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Haflinger in Traben-Trarbach: So arbeitet lokales Veterinäramt

Verwahrloste Tiere : Wie es mit dem Haflinger in Traben-Trarbach weitergeht und wann das Kreisveterinäramt in Wittlich einschreitet

Das Schicksal des Haflingers, der auf einer Weide in Traben-Trarbach verwahrlost, hat tiefe Betroffenheit ausgelöst. Welche Sanktionen kann das Kreisveterinäramt in solchen Fällen ergreifen? Warum nimmt die Behörde das Pferd dem Besitzer nicht weg? Wir haben nachgefragt.

Ein Pferd, das auf einer Weide in Traben-Trarbach verwahrlost, und eine alte abgemagerte Stute aus Dierscheid, die eingeschläfert werden musste: Diese beiden traurigen Geschichten, um deren Aufklärung TV-Leser baten, erregten in den vergangenen Wochen die Gemüter (der TV berichtete). Dabei tauchten mehrfach die Fragen auf: Warum zögert das Kreisveterinäramt bei diesen Zuständen? Warum greift die Behörde nicht hart durch?

Es sind schwere Vorwürfe, die da erhoben werden. Jutta Alt, Leiterin des Kreisveterinäramtes, hört sie nicht zum ersten Mal. Doch sie ist gewappnet und legt Zahlen und Fakten vor. 174 Mal sind Tierärzte des Kreisveterinäramtes in diesem Jahr bereits ausgerückt, um Tierhalter zu kontrollieren. Jedes Mal gab es einen konkreten Anlass.

Was Menschen beim Veterinäramt melden

Im heißen Sommer 2022 etwa wurde das Kreisveterinäramt auf mehrere Fälle aufmerksam, bei denen Pferde auf der Weide dürsteten. Ihre Halter hätten nicht daran gedacht, den Tieren zweimal am Tag ausreichend Wasser bereitzustellen. Es war Gefahr in Verzug. „Da die Halter nicht zu erreichen waren, haben wir Wasser zu den Tieren gefahren“, berichtet Alt. Gratis war dieser Einsatz jedoch nicht. Den Aufwand mussten die Pferdehalter der Behörde jeweils bezahlen. Dieses Vorgehen nennt sich Ersatzvornahme im Behördenjargon, zu Deutsch: ein Zwangsmittel der Verwaltung, wenn bestehende Verpflichtungen nicht erfüllt werden.

Oft kontaktierten die Menschen aber die Kreisbehörde wegen ganz anderer Dinge. „Die Menschen rufen uns an, wenn Hunde bellen, weil diese zu laut sind und sie sich belästigt fühlen. Sie sagen dann oft: ,Und ich glaube, einem Hund geht es auch nicht gut.’“ Doch darüber hinaus gebe es Anrufe, über die sie sehr dankbar sei, sagt die Leiterin. Für die Einschätzung, ob der entsprechende Fall tatsächlich einer für den Tierschutz sei oder nicht, gebe es fachlich ausgebildetes Personal.

So arbeitet das Kreisveterinäramt Bernkastel-Wittlich

Vier Tierärzte arbeiten in der Verwaltung. Sie kümmern sich um Tierschutz, Tierseuchen- und Lebensmittelrecht und Tierarzneimittel. Zwölf Tierärzte sind allein für die Schlachttier- und Fleischkontrolle zuständig. „Wir machen die Fleischkontrolle für die gesamten Schlachtungen im Landkreis“, sagt Alt. Eine Menge Arbeit. Hofschlachtungen gehören ebenso dazu wie die neun Metzgereien, die noch schlachten, vor allem aber der Schlachthof Simon, der größte seiner Art in Rheinland-Pfalz. Dafür sind zusätzlich 38 amtliche Fachassistenten in der Fleischkontrolle tätig. Fünf Lebensmittelkontrolleure checken außerdem die 17 bis 1800 Betriebe – also Bäckereien, Gastronomie etc. – im gesamten Landkreis.

