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Halber Moselaner, traumhafte Tage - Weinfest der Mittelmosel mit besonderen Geschichten

FOTO: Klaus Kimmling
Bernkastel-Kues. Kurze Hosen und T-Shirts: Bis in die Nacht war das beim Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues die bevorzugte Kleidung. Das Regen-Intermezzo am Sonntag trübte die gute Laune nicht. Und das Fest geht ja noch weiter. Clemens Beckmann

Muss das sein? Da treibt das Weinfest der Mittelmosel drei Tage bei hochsommerlichen Temperaturen Rekordwerten entgegen. Und dann kommt der Sonntag. Seine ersten vier Buchstaben sollten Mut machen, dass der angekündigte Regen ausbleibt. Gegen 9 Uhr wird es richtig nass. Danach klart es auf, der Himmel wird sogar blau. Doch gegen 12.45 Uhr, eineinviertel Stunden vor Beginn des großen Festzuges, gewittert es sogar. Der Hüter der Schleusen hat dann aber ein Einsehen. Um 14 Uhr ist es trocken, und bis auf einen kleinen Schauer kommt auch während des mehrstündigen Spektakels auf den Straßen nicht mehr viel vom Himmel herunter.

Mehr als 90 Festwagen, Fußgruppen und Musikkapellen sind unterwegs, darunter auch der Wuppertaler Markus Uttelbach, dessen 60 Jahre alter Deutz den Festwagen "Burg Landshut" zieht. Auf dem Beifahrersitz sein Sohn Tim. Für ihn erfüllt sich ein Traum (der TV berichtete).

Trotz des Wetters stehen zigtausende Zuschauer am Wegesrand. Es dürften aber nicht ganz so viele sein, wie in den Vorjahren - bei besserem Wetter. Abgerechnet wird aber erst am Dienstagabend, wenn die Schausteller und Kunsthandwerker zusammenräumen.

Dass die Besucher drei Tage (Donnerstag bis Samstag) ohne Pullover und Jacke auskommen, dürfte einmalig sein. Ideales Wetter herrscht am Samstagabend beim Feuerwerk. Über den ganzen Tag und die Nacht verteilt, sind so die Schätzungen, etwa 80.000 bis 90.000 Besucher in der Stadt unterwegs.

Das Feuerwerk wird von vier verschiedenen Standorten abgeschossen. Besonders eindrucksvoll wird es, wenn die Raketen zwischen dem Schützenhaus und der Burg hochsteigen. "Dann sieht man die Landschaft gut", sagt Johannes Schneider (Maring-Noviand). Und die Leute mögen es auch, wenn es laut knallt.

Das Weinfest schreibt schöne Geschichte. Zum Beispiel die vom musikalischen Leiter der Illerblosn aus dem Allgäu. Hermann Weiß war im Jahr 2016 mit einer anderen Showband beim Piesporter Weinfest. Mit dabei seine hochschwangere Frau, die aber noch fünf Wochen bis zur Geburt Zeit haben sollte.

Besuch im Geburtsort

Doch Sohn Marc wollte vielleicht an der Mosel das Licht der Welt erblicken. In Bernkastel-Kues gab es damals noch eine Geburtsabteilung. Und so ist er nun ein halber Moselaner. Vor einigen Jahren zeigte ihm die Familie seinen Geburtsort. Damals war Weinfest und Hermann Weiß Flügelhornist bei den Illerblosn. "Wir haben bei der Touristinformation angefragt, ob wir hier spielen können und sind jetzt das vierte Mal hier", erzählt er.

Die Organisatoren werden sich auch in diesem Jahr wieder über eine Gesamtbesucherzahl freuen, die irgendwo bei 200.000 liegt. Da sind 65 Einsätze des Deutschen Roten Kreuzes zwischen Freitagabend und Sonntagmorgen nicht viel. 32 Personen müssen allerdings ins Krankenhaus gebracht werden. Einige werden nur ambulant behandelt, zum Beispiel genäht.

Kreisbereitschaftsleiter Eric Schlöder und Zugführer Michael Basten vermelden aber auch einige schwere Fälle, die auf exzessiven Alkohol- und Drogeneinfluss (in Kombination) hinweisen könnten. Polizeihauptkommissar Stefan Koch berichtet am Sonntagmorgen von etwa 30 Einsätzen, darunter einige Schlägereien - aber nichts Dramatisches. Nach dem Umzug heißt es aus der Dienststelle: keine besonderen Vorkommnisse.

FOTO: Klaus Kimmling