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Harte Musik, tätowierte Fans, friedliche Feier

Harte Musik, tätowierte Fans, friedliche Feier

Laute, manchmal brachial klingende Musik dröhnt durchs sonst so beschauliche Alftal. Jeweils rund 1000 ausgeflippte, aber friedliche Fans feierten an zwei Tagen bis zum Morgengrauen. Netto rund 15 Stunden Live-Musik von 21 Bands bot das 16. Riez- Open-Air-Festival.

Bausendorf-Olkenbach. Wo ist die Band? Auf der Bühne sind die Jungs von Authority Zero am Freitagabend beim Riez-Open-Air irgendwann kaum mehr auszumachen. Die Fans haben die Bühne gestürmt und zappeln rund ums Zero-Quartett. Etwas, was trotz der Größe wohl nur auf einem familiär gebliebenen Festival wie dem Riez am Rand des Bausendorfer Ortsteil Olkenbach möglich ist. Das Sicherheitspersonal lässt es zu. Leadsänger Jason DeVore setzt die Steilvorlage um und lässt die Fans Songfetzen ins Mikrofon brüllen.
Das Riez-Open-Air lockt mittlerweile Hardcore- und Punkrock-Freunde von Niedersachsen bis aus der Schweiz an. Auch die Bands werden immer internationaler und hochkarätiger. Diesmal sind 21 Formationen unter anderem aus Deutschland, den USA, Israel, den Niederlanden und Schweden an den zwei Tagen dabei. Sie sorgen für netto rund 15 Stunden Live-Musik. Auch unter den Zuschauern. "Wir kommen seit drei Jahren mit der ganzen Familie hierher. Je älter die Kinder werden, desto weniger kommt man aus der Nummer raus", erzählt Boris Ritsche lachend. Mit Frau Manuela ist er am Freitag mit seinem alten Hanomag vor einem Wormser Gymnasium vorgefahren, um mit Tochter und Sohn im Teeniealter ins Alftal zu fahren. Auf der extra für Wohnwagen hergerichteten Wiese haben sich die Ritschers eingerichtet. Außerdem gibt es noch einen Zeltplatz, der mit 450 Campern belegt ist.
"Das hier ist harte Musik, tätowierte Leute, die aber gar nicht so sind, wie sie vielleicht aussehen", sagt Ritscher. Das Publikum lebe diese Musik. Deshalb bleibe es auch so friedlich. "Es gab noch nie Probleme", bestätigt Ron Simon. Auch diesmal nicht. Die Sanitäter müssen die für solche Festivals typischen Verletzungen behandeln: "Vom Mückenstich über Dehydration bis zum Armbruch", erzählen die Einsatzleiter Markus Stoffel und Daniel Wirz. Die Malteser Piesport waren mit 15 Leuten vor Ort. Bilanz: 30 Hilfeleistungen, darunter zehn Krankenhaus-Transporte. "Der Freitag war genauso gut besucht wie der Samstag", sagt Mario Schichel. Was den Organisationsleiter besonders freut: Weil so viele mithelfen, bekommen auch die vier Dutzend Freiwilligen, vom örtlichen Kegelclub bis zur freiwilligen Feuerwehr Olkenbach, die Gelegenheit mitzufeiern. Als am Sonntagmorgen gegen ein Uhr die New Yorker Hardcore-Band Sick of It All zum letzten Mal in die Gitarrensaiten greift, ist noch nicht Schluss. Bei der After-Show-Party im Zelt geht es, wenn auch leiser und mit Musik aus der Konserve, weiter. Die Letzten verkriechen sich in ihre Zelte, als manche bereits aufwachen. Denn auch das gehört mittlerweile zum Riez-Open-Air dazu: der gemeinsame Morgenkaffee gegen den Kater nach der Feier. Bei sieben Besuchern bleibt es nicht beim Kater. Bei Kontrollen während der Abfahrt wurden Polizeibeamte fündig: Drei Autofahrer standen unter dem Einfluss von Drogen, zwei weitere waren alkoholisiert. Bei zwei weiteren Gästen wurde Haschisch gefunden. Sie alle müssen mit Konsequenzen rechnen.