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Harald Bechberger Landtagswahl Wahlkreis 23 AfD

Landtagswahl : Von Moralaposteln hält Harald Bechberger nichts

Erst 2017 ist Dr. Harald Bechberger aus Boppard in die AfD eingetreten. Vier Jahre später tritt er bei den Landtagswahlen als Direktkandidat für den Wahlkreis 23 an.

Menschen ändern sich nicht, wohl aber Parteien. Davon ist Dr. Harald Bechberger überzeugt, der im Wahlkreis 23 für die Alternative für Deutschland (AfD) antritt. Ob  der 68-Jährige sich in seinem Leben  nicht verändert hat, können andere vermutlich besser einschätzen. Dass sich eine Partei geändert hat, die er lange Zeit unterstützt hat, da ist er sich sicher.  Der Betriebswirt und Studienleiter im Ruhestand  hat  Bündnis 90/Die Grünen lange Jahre unterstützt, ohne deren Parteibuch zu besitzen.

Doch basisdemokratische Elemente, für die sich die Grünen vor allem in ihrer Gründungsphase stark gemacht hatten, seien, so sagt Bechberger, „heute nur noch bei der AfD umsetzbar“. Beispielhaft nennt er Volksentscheide und die Wahl des Bundespräsidenten durch das Volk. Und: „Menschen sind kompetent.“  Man dürfe sie nicht entmündigen, sagt er  mit Blick auf die aktuelle Lage und spricht von einer „Corona-Diktatur“. Parteipolitik sei lange gar nicht „sein Ding gewesen“. Und er habe lange gedacht: „Ach, du kannst ja doch nichts ändern.“ Diese Einstellung hat sich offenbar doch geändert. Und dafür habe es ganz handfeste Gründe gebraucht. 

Was war der Initialgrund für das Engagement des gebürtigen Oberhauseners? Ein einschneidendes Erlebnis war für Bechberger die „ungesteuerte Masseneinwanderung im Jahr 2015“. Als weitere Gründe nennt er die „einsetzende Hetze gegen Kritiker, der Beginn einer Politik gegen das eigene Volk und unsere Grundrechte“.

2017 ist der Bopparder schließlich in die AfD eingetreten. In der Zwischenzeit ist er Schatzmeister  der Partei im Rhein-Hunsrück-Kreis, Mitglied im Landesfachausschuss Familie  und Mitglied des Kreistages im Rhein-Hunsrück-Kreis. Und nun kandidiert er für  den Wahlkreis 23 für die AfD. Sein Ziel: Persönlich möchte er im „zweistelligen Bereich“ landen.  Für die AfD im Land rechnet er mit mehr als 13 Prozent. Für die Landesliste hat er nicht kandidiert.

Als generell politisch interessiert sieht er sich schon. Er sei eines der allerersten Mitglieder bei Green­peace gewesen, bis „Greenpeace angefangen hat, SUVs (sprich: Geländewagen)  zu verteufeln und sich als Moralapostel aufgespielt haben. Da war bei mir eine rote Linie überschritten.“ Familien- und Bildungspolitik habe bei ihm  nach eigener Aussage im Fokus gestanden. Als Studienleiter der Düsseldorfer Volkshochschule, der zweitgrößten in Nordrhein-Westfalen,  habe er sich sein „Leben lang beruflich für nachträgliche Chancengerechtigkeit insbesondere für Frauen eingesetzt“.  Erwachsenenbildung habe ihm viel Freude gemacht. Es sei eine „tolle Sache, es nur mit motivierten Menschen zu tun zu haben“.

Bechberger hat drei Hochschulabschlüsse:  Er ist Diplom-Betriebswirt, Doktor der Philosophie  und hat ein Staatsexamen für Lehramt in der Oberstufe absolviert. Als  Studienleiter in der Erwachsenenbildung  hat er eine  ganze Reihe von Sachbüchern veröffentlicht, etwa über Berufsrückkehrerinnen und Neue Technologien. Doch das ist nur die eine Seite des Ehemanns, Vater einer Tochter und Großvater zweier Enkel? Er schreibt auch Gedichte: „Ich mache das aus Freude an unserer Sprache.“ Und er übt Kyudo aus. Das ist eine japanische Version des Bogenschießens, eine „friedfertige und meditative Sache“.  Für Treffen mit Gleichgesinnten reist er durch die halbe Bundesrepublik.