sich fürchteten.

Beim Brennen von Schnaps entsteht nicht nur der Alkohol, der es auch in den Branntwein schafft. Der übrige „Rohalkohol“ bleibt für die Brennereien übrig, mit diesem können sie so gut wie nichts anfangen. Das war bis Ende 2017 auch kein Problem, denn der Zoll nahm den Brennereien diesen ab – diese hatten also Gewissheit, keine zusätzliche Arbeit und einen festen Verkaufspreis. Das ist nun vorbei, der Zoll nimmt den Rohalkohol nicht mehr an. Das wird deshalb zum Problem, weil die Brennereien sich selbst darum kümmern müssen, diesen loszuwerden. Ohne zu wissen, ob sie es schaffen.

Doch nach jetzigem Stand funktioniert es, auch wegen des Einzelhandels, wie Gerald Erdrich, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Klein- und Obstbrenner, auf der Mitgliederversammlung des Verbandes Rheinischer und Saarländischer Klein- und Obstbrenner in Wittlich erklärt. „Der Handel hat zugesagt, dass er den gesamten Rohalkohol übernimmt“, sagt er, „und er hat es auch getan“. Damit sei der erste Härtetest überstanden. Jedoch sei nicht nur der Handel dafür verantwortlich: „2017 war ein schwaches Jahr“, sagt Erdrich, „davon hat das Jahr 2018 profitiert.“ Dass das im Jahr 2019 erneut so sein würde, könne man nicht versprechen, weil das Jahr 2018 durch das Wetter und die guten Obstbestände ein sehr gutes gewesen sei. Erdrich warnt allerdings auch davor, aus falschem Ehrgeiz am Brennen festzuhalten: „Wenn es sich nicht lohnt, dann muss man es bleiben lassen.“

Doch es gibt nicht nur gute Nachrichten, denn die Zahl der betriebenen Brennereien in Deutschland ist im vergangenen Jahr wieder einmal gefallen, erklärt Dietmar Jakobs, Direktionspräsident der Generalzolldirektion IV in Neustadt: „Es gibt jetzt noch 13 800 betriebene Brennereien in Deutschland, das sind 3000 weniger als noch im Vorjahr.“ Der Trend setze sich also weiter fort. Dem entgegen stünden nur 130 neu angemeldete Brennereien. Für ihn sei das Brennen „ein Stück weit Kulturgut“, er werde „alles dafür tun, um das zu erhalten“.

Dieser Meinung ist auch der Landtagsabgeordnete Arnold Schmitt, der sich für die Brenner einsetzt: „Wir dürfen den Brennern das Leben nicht zu schwer machen. Es kann nicht sein, dass sie mit dem Gesetzbuch zum Brennen gehen müssen!“ Zumindest die erste Angst ist überstanden.