Hansdampf in allen Gassen

BERGWEILER. Pfarrer Gerhard Wax ist weithin bekannt, im Wittlicher Tal, in der Eifel-Mosel-Region und auch in Frankreich. Bei Konrad Adenauer ist er ein- und ausgegangen. Und John F. Kennedy hat er auch die Hand geschüttelt. Jetzt feiern die Bergweilerer Bürger sein 50-jähriges Priesterjubiläum.

"Ei, ich wohne seit 1970 in Bergweiler." Kein Zweifel, der Mann stammt aus dem Saarland - das ist unüberhörbar. Doch in seiner Zeit als Studienrat an der Berufsschule Wittlich zwischen 1964 und 1983 haben Tausende von Schülern feines Hochdeutsch von ihm vernommen. 1970 wurde der Religionslehrer und Priester Gerhard Wax dann als Pfarrer von Bergweiler eingeführt und machte sich schnell im Umkreis bekannt. Nicht nur wegen seines fortschrittlichen Denkens. Sein Engagement bei der damals in Wittlich stationierten französischen Garnison und deren Familien brachten ihm reichhaltigen Kontakt ins Nachbarland. 2002 erhielt er den französischen Orden "Chevalier de L'Ordre National". Zwei Jahre zuvor bekam er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Als Gefängnisgeistlicher in der Wittlicher Justizvollzugsanstalt agierte Gerhard Wax von 1983 bis 1999. Während der gesamten Zeit ist er seinen Bergweilerern treu geblieben, und das schon seit 37 Jahren. Frühschoppen gibt es ebenfalls beim Pfarrer

Ein Hansdampf in allen Gassen sei er, habe überall gewirkt und seine Spuren hinterlassen. Auch habe Gerhard Wax seinen eigenen Kopf, sagen die Bergweilerer Bürger, aber dieser Kopf habe vieles erreicht. "Die Sonntagsmesse dauert genau 35 Minuten, mit Predigt, ohne dass der Pfarrer eine Uhr hat". Und nach dem Gottesdienst gibt es im Pfarrhaus respektive im angebauten Heimatmuseum jeden Sonntag einen Frühschoppen. Wax selbst ist eher Abstinenzler. Aber er hat seinen Schäfchen vor vielen Jahren in Kombination mit einem immer größerer werdenden Heimatmuseum einen gastlichen Raum geschaffen. Das Museum ist mehr als nur sein Stolz. Sehr gerne zeigt er die Fotos von John F. Kennedy und Konrad Adenauer, die er 1963 in Köln getroffen hat. Damals war er als Leiter des Fanfarencorps Kirn zu einem Empfang beim amerikanischen Präsident geladen. Und er nahm selbstredend die Gelegenheit war, sich mit Kennedy zu unterhalten. Zu Adenauer hatte er private Kontakte. Dessen Sohn Paul hat zusammen mit Wax Theologie studiert. Ruhig und besonnen erzählt der 77-jährige auch heute noch aus seinem Leben. Sein saarländischer Heimatort Nalbach war nach dem Zweiten Weltkrieg französisch. Wax besuchte das Gymnasium in Saarlouis. Er spricht fließend englisch und französisch. "1951 habe ich das französische Abitur gemacht." Dann studierte er Theologie in Trier, München und Münster und wurde am 6. April 1957 im Trierer Dom zum Priester geweiht. Als Kaplan wirkte er in Betzdorf/Sieg und Kirn/Nahe, bevor er nach Wittlich kam. Gerne bereiten die Bergweilerer ihrem Pfarrer am Ostermontag einen großen Bahnhof zum goldenen Priesterjubiläum. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr, anschließend Empfang und Ehrung. Denn für die Menschen in Bergweiler ist klar: "Pfarrer Wax ist was Besonderes und machte was Besonderes."