Handys und Tablets zum Nulltarif

Sie brauchten Geld. Für kostspielige Discoabende. Für Markenkleidung. Um der Freundin zu imponieren. Sie unterschrieben - meist unter falschem Namen - Mobilfunkverträge und verkauften die dadurch erlangten Handys weiter. Wegen gewerbsmäßigen, gemeinschaftlich begangenen Betrugs hat das Amtsgericht Wittlich sechs Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren verurteilt.

Wittlich/Trier. Entweder es ging gut oder eben nicht. Die jungen Männer zockten. Das Risiko war zunächst nicht besonders hoch, der zu erwartende Gewinn dagegen recht groß: Auf die neuesten Iphones, Samsung-Handys und Tablet-Computer zielte die Betrugsmasche der sechs Angeklagten im Alter zwischen damals 17 bis 23 Jahren ab.
"Das war richtig kriminell, was da abging", sagt Josef Thul, vorsitzender Richter des Jugendschöffengerichts in Wittlich über die Zeit zwischen August und Dezember 2013. Jeweils in unterschiedlicher Besetzung - nur der heute 19-jährige Haupttäter war immer mit dabei - erschlichen sich die sechs Angeklagten elf Handys und ein Tablet.
Das Vorgehen war immer gleich: Man steuerte in Trier diverse Mobilfunkläden an - Geschäfte wie Base, Phonehouse, Mobilcom oder Saturn, unterzeichnete einen Mobilfunkvertrag und kam dadurch an das zu dem Kontrakt angebotene Handy, das man später weiterverkaufte. "Die Telefone gab\'s doch nicht zum Nulltarif", macht Richter Thul am Dienstag in der Verhandlung deutlich, "da wurden Verträge abgeschlossen, damit geht man die Verpflichtung zur Zahlung großer Summen ein!"
Nur, dass die sechs aus Wittlich stammenden Angeklagten nie vorhatten, diese Summen zu begleichen: Zunächst schickten sie einen Bekannten mit laut Richter Thul "schwacher Persönlichkeit" vor, der die ersten drei Verträge unterzeichnete. "Jedem von euch war bewusst: Der hat nachher Schulden, aber ihr konntet kurzfristig Geld machen", wirft Thul den Angeklagten vor.
Als der Haupttäter ein paar Wochen später eine Geldbörse im Bus und darin einen Personalausweis fand, wurde die Betrugsmasche fortgesetzt: Einer der Mitangeklagten sah dem Mann auf dem Ausweisfoto ähnlich, und so wurden nun auf den Namen des Unbekannten noch mehr Mobilfunkverträge unterzeichnet und Handys erschlichen. Einen weiteren Personalausweis stahl der Haupttäter aus der Umkleide eines Sportplatzgeländes - und so kam die Truppe zu noch drei Handys.
Nur in wenigen Mobilfunkläden hatten die Angeklagten keinen Erfolg - dann nämlich, wenn die dortigen Mitarbeiter Gehaltsnachweise forderten. Das allerdings passierte selten - und wenn doch, zog die Gruppe eben ins nächste Geschäft.
Einige tausend Euro machten die Sechs insgesamt mit ihrer Betrugsmasche. Geld, das sie ausgaben für ausschweifende Discobesuche, für Markenklamotten und - wie einer erklärt - um "der Freundin zu imponieren". Das Geld ist längst weg. Was bleibt, sind Verurteilungen wegen gewerbsmäßigen, gemeinschaftlich begangenen Betrugs (siehe Extra).Extra

Das Gericht verurteilt den 19-jährigen Haupttäter unter Einbeziehung eines alten Urteils zu einer Jugendstrafe von 22 Monaten auf Bewährung. Gegen den 24-jährigen Angeklagten, bei dem als Einzigem Erwachsenenstrafrecht angewendet wird, wird eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verhängt. Der 18-Jährige, der mit dem gestohlenen Personalausweis Handyverträge unterschrieb, wird unter Einbeziehung eines älteren Urteils zu einer Woche Dauerarrest und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit verurteilt. Die Entscheidung über die Verhängung einer Jugendstrafe bei seinem 21-jährigen Bruder, der auch mit einem fremden Ausweis an Handys kam, setzte das Gericht zu Bewährung aus. Ein 18-Jähriger muss eine Woche in Dauerarrest und einen sozialen Trainingskurs absolvieren. Ein 19-Jähriger muss 80 Sozialstunden ableisten. neb