Hausaufgaben trotz Sommerferien

In der Frage um die Entwicklung der Schul-Standorte Saarburg und Hermeskeil drängt Landrat Günther Schartz (CDU) auf ein baldiges Gespräch mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) und dem Landes-Ministerium. So solle das Schulentwickungskonzept des Kreises erneut auf den darin formulierten Wunsch nach jeweils sechszügigen Integrierten Gesamtschulen in Hermeskeil und Saarburg geprüft werden.

Hermeskeil/Trier/Saarburg. Eine am Donnerstag, 9. Juli, von Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) veröffentlichte Liste sorgte in Teilen des Kreises Trier-Saarburg für ungläubiges Kopfschütteln.

Darin tauchten die Namen der 17 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz auf, die zum Schuljahr 2010/11 zur Integrierten Gesamtschule (IGS) umgewandelt werden sollen. Die Standorte Saarburg und Hermeskeil suchte man in dem Papier vergeblich (TV vom 10. Juli).

Dabei hatte das Anfang März bei einer Enthaltung mehrheitlich vom Kreistag verabschiedete Schulentwicklungskonzept das Schulzentrum in Saarburg-Beurig sowie die Erich-Kästner-Realschule in Hermeskeil als künftige IGS-Standorte empfohlen. Jeweils sechszügig sollte die neue Schulform starten, so die Vorstellung.

"Das Konzept war mit den Verbandsgemeinden, den Schul- und Elternvertretern, den Wirtschaftskammern und der ADD abgestimmt und von allen mitgetragen", erläuterte Landrat Günther Schartz in einem kurzfristig anberaumten Pressegespräch gestern in Trier.

In einem Schreiben des Ministeriums vom 8. Juli verweist Ahnen auf das Ende März verabschiedete Schulgesetz beziehungsweise einen darin enthaltenen Leitfaden, nachdem alle IGS vierzügig vorgesehen seien. Für den Standort Hermeskeil könne ein Antrag auf Errichtung einer vierzügigen IGS bis 30. September nachgereicht werden. Bezüglich der Entwicklung in Saarburg gibt das Schreiben keinen näheren Aufschluss.

SPD-Landtags-Abgeordneter und Kreistags-Fraktionsvorsitzender Alfons Maximini und weitere Parteigenossen werfen Schartz in einem Schreiben vor, er habe der Region "einen Bärendienst erwiesen": Die Vorgabe der Landesregierung sei klar gewesen, dennoch habe der Landrat gegenüber der Ministerin erklärt, nur sechszügige IGS zu akzeptieren.

In einer nicht öffentlichen Sitzung des Kreisausschusses (KA) vorgestern habe man sich einstimmig darauf verständigt, nach der Sommerpause in den Sitzungen des KA und des Kreistages zu entscheiden, ob der Antrag für eine vierzügige IGS in Hermeskeil gestellt werden soll, informierte Schartz.

Zudem will er gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden ein Gespräch mit der ADD und dem Ministerium führen.

Der Wunsch nach sechszügigen IGS rühre von den prognostizierten wachsenden Schülerzahlen in der Region her. "Es geht nicht um fehlende Kompromissbereitschaft. Aber wenn wir über vierzügige Einrichtungen reden, müssen wir auch über die Konsequenzen nachdenken. Uns geht es darum, dass wir keine Schüler abweisen möchten, die dann zum Beispiel nach Orscholz oder Perl abwandern. Deshalb werden wir das Konzept nach wie vor einfordern."

Schließlich habe man in Hermeskeil und Saarburg vor allen Dingen bei den Eltern, die sich in einer Befragung mehrheitlich für das System der IGS ausgesprochen hätten, Erwartungen geweckt.

Es gebe eine Diskrepanz zwischen der kommunalen Schulentwicklungsplanung und der Entscheidung des Landes. Der "Zwischenraum" sei "nicht beackert", eine Per spektive für Saarburg fehle ganz. Schartz: "Das ist auch eine Frage der Ernsthaftigkeit. Erst haben sie uns mit dem Schulentwicklungskonzept auf die Bäume gejagt, jetzt pfeifen sie uns zurück."

Meinung

Viele Fragezeichen

Saarburg in der ersten Runde rausgeflogen, Hermeskeil darf nachnominieren: Auf diesen verkürzten Nenner lässt sich das aktuelle Ergebnis in der IGS-Standort-Frage bringen. Und das scheint bislang so ziemlich die einzige offizielle Information aus Mainz zu sein. Nichts genaues weiß man nicht. Spekuliert wird in verschiedene Richtungen. Etwa, dass die Wünsche aus Hermeskeil und Saarburg mangels Lehrer-Kapazitäten nicht realisierbar sind; oder über die Hintertür die "von der Basis" nicht gewollte Realschule plus eingeschmuggelt werden soll. Ein höchst merkwürdiges Licht auf das gesamte Prozedere wirft die Tatsache, dass in großem Kreis über Monate auf einer Basis geplant wird, für die es am Ende mit Hinweis auf das Schulgesetz die Rote Karte gibt. Dass die SPD, die im Kreistag genau dieses Konzept einstimmig mitverabschiedet hat, nun nichts Eiligeres zu tun hat als Schuldzuweisungen auszusprechen, spricht ebenfalls für sich. s.rendenbach@volksfreund.de