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Handel in der Wittlicher Altstadt: Gespräch mit Claudia Jacoby

Wirtschaft : Wie geht es weiter mit der Wittlicher Innenstadt? Ein Gespräch über den Einzelhandel

Wie ist es in Zeiten des Onlinehandels um den Handel in der Wittlicher Altstadt bestellt?

Wie ist es 2020 um den Einzelhandel in der Innenstadt und den Wirtschaftsstandort Wittlich generell bestellt? Was läuft gut oder vielleicht schief? Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Die gerade frisch im Amt bestätigte Vorsitzende des Vereins Stadtmarketing Wittlich, Claudia Jacoby (Altstadtbuchhandlung Wittlich), spricht im TV-Interview mit unserem Redakteur Christian Moeris über Sorgen, Nöte und Chancen des Einzelhandels in der Wittlicher Innenstadt.

Sehr geehrte Frau Jacoby, wie ist es aus Ihrer Sicht 2020 um den Einzelhandel in der Wittlicher Innenstadt und den Wirtschaftsstandort Wittlich bestellt?

Claudia Jacoby: „Der Wirtschaftsstandort Wittlich floriert, auch als Einzelhandelsstandort. Allerdings muss hier unterschieden werden zwischen der sogenannten grünen Wiese und der Innenstadt. Die Wittlicher Innenstadt hat die gleichen Probleme wie alle vergleichbaren Städte.  Zurückgehende Kundenfrequenz führen zu Ladenleerständen, der Einzelhandel in der Innenstadt hat es schwer. Stadtmarketing sieht seine Aufgabe darin, hiergegen anzukämpfen.“

Wie verhalten sich die Kundenzahlen und die Frequenz in der Wittlicher Innenstadt zu den Zahlen der vergangenen Jahre?    

Jacoby: „Es liegen keine Zahlen vor, deshalb kann ich hierzu keine Aussage machen. Gefühlt ist die Kundenfrequenz in den letzten Jahren zurückgegangen. Dieser Entwicklung wird jetzt gegengesteuert durch eine Rückverlegung der Märkte in die Innenstadt. Der Monatsmarkt und der Stoffmarkt sollen ab März wieder in der Altstadt stattfinden. Auch andere Veranstaltungen wie beispielsweise das Street-Food-Festival im Juli soll in der Altstadt durchgeführt werden.“

Wie schätzt der Verein die Leerstandsquote in der Innenstadt ein? Die Stadtverwaltung wertet ihr Leerstandsmanagementprojekt Alwin als Erfolg, doch ist dem wirklich so? Mancher sagt, es würden immer mehr Leerstände.

Jacoby: „Wir sind uns mit der Stadtverwaltung einig, dass „Alwin“ ein Erfolg ist. Die Nutzung leerer Ladenflächen durch Pop-up-Stores ermöglicht es Gründern, ihre Ideen auszuprobieren und am Markt zu testen. Es ist wichtig, Neueinsteigern den Schritt in die Selbstständigkeit zu erleichtern, auch mit niedrigen Einstiegsmieten. Wenn es uns hierüber gelingt, die Leerstandsquote zu verringern, ist dies sicherlich schon ein Erfolg mit Außenwirkung. Einige Leerstände konnten durch das Projekt Alwin dauerhaft vermietet werden.“

Welche Läden und Branchen vermisst man im Angebot?

Jacoby: „Was in Wittlich fehlt, ist einem stetigen Wandel unterworfen, der den sich wechselnden Kundenwünschen geschuldet ist. Deshalb will ich hier keine Branchen nennen. Was wir brauchen sind inhabergeführte Fachgeschäfte, die mit ihrem besonderen, auch ausgefallenen Angebot die Kunden in die Stadt locken. In Zeiten des Online-Einkaufs ist es auch wichtig, dass sich Geschäfte ansiedeln, die Waren anbieten, die es im Internet nicht gibt bzw. die im Internet nicht gekauft werden können.“

Wie bewertet der Verein Stadtmarketing die Pläne zum Hotelbauprojekt am Kurfürstenplatz?

