Handwerker im Herzen der Stadt

Er will nicht auf die grüne Wiese: Glaser Christoph Teusch (50) ist einer der letzten Handwerker, die ihre Werkstatt in der Wittlicher Innenstadt haben. Berufsverkehr, Fußgänger, Dunkelheit: Teusch trägt zu jeder Tageszeit Glasscheiben zwischen Werkstatt und Lagerhallen über die Karrstraße. Die Firma gibt es bereits seit 135 Jahren.

Wittlich. "Klar, könnte man auf der grünen Wiese vieles besser machen", sagt der 50-jährige Glaser Christoph Teusch, der die Glaserei Teusch-Hansen in der Wittlicher Altstadt im Jahr 1995 von seinem Vater übernommen hat. "Aber hier finden mich die Leute wenigstens." In einem Industriegebiet müssten ihn die Leute doch suchen, sagt Teusch. Zudem garantiere die Lage in der Karrstraße auch Laufkundschaft, die man in einem Industriegebiet nicht habe. "Die meisten sind froh, dass es hier noch einen Glaser gibt, der mal schnell eine Scheibe reparieren kann."
Der Betrieb mit Werkstatt und Lagerhallen verteilt sich über drei Gebäude, die teils auf unterschiedlichen Seiten der Karrstraße liegen. Auch bei Berufsverkehr und zwischen Fußgängern hindurch trägt Teusch mit seinen Mitarbeitern Glasscheiben über die Straße oder verlädt schwere Glasteile mit dem Autokran. "Ich bin das gewohnt. In Köln parkt man auch in zweiter Reihe und arbeitet bei viel Verkehr. Trotzdem: Ein Auto ist noch nie durch eine Glasscheibe gefahren, die wir über die Straße getragen haben."
An einem Industriegebiet würde ihm zudem nicht gefallen, dass Lagerhallen und Werkstatt dort nachts unbeaufsichtigt seien. Nicht zuletzt ist er Eigentümer der Immobilien, in denen er arbeitet. "Deshalb ist es für mich hier auch einfach günstiger." Aber auf der grünen Wiese könne man eine Werkstatt und die Lager sicher effizienter planen.
Teusch nennt als die weiteren Betriebe im Herzen der Stadt: "Elektro Könen in der Karrstraße, Maler Willi Heinz in der Kordel und Elektro Koch neben der Synagoge." Zum Vergleich: Die Online-Übersicht der Kreishandwerkerschaft listet für Wittlich nebst Stadtteilen 90 Betriebe.
Extra

1879 gründete Ur-Großvater Peter Teusch die Glaserei. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von Heinrich Teusch wieder aufgebaut. Während in der ersten Generation das Glas zu Fuß und mit dem Fahrrad ausgeliefert wurde, wurden da schon Lastwagen eingesetzt. Darauf übernahm in der dritten Generation Hans Heinrich Teusch die Firma. Sein Sohn Christoph führt den Betrieb seit 1995 in der vierten Generation. red