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Hauskauf Eifel, Mosel: Nachfrage, Preise auf dem Immobilienmarkt

So war 2022, so wird 2023 : Immobilienmarkt im Kreis Bernkastel-Wittlich: Angebot, Nachfrage, Preise für den Hauskauf

Die Zinsen für Immobilienkredite sind im vergangenen Jahr gestiegen, die Preise dafür nicht mehr ganz so stark wie zuvor. Wie hat sich der Immobilienmarkt in der Region entwickelt? Und wie sehen die Prognosen für die kommenden Monate aus? Ein Überblick.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren sind Immobilien in Rheinland-Pfalz ab dem Sommer 2022 nicht mehr teurer geworden. Dafür sind die Zinsen für Immobilienkredite stark gestiegen, teils auf mehr als vier Prozent. Die Nachfrage ist vielerorts zurückgegangen. Wie war das auf dem Immobilienmarkt im Kreis Bernkastel-Wittlich im vergangenen Jahr? Und wie sind die Prognosen für 2023?

Wie hat sich die Nachfrage 2022 entwickelt?

Norbert Schmitz von der Immobilienvermittlung der Sparkasse Mittelmosel – Eifel Mosel Hunsrück berichtet, dass die Nachfrage von jungen Familien nach von ihnen selbst genutzten Einfamilienhäusern abgenommen hat. Grund seien die gestiegenen Bauzinsen, aber auch gekürzte Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Bei Neubauten sei der Rückgang deutlicher als bei Gebrauchtimmobilien. Es gibt aber auch eine Ausnahme: „Weiterhin ungebrochen hoch ist die Nachfrage nach Neubauwohnungen aus dem Marktsegment der jungen Senioren“, berichtet Schmitz.

Auch Peter Bastgen von Bastgen Immobilien (Raum Wittlich und Trier) sagt, dass die Nachfrage stark eingebrochen sei. Das beobachtet er vor allem im Bereich Anlageimmobilien. Diese sind Immobilien wie Eigentumswohnungen oder Mehrfamilienhäuser, die gekauft werden, um sie weiterzuvermieten. Grund seien auch hier vor allem die höheren Zinsen, sagt Bastgen. Da diese fast ums Vierfache gestiegen seien, sei die Rendite aus solchen Objekten entsprechend kleiner.

Welche Immobilien wurden und werden besonders nachgefragt?

Welche Immobilien sind 2022 besonders nachgefragt worden? Altersgerechte und barrierefreie Neubauwohnungen, berichtet Norbert Schmitz. Bis zur Mitte des vergangenen Jahres sei auch bei Gebrauchtimmobilien – heißt keine Neubauten – die Nachfrage unabhängig von Preis, Lage und Zustand ungebrochen hoch gewesen.

Weiterhin herrsche starkes Interesse für gepflegte Anwesen in guten Lagen mit guter Infrastruktur. „Im Hinblick auf die derzeitige energiepolitische Situation sind alle Objekte mit innovativer Heiztechnik im Markt besonders nachgefragt“, erklärt Norbert Schmitz außerdem. Peter Bastgen berichtet, das klassische Einfamilienhaus werde immer nachgefragt – „aber da ist der Markt in Wittlich sowieso größtenteils ausgetrocknet“, sagt er.

Wie haben sich Angebot und Preis entwickelt?

Und wie sieht es auf der anderen Marktseite aus? Das Verkaufsangebot sei 2022 nicht geringer geworden, berichtet Norbert Schmitz – eher im Gegenteil. Dabei sei auch zu beobachten, dass der Preisanstieg der vergangenen Jahre nahezu beendet sei. Viele Verkäufer seien bereit, ihre Immobilie zu einem etwas niedrigeren, marktangepassten Preis zu veräußern.

Peter Bastgen hat andere Erfahrungen gemacht. Er berichtet, die Angebote im Hausbereich seien weniger geworden. „Die Leute sind verunsichert, ob sie verkaufen oder lieber halten sollen. Sie sind verunsichert, wie es weitergeht“, sagt er. Im Moment gehe eher die Tendenz dazu, zu halten.

Wie ist der Ausblick auf den Immobilienmarkt 2023?

So viel zum Jahr 2022 – wie könnte es auf dem Immobilienmarkt in der Region weitergehen? Norbert Schmitz sagt, es werde künftig weiterhin einen Markt für Neubauten und Immobilienverkäufe geben – „spätestens, wenn die Teilnehmer auf beiden Marktseiten die Veränderungen realisiert haben und sich zu Zugeständnissen in beide Richtungen arrangieren“, meint er. „Der Wunsch der Menschen nach eigenem Wohnraum bleibt ungebrochen hoch. Allerdings werden die Nachfrager künftig noch mehr ihren Fokus auf die Lage und insbesondere den energetischen Standard der Immobilie legen.“

Peter Bastgen beobachtet eine weitere Entwicklung: Einige Menschen schieben ihren Traum vom Eigenheim aufgrund der gestiegenen Zinsen auf. Sie mieten stattdessen. In diesem Bereich werde die Nachfrage vermutlich steigen, sagt er. Von dieser Entwicklung wird nicht nur im Kreis Bernkastel-Wittlich, sondern in ganz Deutschland ausgegangen: Wie die Deutsche Presse-Agentur kürzlich berichtete, wird eine höhere Nachfrage im Mietbereich sowie damit verbundene höhere Mieten bundesweit beobachtet und erwartet.

Blick über den Tellerrand: Wie ist es im Eifelkreis und der Vulkaneifel?

In den Kreisen Eifel und Vulkaneifel machen sich die gestiegenen Zinsen ebenfalls bemerkbar. So berichtet beispielsweise Hubert Franzen von Immobilien Franzen (Bitburg und Umgebung) von einer geringeren Nachfrage vor allem bei teureren Immobilien, dafür werden gebrauchte Objekte stärker nachgefragt. Jonathan Agneessens von der Jonathan Agneessens Immobilien GmbH in Gerolstein sagt, das gepflegte, ruhig gelegene, freistehende Wohnhaus sei nach wie vor ein Verkaufsschlager. Die Preise stagnieren derzeit in beiden Kreisen.