Heckenmünster feiert die Schnapszahl

Heckenmünster. Ein kleiner Ort mit großer Vergangenheit: Bei Heckenmünster befand sich in Römerzeiten ein Quellheiligtum mit Tempel. Heute ist der Ort bei jungen Familien beliebt.

Der Dorfplatz war zu klein, als sich die Heckenmünsterer zur TV-Aktion "Dorf-Foto” versammelten. 58 Einwohner ließen sich zusammen ablichten, und viele von ihnen waren noch recht jung. Birger Führ, Bürgermeister des offiziell 138 Einwohner zählenden Orts, liefert die statistischen Daten: "Fast ein Drittel der Heckenmünsterer ist bis 20 Jahre alt, und gerade mal 16 Prozent sind über 60." Viele junge Familien hätten in dem am Hang und im Grünen liegenden Ort gebaut. Das Dorf sei ein "Ableger für Insider", die Baustellen seien im Vergleich zum nahe gelegenen Salmtal billiger und größer, sagt Führ. Ganz uneigennützig weist der Ortsbürgermeister in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es noch 13 bebaubare Plätze im Ort gibt, von denen vier im Besitz der Gemeinde sind. Außerdem, erklärt Führ weiter, könnten sich die Kids in Heckenmünster noch unbekümmert rumtreiben. Nur eins fehle ihnen: ein Bolzplatz, denn: "Es ist alles schepp hier." Geschäfte gibt es in Heckenmünster keine. Mit den nötigsten Lebensmitteln werden die Einwohner per Auto versorgt, und sogar die Sparkasse kommt hierher. Führ: "Die Autos kommen immer zur gleichen Zeit, die Leute stehen schon an der Straße und warten."Noch ist die Gemeinde schuldenfrei

An organisierten Gruppen gibt es in Heckenmünster die Feuerwehr, eine Gymnastikgruppe, eine Jugendgruppe, einen Kirchenchor und eine Breitensportgruppe, zu der laut Führ allerdings kaum noch Heckenmünsterer gehören. Noch ist die Gemeinde schuldenfrei, doch das wird sich voraussichtlich bald ändern. "Der Ortsstraßenausbau ist noch nicht abgerechnet. Danach liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei etwa 700 Euro", erklärt der Bürgermeister. Der Abschluss des Ortsstraßenausbaus war für die Heckenmünsterer 2002 ein Anlass zum Feiern. Das nächste Dorffest hat der Gemeinderat für 2008 geplant und beweist damit eine gewisse Vorliebe für Schnapszahlen. Denn auf die Frage, ob der Ort den 775. oder den 777. Geburtstag feiern soll, hat er sich klar für den letzteren entschieden. 1231 wurde die Gemeinde im Heckenland zum ersten Mal urkundlich erwähnt, doch wer nach Historischem sucht, wird auf Heckenmünsterer Grund schon sehr viel früher fündig. Denn Überreste belegen, dass sich zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert bei der nicht weit vom Ort entfernten, kohlensauren Viktoriaquelle und der benachbarten Schwefelquelle ein römisches Quellheiligtum befand. Ein Tempel stand dort neben Badeanlagen und Herbergen. Und auch später spielte die Viktoriaquelle, die heute ein relativ schmuckloses Dasein fristet, eine wichtige Rolle: Ihr Wasser wurde im 19. Jahrhundert verkauft und über den Hetzerather Bahnhof verschickt. "Die römische Vergangenheit ist etwas Besonderes, und schon damals war das hier besonders", sagt Birger Führ. Das ist der Grund, warum auch der Brunnen, der am Ortseingang entstehen soll, an die römische Vergangenheit erinnern soll. Doch noch steht das Projekt nicht auf festen Füßen, die Zuschüsse für den Brunnenplatz sind noch nicht bewilligt. Kleine Dörfer, die sich ebenfalls an der TV-Aktion "Dorf-Foto” beteiligen wollen, können sich an TV-Foto-Redakteur Friedemann Vetter wenden unter der Telefonnummer 0651/7199-421. Die Feuerwehr Heckenmünster feiert ihr traditionelles Maifest am Sonntag auf dem Viktoriaplatz. Um 10 Uhr morgens geht's los.