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Hagelopfer ärgern sich über Informationsveranstaltung

Hagelopfer ärgern sich über Informationsveranstaltung

100 Betroffene des Hagelunwetters an der Mittelmosel haben sich von der Kreisverwaltung sowie Energie- und Finanzierungsexperten in Mülheim über Sanierungsmöglichkeiten ihrer beschädigten Häuser informieren lassen. Doch statt Tipps für Sofort-Hilfen gab es nach Ansicht von Betroffenen Luxus-Ratschläge für Hagelopfer.

Mülheim. Groß ist die Erwartungshaltung bei denjenigen, die der Einladung der Kreisverwaltung in die Grafschafthalle in Mülheim gefolgt sind. Den Opfern des Hagelunwetters soll die Informationsveranstaltung dazu dienen, Tipps und Ratschläge für die Sanierung geborstener Fenster und zerschlagener Dächer zu bekommen - und das kompetent und unkompliziert von einer Experten-Crew, bestehend aus Finanzierungsexperten und Energiesparfüchsen.
Jürgen Klaus vom Förderverein der Energieagentur Region Trier wirbt für das Förderprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). "Wer Fördergeld in Anspruch nimmt, der kann sein Dach nicht einfach wieder zumachen", sagt Klaus. Heißt im Klartext: Wer bei der Erneuerung seines kaputten Daches die Energieeinsparverordnung nicht einhält, dem drohen Ordnungsstrafen. Egal ob mit Fördergeld oder ohne. Murren. Lange Gesichter. Günstige Kredite gibt es nur gegen hohe Auflagen.
Keine Antworten bekommen


"Wie bekommen wir unsere Dächer jetzt winterfest? Wir stehen unter Zeitdruck!" entfährt es einer Dame. Dann fällt auch bei den Experten auf dem Podium der Groschen, dass es den meisten der Betroffenen nicht um die Komplettdämmung ihres Hausdaches geht, sondern mehr um die nackte Sorge vor dem nahenden Winter. "Sichern Sie jetzt ihr Eigentum und überlegen Sie sich in Ruhe die Sanierung. Das ist sowieso erst etwas für 2012", sagte Klaus schnell. Trotzdem mahnt der Experte, sich eine energiesichere Sanierung der eigenen vier Wände gut zu überlegen.
Auch Alexandra Wüst von der Treuhandbank Rheinland-Pfalz hat Hochglanz-Broschüren mitgebracht. Sie verweist das grummelnde Publikum darauf, dass auch Folgeschäden des Hagels gefördert werden - wie neue Tapeten oder Teppichboden.
Hermann Brück von der Kreisverwaltung beruhigt Besitzer denkmalgeschützter Gebäude. Wem der Hagel die Kunstschieferziegel zerschlagen habe, bleibe nicht auf dem Mehraufwand für Naturschiefer sitzen. "Die Denkmalschutzbehörde ist da großzügig." Immerhin. Die Kreisverwaltung prüfe den Antrag und gebe in dringenden Fällen mündlich eine vorzeitige Baubewilligung. Im Rahmen der Dorferneuerung wird Wert auf Originalbausubstanz gelegt. Naturschiefer statt rote Analogziegel. Gelassen lauschen Klaus (86) und Hildegard (82) Lutz aus Mülheim den Ausführungen. Der Hagel hat Teile ihres Hausdachs beschädigt, das Terrassendach zertrümmert. Sie verschwenden keinen Gedanken daran, aus ihrem alten Bauernhaus ein Energieeffizienzhaus zu machen. "Wir sind über 80 und lassen unser Dach doch nicht mehr dämmen", sagt Lutz. Sauer ist Werner Klein (61) aus Bernkastel-Kues. "Ich bin unzufrieden mit der Zusammensetzung des Podiums. Die Hagelschäden nagen an uns, und die wollen uns Kredite verkaufen. Wir haben auf unsere Fragen keine Antworten bekommen", schimpft er. Sein Haus auf dem Kueser Plateau ist stark beschädigt. "Es zieht, überall im Haus ist es feucht", erzählt er. Am Ende der Veranstaltung konnten sich Betroffene eintragen, um von Energieberatern kostenlos beraten zu werden.