Harte Männer tanzen nicht

Axel Petermann berät die Redaktion des "Tatort" und hat als Profiler ein Buch geschrieben. Daraus liest Leonard Lansink, den ein Millionenpublikum als den Privatermittler "Wilsberg" kennt. Der Schauspieler spricht im TV-Interview über die Faszination des Bösen und was er von Wilsberg gelernt hat. Die Fragen stellte Redakteurin Sonja Sünnen.

Privatdetektiv Wilsberg ist einer der Ermittler, den die Deutschen lieben. Seit 1995 folgen sie dem Buchantiquar und Privatdetektiv am Fernsehgerät: eine Paraderolle für Leonard Lansink. Offensichtlich haben Rolle und Mensch ein paar Gemeinsamkeiten: zum Beispiel einen Hang zur Beschäftigung mit menschlichen Abgründen.Wie oft haben Sie eigentlich schon mal auf "Why did You do it", den Song der Band Stretch, der im Wilsberg-Vorspann läuft, getanzt? Oder macht das ein Schauspieler, den man als Privatdetektiv mit Buchhandlung kennt, einfach nicht?Leonard Lansink: Haha, doch, Schauspieler tanzen schon, Wilsberg eher nicht, und ich privat halte es eher mit dem Motto: Tough guys don\'t dance, harte Männer tanzen nicht, nach Norman Mailer.Immerhin könnte ja sein, dass Tanzen zu viel Spaß macht … Dann halt lieber vorlesen, was ein Tatortanalytiker so erlebt, oder? Wie faszinierend ist denn das weite Feld "Crime" für Sie?Lansink: Crime ist immer spannend, weil es menschliche Abgründe zeigt und Einblick in den Charakter der Täter ermöglicht. Und was würde Wilsberg dazu sagen? Was treibt ihn wohl an außer profanes Geld?Lansink: Der sähe das wohl so wie ich.Warum überhaupt fasziniert das Böse? Warum lieben Menschen es, in Bücher und Filmen Fremden zu folgen, die kriminalistische Rätsel lösen? Warum beschäftigen wir uns mit Krimiliteratur oder Petermanns "Im Angesicht des Bösen", dem Buch aus dem Sie vorlesen?Lansink: Weil das Böse mehr Dimensionen hat als das Gutsein. Gut wären wir alle gern, solange es nix kostet, das ist einfach. Vom jetzt gestorbenen Marcel Reich-Ranicki heißt es, er habe gesagt, große Literatur habe nur zwei Themen: die Liebe und den Tod. - Wer aus einem Buch über einen Profiler der Mordkommission liest, scheint ja Letzterem thematisch zugeneigt: Was fesselt Sie an Petermanns Arbeit?Lansink: Die beschriebene Wirklichkeit, die furchtbarer ist als unsere erfundenen Krimis: Die Wirklichkeit übertrifft die Einbildung.Und, als kleiner Junge mal Privatdetektiv werden wollen, womöglich einen Agentenausweis gebastelt, oder was sonst hat Leonard vorgeschwebt?Lansink: Nee, hab ich nie dran gedacht, eher Pilot, also der moderne Lokomotivführer, oder Journalist. Sie kommen nach Hetzerath: Nicht ganz Mosel, nicht ganz Eifel: Was verbindet Sie womöglich mit diesen Landschaften?Lansink: Ich war auf diversen Radtouren in meiner Jugend da, später aber nicht mehr.Könnte ja sein, wenn man jahrelang eine Rolle verkörpert: Was von Wilsberg fürs Leben gelernt?Lansink: Man muss nicht schnell sein, aber hartnäckig. Haben Sie eigentlich eine Lieblingsfolge, die Sie jemanden vorspielen würden, der weder Sie noch Wilsberg kennt?Lansink: Ja, unsere Weihnachtsfolge: "Oh du tödliche-e". Vielleicht: Welchen Kollegen würden Sie sich denn mal für einen Gastauftritt bei Wilsberg wünschen?Lansink: Meine Lieblingsschauspieler: Robert Mitchum, Lino Ventura, Gene Hackman, Walther Matthau ...Was verbindet Sie mit Herrn Laupichler? Wie finden Sie sein Engagement, mit seinen Eifel-Kulturtagen Kultur in kleine Säle aufs Land zu bringen?Lansink: Das finde ich prima, super Idee. Wir kennen uns übrigens aus der Weihnachtfolge, er hat da den gequälten Juwelier gespielt. Nun haben Sie ja schon Auszeichnungen entgegennehmen dürfen: Was würde Ihnen die "Goldene Berta" bedeuten?Lansink: Da bin ich jetzt gar nicht informiert. Die Goldene Berta ist der Publikumspreis der Eifel-Kulturtage.- Bitte empfehlen Sie zum Abschluss was Heiteres: vielleicht ein Buch?Lansink: Mein ewiges Lieblingsbuch: "Meister und Margarita" von Michail Bulgakow. sosExtra

Mit Leonard Lansink, der besonders als Darsteller des Wilsberg bekannt ist, und seiner Lesung "Im Angesicht des Bösen" am Samstag, 28. September, 20 Uhr, im Gemeindezentrum Hetzerath enden die Eifel-Kulturtage. Schauspieler Lansink stellt Axel Petermann, Deutschlands bekanntester Tatortanalytiker, und dessen Buch vor. Es zeigt mehr als die kriminalistische Arbeit bei Mordfällen und soll abgründiger als jeder Krimi sein. sos Informationen unter www.eifel-kulturtage.de

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