Hebamme half bei 3000 Geburten

Vor 125 Jahren wurde Auguste Kaucher geboren. Die Obersteiner Hebamme verhalf im Laufe ihres Berufslebens rund 3000 Kindern, das Licht der Welt zu erblicken.

Idar-Oberstein. (jst) Vier Jahrzehnte lang, von 1911 bis 1952, war Auguste Kaucher mit tatkräftiger Unterstützung dabei, wenn in Oberstein, aber auch in der näheren Umgebung wie etwa Göttschied, Kinder auf die Welt kamen. Rund 3000 neuen Erdenbürgern verhalf sie so ins Leben hinein. Eines der letzten Kinder, das mit ihrer Hilfe geboren wurde, war der kürzlich verstorbene Arzt und SPD-Politiker Rainer Luthmann. Auguste Kaucher, ihr Mädchenname war Sauer, stammte aus Oberstein. Nach der Heirat mit Karl Kaucher lebte sie zunächst viele Jahre in der Müllersheckstraße auf dem Schlossberg. Sie bekam zwei Kinder, den Sohn Richard, der bereits verstorben ist, und Tochter Else. Später zog die Familie in die Hasbach, wo ihre Tochter Else Sieger heute noch lebt.

Auguste Kaucher starb am 20. September 1954, nur zwei Jahre, nachdem sie in den Ruhestand getreten war. Ihre Tochter, die heute 84 Jahre alt ist, erinnert sich noch gut an die beschwerliche Arbeit, die die Hebamme leisten musste, da sie ihre Mutter auch häufig begleitete.

25 Jahre lang Hausbesuche zu Fuß



25 Jahre lang erledigte sie alle ihre Hausbesuche zu Fuß. "Da ging es oft bei Nacht und Nebel durch den Pfaffenwald nach Göttschied, um dort eine Geburt zu betreuen", erinnert sich Else Sieger. Erst 1936 wurde ein Auto, ein Opel P4, zur Verfügung gestellt, das in einer Garage der Häuser der Baugenossenschaft in der Mainzer Straße untergestellt war. Nach Kriegsbeginn gab es häufig kein Benzin mehr für das Auto, sodass sie die beschwerlichen Wege wieder zu Fuß machen musste. Als der Krieg dem Ende zuging, riet man ihr, den Motor auszubauen, damit "die Russen" sich nicht daran vergreifen könnten. Das war aber vergebens: Nach dem Krieg war der Motor nicht mehr da.

Auguste Kaucher war auch viele Jahre als freie Hebamme im früheren Idar-Obersteiner Krankenhaus am Friedrich-Ebert-Ring tätig. Kolleginnen von ihr waren Frau Hoffmann, Frau Schmidt und Frau Minn, die aber alle vor ihr starben, sodass sie auch längere Zeit die einzige Hebamme für ihren Bereich war. Ihre Nachfolgerin wurde Gretel Petsch.

Noch heute wird Tochter Else Sieger oft auf ihre Mutter angesprochen.