Hagelschäden kosten Lieser gut 600 000 Euro

Hagelschäden kosten Lieser gut 600 000 Euro

Die durch das Hagelunwetter vor einem Jahr beschädigte St. Peterkirche im Herzen von Lieser erhält ein komplett neues Dach. Parallel dazu wird, überwiegend in Eigenleistung, der Glockenstuhl des denkmalgeschützten Gebäudes saniert.

Lieser. Die Kirchengemeinde Lieser muss tiefer als vor gut einem Jahr vorhersehbar in die Tasche greifen. Die beim Hagelunwetter vom August 2011 (siehe Extra) beschädigte St. Peterkirche erhält notgedrungen ein neues Dach. Kirchenschiff und Turm werden neu eingedeckt und auch die Bretter darunter erneuert. Das Gebälk muss lediglich repariert werden. Vor dem Unwetter war vorgesehen, insbesondere den Glockenstuhl zu sanieren.
Der Hagel habe vor allem die Südwestseite in Mitleidenschaft gezogen, erklärt Pfarrgemeinderatsvorsitzender Karl-Heinz Zewe. Von den Flächen des achteckigen Turms seien vier total beschädigt. Die übrigen vier auf der dem Hagel abgewandten Seite wären reparierbar, werden aber mit erneuert. Denn die letzte Dacherneuerung liegt mehr als 50 Jahre zurück (siehe Extra).
Beim Kirchenschiff kam nur der Teil im Schatten des Turmes unbehelligt davon. Weil auch dort alte Dachhaken ausgetauscht werden müssen, wird das Dach komplett erneuert. Um die Kosten zu drücken, wollen Kirchengemeindemitglieder - darunter Leute vom Fach - die schon länger geplanten Arbeiten im Glockenstuhl in Eigenleistung übernehmen. So etwa Anstreicharbeiten oder die Sanierung von Kirchturmhahn und -kreuz sowie der Metall-Aufsetzer des unten viereckigen Turms.
Nach Auskunft der Rendantur, der kirchlichen Rechnungsbehörde, belaufen sich die Kosten insgesamt auf 605 680 Euro. 365 000 Euro davon übernimmt die Versicherung. Das Bistum beteiligt sich mit rund 144 000 Euro, die Kirchengemeinde mit rund 96 000 Euro. Einen solchen Brocken könne sie natürlich nicht ohne weiteres stemmen, erklärt Dechant Georg Moritz: "Wir müssen da schon an unsere Reserven gehen." Glücklichweise verfüge Lieser dank des vor wenigen Jahren verkauften Pfarrhauses über ein Polster. Der Verkauf habe damals zwar für Unmut gesorgt. Doch nun könne auf das beleihbare "Fabrikvermögen" zurückgegriffen werden. Die "innere Anleihe" müsse aber zurückerstattet werden. Denn das Vermögen der Kirchengemeinde dürfe nicht aufgezehrt werden, sondern müsse künftigen Generationen erhalten bleiben: "Aber wir beleihen unser eigenes Geld."
Extra

Das Hagelunwetter vom 26. August 2011 zog eine teure Schneise durch die Region. Insbesondere entlang der Mosel wurden wie in Veldenz viele Dächer teils erheblich beschädigt (der TV berichtete). Vordringlich repariert oder erneuert wurden am ärgsten betroffene Wohnhäuser. Nun kommt die Reihe an Gebäude wie die denkmalgeschützte katholische St. Peterkirche. 1782 auf einem Felsvorsprung erbaut, überragt St. Peter den Ortskern. Der achteckige Turm datiert auf 1860. Seinen viereckigen Vorgänger hatte ein Feuer zerstört, bei dem auch mehrere Häuser niedergebrannten. 1956 wurde die Kirche umfassend renoviert, das Dach neu eingedeckt und der Innenraum ausgemalt. urs

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