Jacoby: „Aus Sicht des Gesamtstandortes ist der Bau eines Hotel in Wittlich positiv zu sehen. Die Lage des geplanten Neubaus am Rande der Altstadt wird sicherlich zu einer Belebung der Innenstadt beitragen.“

Welche Impulse müsste die Politik aus Sicht der Händler setzen, um den Handel in der Innenstadt weiter zu fördern oder weiteren Schließungen entgegenzuwirken ? Welche Maßnahmen wären konkret erforderlich oder wünschenswert?

Jacoby: „Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit es weiterhin Einzelhandel auch in den Innenstädten gibt. Wenn die verkehrliche Erreichbarkeit gesichert ist und genug günstiger Parkraum vorhanden ist, lassen sich auch Geschäfte in der Innenstadt wirtschaftlich betreiben. Hinzu kommt eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit, um gemeinsame Maßnahmen umzusetzen. Das funktioniert zwischen Stadtverwaltung und Stadtmarketing sehr gut.“

Was können die Händler noch zusätzlich leisten, um ihren Standort in der Innenstadt zu verteidigen?

Jacoby: „Die Einzelhändler, Dienstleister und Gastronomen in der Innenstadt müssen mit ihren Angeboten überzeugen. Wenn Angebot, Service und Öffnungszeiten stimmen, dann kommen auch die Kunden.“

Hat der Verein Stadtmarketing Verbesserungsvorschläge zur Verkehrsführung in der Innenstadt und der Parkraumbewirtschaftung?

Jacoby: „Die Erreichbarkeit der Geschäfte hat eine enorm hohe Bedeutung für jeden Gewerbebetrieb oder Dienstleister in der Innenstadt. Schon kleinste Veränderungen (etwa durch Baumaßnahmen oder zeitweise Straßensperrungen) halten die Kunden vom Einkauf ab und führen zu Umsatzrückgängen.

Bei der Parkraumbewirtschaftung war die Entscheidung der Stadtverwaltung, das lange Parken auf dem Parkplatz Kurfürstenhof zu verbieten, ein richtiger Schritt. Auch der Ausbau des Parkplatzes Karrstraße in der Altstadt hat die Parksituation wesentlich verbessert.“

 Wie sieht es mit der Mitgliederzahl des Vereins Stadtmarketing Wittlich aus? Hat der Verein angesichts der großen Zahl an Betrieben in der Stadt Wittlich nicht eine relativ geringe Mitgliederzahl?

Jacoby: „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn mehr Gewerbetreibende sich bei Stadtmarketing Wittlich engagieren würden. Der Verein vertritt schließlich die Interessen jedes einzelnen Geschäftes! Neue Mitglieder zu gewinnen, daran wird der gerade neu gewählte Vorstand arbeiten.“

Wie sehen der Handel in der Innenstadt und die Innenstadt generell im Jahr 2050 aus? Wagen Sie doch mal eine Prognose.

Der neue Vorstand vor dem Alten Rathaus in Wittlich (von links): Holger Hähnel, Guido Birk, Claudia Jacoby, Gregor Fischer, Birgit Gelbe und Helmut Ertz. Foto: Stadtmarketing Wittlich
Claudia Jacoby. Foto: TV/Christian Moeris

Jacoby: „Ich wage nicht, 30 Jahre in die Zukunft zu sehen. Dafür sind in unserer schnelllebigen Zeit die  Veränderungen zu gewaltig. Für den Einzelhandelsstandort Innenstadt sehe ich vor dem Hintergrund der positiven Entwicklung von Wittlich durchaus Chancen, sich auch weiterhin am Markt zu behaupten. Entscheidend bleiben aber immer die Kunden, die mit ihren Füßen darüber abstimmen, ob es auch in Zukunft ein vielfältiges Angebot an Geschäften in der schönen Wittlicher Innenstadt geben wird.“