Hans-Jürgen Sehn gibt Vorstandsposten bei Hochwald-Molkerei auf

Hans-Jürgen Sehn gibt Vorstandsposten bei Hochwald-Molkerei auf

Hans-Jürgen Sehn war 18 Jahre Aufsichtsratsvorsitzender und 31 Jahre im Vorstand der genossenschaftlichen Molkerei Hochwald Foods. Er hat viele Höhen und Tiefen erlebt.

Landwirt, Funktionär, Politiker - Hans-Jürgen Sehn aus Briedel (Kreis Cochem-Zell) ist ein Mann mit vielen Eigenschaften. In Briedeler Heck - eine kleine Siedlung unweit des Flughafens Hahn - hat er seinen Bauernhof, im Cochem-Zeller Landratsamt geht er als erster Beigeordneter ein und aus und beim Großunternehmen Hochwald Foods zog er als Vorsitzender des Aufsichtsrates die Fäden, wenn es um langfristige Strategien ging. Und so ganz nebenbei war er noch bis zum vergangenen Jahr 24 Jahre Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Cochem-Zell.

Jetzt hat er nach 31 Jahren im Vorstand und 18 Jahren an der Spitze des Aufsichtsrates bei der Hochwald-Molkerei Thalfang diesen Posten aus Altersgründen abgegeben. Der 66-Jährige hat in dieser Zeit ein Unternehmen begleitet und mitgestaltet, das sich zur zweitgrößten genossenschaftlichen Molkerei Deutschlands entwickelt hat. Ein enormer Wandel hat sich in den Jahrzehnten vollzogen - nicht nur für das Unternehmen sondern auch ganz allgemein für den bäuerlichen Berufsstand.

Als Sehn vor 31 Jahren in den Vorstand eintrat, bewirtschaftete er einen Milchviehbetrieb mit 30 Kühen. Heute stehen 180 Milchkühe sowie 140 Kälber und Jungrinder in den Ställen. Und auf dem weitläufigen Gelände produziert eine Biogasanlage unter anderem aus der anfallenden Gülle erneuerbare Energie. Die Hochwald Foods GmbH, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Genossenschaft Hochwald Milch eG, macht heute einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro und ist als zweitgrößte genossenschaftliche Molkerei in Deutschland zu einem Global Player geworden. 1986, als Sehn in den Vorstand eintrat, verwertete das Unternehmen 240 Millionen Kilogramm Milch, heute sind es 2,3 Milliarden. Damals hatte ein Milchbauer im Schnitt 20 Kühe, heute sind es 80.

Das rasante Wachstum des Unternehmens in den vergangenen Jahrzehnten war nur durch zahlreiche Fusionen möglich. Acht Fusionen zählt Sehn auf, unter anderem mit den Molkereien Eifelperle in Hillesheim, der Star-Milch in Hessen und der Saarland-Milch.

Sehn: "Entweder das Unternehmen wächst, um wettbewerbsfähig zu bleiben oder es verharrt bei seiner Größe und wird dann selbst ein Übernahmekandidat. Mir war immer wichtig, dass das Unternehmen in der Lage ist aus eigener Kraft heraus Fusionen eingehen zu können."

Für die Milchbauern ist, unabhängig wie groß ihre Molkerei ist, in erster Linie der Milchpreis entscheidend. Und der ist seit dem Wegfall der Milchquote großen Schwankungen unterworfen. Sehn: "Die Märkte sind viel globaler geworden. Wird mehr produziert als verbraucht wird, gehen sofort die Preise runter."

Derzeit liegt der Milchpreis bei 33 Cent pro Kilogramm, Tendenz leicht steigend. Im vergangenen Jahr, als der Milchpreis in den Keller fiel, zahlte Hochwald Foods den Bauern durchschnittlich 26,13 Cent pro Kilo - viel zu wenig, um wirtschaftlich existieren zu können.

Und wie sieht die Zukunft aus? Sehn erwartet, dass Hochwald Foods weiter wachsen und das Produktsegment, unter anderem mit Käse, weiter ausbauen wird. Und die Milchbauern? Sehn: "Wegen der Preisschwankungen sollten sie sich ein zweites Standbein suchen. Vielleicht als Lohnunternehmer für Gemeinden, als Betreiber von Biogasanlagen oder mit dem Angebot Ferien auf dem Bauernhof."Extra: HOCHWALD FOODS DATEN UND FAKTEN

Umsatz: 1,36 Milliarden Euro Mitarbeiter: 1862 Milchlieferanten: 4700 Genossenschaftsmitglieder: 4400 Jahresmilchmenge: 2,3 Milliarden Kilogramm Produkte: H-Milch, Milchmischgetränke, Eiskaffee, Kondensmilch, Joghurt, Sprühsahne, H-Sahne, Sterilsahne, Käse