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Hans Werner Schmitt: Der Bürgermeister a.D. will eine zweite Chance

Bürgermeisterwahl in Thalfang : Hans Werner Schmitt: Der Bürgermeister a.D. will eine zweite Chance

Der Trierische Volksfreund stellt in einer Reihe „Auf ein Getränk mit...“ die Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Thalfang vor. Mit dem parteilosen Einzelbewerber Hans Werner Schmitt aus Piesport waren wir  im Landhaus Gräfendhron.

Im gemütlichen Innenhof des Landhauses Gräfendhron genießt Hans Werner Schmitt eine hausgemachte Himbeerlimonade. Die Wahl des Getränks trifft der 55-Jährige schnell: „Ich bin immer neugierig.“ Und das gilt für das spezielle Getränk ebenso wie für die von ihm ausgewählte Gastronomie. Denn das Landhaus ist ein Integrationsbetrieb mit angeschlossenem Jugendhof, in dem junge Menschen an das Arbeitsleben herangeführt werden. Insgesamt arbeiten dort rund 40 Menschen. Die Spezialität in der Küche ist Bioland-Fleisch aus der Zucht eigener Galloway-Rinder. „Ein unterstützenswertes Projekt“, findet der Bürgermeister-Kandidat. Schmitt beabsichtigt, die Küche auch auszuprobieren. Doch diesmal bleibt es beim verabredeten Getränk.

Mit Ehefrau Martina geht er ohnehin gern essen. Und wenn es nach einem Wander- oder Radausflug inklusive Abendessen schon mal später werde, müssen die Eigentümer eines kleinen Wohnmobils nicht mehr unbedingt nach Hause fahren. Doch gern isst das Paar auch zuhause. Die Ehefrau sei eine „sehr gute Köchin“. Schmitts Lieblingsgericht: „Rinderrouladen, Rotkohl und Salzkartoffeln.“

Beim Wandern haben sich die Schmitts in jüngster Zeit verstärkt in der Verbandsgemeinde (VG) Thalfang aufgehalten und schöne Dinge entdeckt: zum Beispiel die Traumschleife Dhrontal-Wackentour und das malerische Gräfendhron. Die Schmitts besitzen zwar ein Eigenheim in Piesport, aber als gewählter Bürgermeister würde Schmitt es für sinnvoll halten, seinen Wohnsitz in die VG Thalfang zu verlegen.

Schwimmen und Saunieren sind neben dem Wandern Lieblingsbeschäftigungen des Piesporters. Bislang sei er dafür gern ins Bitburger Cascade gefahren. Doch künftig werde er häufiger das Thalfanger Erholungs- und Gesundheitszentrum (EGZ) besuchen.

Die Zahl der gastronomischen Betriebe sei in der Verbandsgemeinde Thalfang nicht sehr groß. Wenn Schmitt zum Bürgermeister der VG Thalfang gewählt werde, wolle er sich im Rahmen der Wirtschaftsförderung dieses Themas annehmen. Möglicherweise könne er Interessenten bürokratische Hürden aus dem Weg räumen. Die Nationalpark-Verbandsgemeinde Thalfang stehe ansonsten touristisch gut da, aber man müsse für die guten Angebote vermutlich mehr Werbung machen.

Die Kommune hält Schmitt für „gut aufgestellt“. Das gelte auch für den Gesundheitsstandort Thalfang mit einer großen Anzahl an Ärzten und Menschen in anderen Heilberufen. Mit Blick auf die Kommunalreform sorge er sich allerdings um den Zentralort. Ein Ort, der sein Rathaus verliere, sei weniger attraktiv für Kunden und Bürger. Das weiß der ehemalige Bürgermeister von Neumagen-Dhron, das im Rahmen der Kommunalreform aufgelöst wurde, aus eigener Erfahrung. Dass das Thalfanger Rathaus künftig nicht leer stehe, dafür „will ich kämpfen“.

Als Koch Daniel Klein an den Tisch kommt, verwickelt Schmitt, dessen Eltern in der Eifel einen Milchwirtschaftsbetrieb hatten, ihn gleich in ein Gespräch. Die Galloway-Rinder interessieren den gebürtigen Neuerburger (heute Verbandsgemeinde Südeifel). Denn: „Die ökologische Landwirtschaft liegt mir sehr am Herzen.“ Auch beruflich hat der gelernte Verwaltungsfachwirt mit dem Thema Landwirtschaft zu tun gehabt. Im Neuerburger Rathaus, wo er 1985 seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten abschloss, war er auch für die Agrarförderung zuständig. Eine „Herzensangelegenheit“ sei ihm die Arbeit als Standesbeamter gewesen. Besonders gern habe er Paare getraut. 1987 war er zum jüngsten Standesbeamten im Land bestellt worden. Nicht nur Eheschließungen gehörten zu seinen Aufgaben. Ein weiteres Interesse Schmitts galt alten Urkunden – im Zusammenhang mit dem Führen von Personenstandsbüchern. „Genaues Arbeiten war dort erforderlich.“ Mit der Kandidatur für das Bürgermeisteramt in der Verbandsgemeinde Thalfang schließt sich für Hans Werner Schmitt ein Kreis. Denn in seiner Zeit als Bürgermeister in der VG Neumagen-Dhron hatte er häufiger mit der damaligen Nachbar-Verbandsgemeinde zu tun. Schon damals stand das Thema Kommunalreform auf der Agenda.

Es wurden Gespräche zwischen den Kommunen geführt und Gemeinsamkeiten ausgelotet. Besonders reizvoll bei einer möglichen Fusion schien ihm die Kombination aus touristischen Angeboten an der Mosel und am Erbeskopf. „Beides zusammen in einer Verbandsgemeinde, das wäre interessant gewesen.“ Doch dazu kam es bekanntlich nicht. Aber immerhin zu einer engen Zusammenarbeit. Schmitt und sein damaliger Amtskollege Hans-Dieter Dellwo beschritten unkonventionelle Wege und stellten beispielsweise gemeinsam einen Systemadministrator ein, für den beide Kommunen einzeln nicht genügend Arbeit und nicht genügend Geld gehabt hätten.

Es folgte ein für den gebürtigen Süd­eifeler unerfreuliches Kapitel, das damit endete, dass Schmitt, der 2000 zum Bürgermeister der damals kleinsten VG in Rheinland-Pfalz gewählt worden war, als erster Amtsinhaber im Land von den Bürgern abgewählt wurde – „eine persönlich für mich sehr bittere Erfahrung“. Aber auch das sei Demokratie.

Man habe es ihm von Anfang an nicht leicht gemacht, sagt Schmitt  rückblickend, räumt aber ein, selbst auch Fehler gemacht zu haben.

Dennoch habe er in dieser Zeit einige Projekte umsetzen können: Es wurde ein Feuerwehrgerätehaus in Alt-Piesport gebaut, Feuerwehrfahrzeuge und Rettungsboote angeschafft. Der Nachbau des römischen Weinschiffes Stella Noviomagi wurde ebenso auf den Weg gebracht wie der Kunstrasenplatz in Niederemmel. Aber letztlich habe er keine Chance gehabt, sagt er selbst.

Warum  er Bürgermeister in Thalfang werden will? „Ich möchte eine zweite Chance.“