Die Tierärzte des Kreisveterinäramtes kontrollieren sowohl die lebenden Tiere als auch die geschlachteten.
Die Tierärzte des Kreisveterinäramtes kontrollieren sowohl die lebenden Tiere als auch die geschlachteten. Foto: TV/Nathalie Hartl

„Wir haben einen Bauchladen“, sagt Alt schmunzelnd, die gleichzeitig beobachtet hat, dass die Menschen sensibler geworden sind, was den Umgang mit und die Haltung von Tieren angeht. „Die Leute gehen spazieren und sehen vermeintliche Fälle. Sie rufen uns dann an. Wir gehen den Fällen nach. Aber wir fahren nicht sofort raus, wenn uns die Lage bekannt ist oder wenn der Kollege erst vor wenigen Tagen vor Ort war.“ Manche hätten auch falsche Vorstellungen von Tierhaltung, hat sie festgestellt. „Nicht jedes Tier, das schmutzig ist, ist gleich ein Fall für den Tierschutz. Kühe und Pferde legen sich auf ihrer Weide schon mal gerne in den Matsch.“

Wann genau ist denn ein Tier ein Fall für den Tierschutz?

„Da gibt es ganz unterschiedliche Kriterien“, sagt sie. „Pauschal lässt sich das so nicht sagen. Das kommt auf den jeweiligen Fall an. Wir müssen jeden Fall individuell beurteilen.“

Wie der mit dem Haflinger auf der Weide in Traben-Trarbach. Er beschäftigt die Behörde bereits seit zwei Jahren. Mittlerweile ist ein Verfahren anhängig. Der Halter muss in einer bestimmten Frist die geforderten Maßnahmen umsetzen. Alt informiert: „Der Zaun ist zu reparieren. Der Kollege war zwischendurch vor Ort, um das zu kontrollieren. Auch die Kletten, die sich in Fell und Schweif festgesetzt hatten, sind mittlerweile entfernt worden.“ Gute Neuigkeiten. Und doch: Als die traurige Geschichte des Pferdes im Volksfreund erschien, riefen mehrere Menschen an, um das Tier zu adoptieren. Denen erteilte Alt eine Absage.

 Zu dick, zu dünn, zu laut: Die Veterinäre der Kreisbehörde werden oft von Nachbarn gerufen, die sich beschweren.
Zu dick, zu dünn, zu laut: Die Veterinäre der Kreisbehörde werden oft von Nachbarn gerufen, die sich beschweren. Foto: obs/Bundesverband für Tiergesundhei

„Der Besitzer möchte das noch recht junge Tier für die Zucht behalten.“ Ihn zu enteignen, funktioniere nicht so einfach. Ein Tierhalte-Verbot werde nur dann ausgesprochen, wenn der Halter gezeigt habe, dass er nicht zuverlässig in der Lage sei, ein Tier zu versorgen.

Ein Dilemma. Denn bei den sogenannten Nachkontrollen – von denen es im gesamten Landkreis im Jahr 2022 insgesamt 107 gab – scheint oft der gute Wille da zu sein. Alt sagt: „Mal ist die Hälfte der Beanstandungen erledigt, die andere Hälfte aber nicht. Mal ist alles erledigt, beim nächsten Mal wieder nichts. Wenn Maßnahmen umgesetzt wurden, können wir das Tier dem Besitzer nicht einfach wegnehmen. Da stecken oft Einzelschicksale von Mensch und Tier dahinter.“

Unter diesem Hin und Her leidet auch der Haflinger in Traben-Trarbach. Ob es diesmal ein Happy End für ihn gibt? Diese Frage kann selbst Jutta Alt nicht seriös beantworten. „Wir achten darauf, dass die Mindestanforderungen für den Tierschutz erfüllt sind. Es ist überall mal was nicht in Ordnung. Schöner geht immer.“