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Hanfkampagne: landwirtschaftliche Genossenschaft steht vor dem Aus

Landwirtschaft : Zu viel Wirkstoff, zu wenig Geld - Hanfkampagne gibt auf

Mehrere Gründe führen zum Scheitern der mit viel Enthusiasmus gestarteten landwirtschaftlichen Genossenschaft.

Hanf ist eine Kulturpflanze mit Tradition. Aus Hanf wurden im Mittelalter die Sehnen der Langbogen produziert. In der Seefahrt wurden Segel aus Hanf an den Masten hochgezogen. Und auch Textilien und Papier wurden einst aus Fasern der krautigen Nutzpflanze hergestellt.

Grund genug für einige Pioniere aus Hunsrück und der Wittlicher Senke, den Anbau der Pflanze, die aus der Mode gekommen war, erneut zu testen und Produkte wie Hanföl und Hanfmehl, aus dem sich Brot backen lässt, zu produzieren.

2018 wurde deshalb die Hanfkampagne gegründet, eine Genossenschaft, die die Produkte vermarkten und die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren koordinieren sollte. Doch die Genossenschaft hat sich inzwischen aufgelöst, sagt Max Pestemer, der diese zuletzt führte. Ursachen sei zum einen der rauscherzeugende THC-Gehalt im angebauten Hanf gewesen, der 2019 bei 90 Prozent der Pflanzen zu hoch gewesen sei. Deshalb durfte der Hanf nicht zur Lebensmittelproduktion verwendet werden, sagt Pestemer.

Ein weiterer Grund lag in dem Gedanken der gemeinschaftlichen Vermarktung als Kollektiv. „Es ist die Frage, ob die Idee der Genossenschaft von allen verstanden wurde“, sagt Pestemer. Hinzu sei eine gewisse Unerfahrenheit gekommen, wie man ein Unternehmen aufbaut und bewegt. Auf ihn persönlich sei immer mehr Arbeit zugekommen, die er nicht delegieren konnte. Zudem sei das Kapital knapp geworden. Allerdings habe man die Mitglieder nicht darum bitten wollen, Geld nachzuschießen. Eine Überführung in eine andere Gesellschaftsform, beispielsweise in eine GmbH, sei gegen die Ursprungsidee gewesen. Pestemer: „Es hat auch Erfahrung gefehlt.“ Daraus resultierende Fehler hätten der Genossenschaft das Genick gebrochen.