Hausarztpraxis in Binsfeld schießt, Ärztegenossenschaft Medicus sucht Lösungen

Ärztemangel auf dem Land : Hausarztpraxis in Binsfeld schließt - Ärztegenossenschaft Medicus sucht Lösungen

In Binsfeld zieht sich zum Jahresende einer der beiden Hausärzte zurück. Die Ärztegenossenschaft Medicus prüft derzeit Möglichkeiten, wie sich das Angebot weiter aufrechterhalten lässt.

„Wir stehen in Verhandlungen und sind sehr daran interessiert, dass die Praxis weitergeführt wird“, sagt Michael Jager. Der Allgemeinmediziner aus Bitburg ist Vorsitzender der Medicus Eifler Ärzte. Die vor drei Jahren gegründete Genossenschaft verfolgt das Ziel, die ärztliche Versorgung auf dem Land zu sichern - und das auch möglichst dezentral. Gefährdet ist diese Versorgung vor allem durch den Ärztemangel in ländlichen Regionen. So geht die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz davon aus, dass auf der Basis der im Juni 2017 in der ambulanten Versorgung noch tätigen Mediziner bis 2022 weit mehr als die Hälfte dieser Haus- und Fachärzte in den Ruhestand gehen werden. Und wie die Entwicklungen der vergangenen Jahre gezeigt haben, wird es gerade auf dem Land für Ärzte immer schwieriger, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden.

Betroffen davon ist auch die Hausarztpraxis von Uwe Reinert in Binsfeld. Wie die Praxis auf Anfrage mitteilt, will der Facharzt für Allgemeinmedizin zum Jahresende aus Altersgründen aufhören. Sein Bitburger Kollege Jager war vor ein paar Jahren in einer ähnlichen Situation. Durch die Gründung von Medicus, wofür einige Hürden zu überwinden waren (der TV berichtete), konnte er dieses Problem lösen. Die Genossenschaft hat Anfang des Jahres seine Praxis übernommen. Jager praktiziert zwar immer noch, ist inzwischen aber nicht mehr Chef, sondern nur noch Angestellter dieser Praxis. Er kann sich sein Arbeitspensum nun selbst einteilen, ist nicht mehr allein dafür verantwortlich, dass der Laden läuft.

Neben der ehemaligen Praxis von Jager gehört zum Medizinischen Versorgungszentrum Medicus derzeit auch noch eine Praxis in Dudeldorf. Auch dort hat sich ein Arzt aus Altersgründen zurückgezogen. Nach vielen Gesprächen und Verhandlungen ist es der Genossenschaft gelungen, die Praxis in Dudeldorf zumindest für ein paar Stunden in der Woche zu öffnen. Inzwischen gibt es in Dudeldorf an fünf Vormittagen in der Woche Sprechstunden.

„Wir prüfen, ob wir die Praxis in Binsfeld vielleicht mit dem Standort Dudeldorf verknüpfen können“, sagt Jager. Da die beiden Orte nicht so weit voneinander entfernt seien, wäre das durchaus eine Option, erklärt der Bitburger Arzt. „Gerade für den Sprengel Spangdahlem-Speicher ist es wichtig, das Angebot aufrecht zu erhalten“, fügt er hinzu.

Begrüßen würde das auch Andreas Falk, Ortsbürgermeister der 1150 Einwohner zählenden Gemeinde Binsfeld. „Wir haben bereits unsere Apotheke verloren“, bedauert Falk. Zwar gebe es im Ort noch einen weiteren Hausarzt, doch sei auch der nicht mehr der Jüngste, sodass in absehbarer Zeit auch noch die Schließung der zweiten Praxis drohe. „Wir wären deshalb sehr froh, wenn das mit der Genossenschaft klappen würde“, sagt der Ortsbürgermeister.

Michael Jager Medicus eG Bitburg. Foto: TV/Dagmar Schommer

Bei Medicus ist man bemüht, eine Lösung zu finden. Nur ist es mit der Übernahme der Praxisräume allein nicht getan. „Unser größtes Problem sind die fehlenden Ärzte“, sagt Jager. Und davon betroffen seien nicht nur die Praxen der Allgemeinmediziner, sondern auch die der Fachärzte. „Nachfolger fehlen auch bei den Orthopäden, Internisten, Kardiologen oder aber Kinderärzten“, so Jager. Wie der Vorsitzende der Genossenschaft erklärt, führe er derzeit auch Gespräche mit einem Bitburger Arzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, der ebenfalls auf die Rente zusteuere. „Der Genossenschaft können sich ja auch Fachärzte anschließen“, sagt er. Da spreche überhaupt nichts dagegen. Das Problem bleibe aber das Gleiche.

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