Hausmann, Maler, Autor, Guru

Gerhard Schruff ist 79 Jahre und kein bisschen müde. Mit seiner markanten rauen Stimme erzählt er aus seinem Leben: rastlos, umtriebig, energiegeladen.

Rivenich. Gerhard Schruff ist ein Macher und kein Zweifler. "Was ich anpacke, wird ein Erfolg", sagt er. Und der Mann mit dem vollen weißen Haar hat in seinem Leben schon so manches Terrain beschritten. An seine Kindheit im Bergarbeitermilieu von Gelsenkirchen-Horst erinnert er sich so gerne, dass er die Anekdoten in einem Buch vor dem Vergessen bewahrt hat - "... und am Schlachttag gab es Panhas. Erinnerungen an eine herrliche Zeit im Ruhrgebiet der 30er Jahre" hat er es genannt.

In der Jugend lernte er Uhrmacher und Goldschmied, besuchte die Maschinenbau-Schule in Essen, ging 1959 nach Trier und wechselte in die Versicherungsbranche. In Klausen wurde er 1970 sesshaft und blieb dort mit seiner Frau Marie Luise 37 Jahre. Die Ehrennadel des Landes zeugt von seinen zahlreichen Ehrenämtern, in denen er sich in der Region engagierte. Dazu gehören auch zwölf Jahre als Vorsitzender des SV Klausen.

Nach dem Tod seiner Frau siedelte Schruff nach Rivenich um, wo er kein Unbekannter ist. Dort stand er nämlich von 1968 bis 1990 in der Bütt. Dann stieg er aus: "Die Redner wurden immer jünger, die Witze immer schweinziger. Da hatte ich keine Lust mehr", sagt er.

Als Rentner probierte Schruff sich auf neuen Feldern aus: Er habe nie malen können, aber das hielt ihn nicht davon ab, es im Alter zu probieren und auch seine Frau mit der Mal-Leidenschaft anzustecken. Und sie gingen in die Offensive. Auf zahlreichen Ausstellungen zeigten sie ihre Gemälde in Acryl, Aquarell, Kreide und Öl, und siehe da, der Verkauf florierte, erzählt Schruff. Dann kamen die bewegten Bilder hinzu: Schruff heuerte beim Offenen Kanal Wittlich an. Einer seiner Filmbeiträge öffnete ihm die lange verschlossene Tür zur Klosterbibliothek Klausen, womit ein neues, erfolgreiches Kapitel in seinem Leben begann. "Mein Gott, hier müsste etwas getan werden", dachte er sich, als er den verwahrlosten Raum betrat. Er gründete 1999 gemeinsam mit Pater Heinz-Josef Babiel, der kurz darauf verstarb, den "Freundeskreis der alten Klosterbibliothek". Schruff setzte viele Hebel in Bewegung, dass die mittelalterliche Bibliothek und zahlreiche ihrer Bücher tatsächlich restauriert wurden. Im vergangenen November gab er den Vorsitz ab: "Mein Ziel, die Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, war erreicht", begründet er den Schritt. Aber er sei noch immer "Gallionsfigur" und "Guru" des Projektes. "Ich bin stolz drauf", sagt er ohne Hehl.

Seine Zeit gehört nun in erster Linie seiner siebenjährigen Urenkelin Anastasia, die mehr oder weniger bei ihm lebt. Für sie spielt er gerne den Hausmann. Der Hobbykoch besitzt ein Repertoire vom mehrgängigen Weihnachtsmenü mit Wachteleiern bis zu 40 verschiedenen Eintöpfen.

Gerade ist sein zweites Buch fertig geworden, eine Art Ratgeber: "Vom Leben an sich. Eine heiter, besinnlich, philosophische Betrachtung unseres Daseins". Im Mai geht Schruff damit auf Lesetour und ist in Gedanken schon beim nächsten Buch.